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Vom Leben
Vom Tod
Von der Liebe
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Vom Gauben
Wünsche





Vom Geld:


Reich ist nicht der, der viel hat,
sondern der, der viel gibt.
(unbekannt)

Arm ist nicht der, der wenig hat,
sondern der, der nie genug bekommen kann.
(unbekannt)

Die sind die Reichsten, deren Vergnügen am wenigsten kostet.
(H. D. Thoreau)



Wenn Du Geld verleihst, dann gib es demjenigen,
der es Dir bestimmt nicht zurück geben kann.
Denn der braucht es doch an erster Stelle.
Soll heißen: wie kommst Du denn darauf,
mit der Not Deines Bruders Gewinn erzielen zu wollen?
(Eugen Drewermann über Jesus)

Überfluß hat erst dann Wert,
wenn wir ihn zum Wohle anderer benutzen.
(Hilty)

Geld und Macht sind Erfindungen des Mißtrauens.
(Hermann Hesse)

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
(Matthäus 6, 24)



Viele Menschen verachten den Reichtum,
aber wenige sind stark genug, darauf zu verzichten.
(La Rochefoucauld)

Die Größe eines Berufes besteht vielleicht vor allem anderen darin, daß er Menschen zusammenbringt. Es gibt nur eine wahrhafte Freude: den Umgang mit den Menschen...
Wenn wir nur für Geld und Gewinn arbeiten, bauen wir uns ein Gefängnis und schließen uns wie Klausner ein. Geld ist nur Schlacke und kann nichts schaffen, was das Leben lebenswert macht.
(Antoine de Saint-Exupéry)

I will tell you about the very rich.
They are different from you and me.
(F. Scott Fitzgerald)

I sit on a man´s back, hurting him and forcing him to carry me,
and I tell myself and others that I feel sad for him,
and want to help him in any way that I can.
...in any way that is, but to get off his back.
(Leo Tolstoy)

The king is no more than a man...
as I am.
The flower smells to him
as it does to me.
(William Shakespeare)



There is no real use for wealth,
but to give it to others.
(Francis Bacon)

A little more.
(John D. Rockefeller,
when asked how much money a person needs to be happy)


Die modernste Form menschlicher Armut ist das Keine-Zeit-Haben.
(Ernst Ferstl)



Man kann einen Menschen aus allen undenkbaren Gründen heraus anzeigen, um Gerechtigkeit zu fordern.
"Gerecht" ist das Gericht jedoch noch lange nicht.
Auch nicht die Menschen. Wie sonst ist es zu erklären, daß es noch kein einziges Urteil gab, das auf "Unmenschlichkeit" lautete?
(Hintergrund: Zeitungsbericht, nach dem ein Vorstand der DB AG verkündete, man solle die Essensausgabe der Bahnhofsmissionen untersagen, da diese Bettler und alte Menschen anlockt, und das dem Umsatz des Unternehmens abträglich sein könnte...)
So gesehen wurde noch nie ein Problem gelöst, indem man es aus dem eigenen Blickfeld geschoben hat. Und wo genau da ein Problem zu suchen ist, ist zumindest mir nicht klar. D.h. doch: Menschen, die solche Äußerungen machen. Sie sollte man zu mehrtägiger Sozialarbeit wegen Unmenschlichkeit verurteilen.
(Andreas Born)





Es war ein wunderschöner, warmer Sommertag. Ein Fischer lag gemütlich am Strand und genoß das Leben. Da kam ein Fremder vorbei und fragte ihn: "Fischer, warum bist du nicht bei der Arbeit auf dem Meer, sondern liegst hier faul in der Sonne?"
Da antwortete der Fischer: "Fremder, warum sollte ich jetzt auf´s Meer hinaus fahren?"
"Na, dann würdest du viel mehr Geld verdienen, wenn du anstatt nur morgens auch noch nachmittags arbeiten würdest."
"Aber was sollte ich denn mit noch mehr Geld anfangen?" fragte der Fischer.
"Zum Beispiel könntest du dir sehr schnell ein noch viel größeres Boot kaufen."
"Aber wofür das denn?"
"Du würdest sehen, innerhalb kürzester Zeit könntest du mit deinem größeren Boot deinen Umsatz um einiges steigern!"
"Ja, und dann?"
"Dann hättest du bald genug Geld, dir noch ein zweites und vielleicht später ein drittes oder noch viel mehr Boote zu kaufen und Leute einzustellen, die für dich arbeiten."
"Klingt gut, aber was wäre dann?"
"Du würdest so viel Geld verdienen, daß du dir ein großes Haus kaufen kannst oder andere tolle Sachen."
"Na schön, und weiter?"
"Dann hast du soviel erreicht, besitzt ein tolles Haus, jede Menge Boote und Leute, die für dich arbeiten. Da kannst du es dir erlauben, einfach mal in die Sonne zu liegen und das Leben zu genießen!"
"Aber genau das tue ich ja jetzt schon!!!"
(Heinrich Böll)



Geld ist eine Illusion, die nur deshalb funktioniert, weil alle daran glauben.
(unbekannt)

Bei Geld fängt die Freundschaft an.
(Alexander Hölle)





Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Warum kommst du zum Meister?

Ein Freund sagte zu einem Universitätsstudenten:
"Warum kommst du zum Meister? Wird er dir helfen, deinen Lebensunterhalt zu verdienen?"
"Nein, aber dank seiner Hilfe, werde ich wissen, was mit dem Lebensunterhalt anzufangen ist, wenn ich einen verdiene", antwortete er.


Laß mir noch fünf Yen

Es war einmal ein alter Zen-Meister mit Namen Nonoko, der allein in einer Hütte am Fuß eines Berges wohnte. Eines Nachts, als Nonoko meditierte, brach ein Fremder in der Hütte ein und verlangte mit gezogenem Schwert Nonokos Geld. Nonoko unterbrach seine Meditation nicht, sagte aber zu dem Mann: „All mein Geld ist in einer Schale dort auf dem Regal. Nimm, soviel du willst, aber laß mir noch fünf Yen. Ich muß nächste Woche meine Steuern bezahlen.“
Der Fremde leerte alles Geld aus der Schale und warf fünf Yen zurück. Er ließ auch eine kostbare Vase mitgehen, die er in dem Regal fand.
„Geh vorsichtig mit ihr um“, sagte Nonoko, „sie geht leicht kaputt.“
Der Fremde sah sich noch einmal in dem kleinen kahlen Raum um und wollte hinausgehen.
„Du hast dich noch nicht bedankt“, sagte Nonoko.
Der Mann sagte danke und ging.
Am nächsten Morgen war das ganze Dorf in heller Aufregung. Viele Leute sagten, sie seien bestohlen worden. Jemand bemerkte, daß in Nonokos Regal die Vase fehlte, und fragte, ob auch er bestohlen worden sei. „O nein“, sagte Nonoko, „ich gab die Vase einem Fremden und noch etwas Geld. Er bedankte sich und ging. Es war ein ganz netter Bursche, wenn er auch ein bißchen leichtsinnig mit seinem Schwert hantierte!“





Zwei Dollar verloren

Ein Mann und seine Frau besuchten Freunde in einem anderen Teil des Landes und wurden zu einem Pferderennen mitgenommen. Sie waren fasziniert von dem Anblick der auf einer Bahn um die Wette rasenden Pferde, so daß sie den ganzen Abend wetteten, bis sie nur noch zwei Dollar besaßen.
Am nächsten Tag beschwor der Mann seine Frau, ihn allein zum Rennen gehen zu lassen. Ein Pferd war am Start mit einer Quote von 50:1 im ersten Rennen. Er setzte auf dieses Pferd, und es gewann. Nun setzte er alles gewonnene Geld in einem kühnen Versuch im nächsten Rennen wieder ein, und wieder gewann er. Und so ging es weiter den ganzen Abend, und zuletzt hatte er 57 000 Dollar gewonnen.
Auf dem Heimweg kam er an einem Spielsalon vorbei. Eine innere Stimme, die gleiche, die ihn bei der Wahl der Pferde geleitet zu haben schien, sagte: "Stop! Geh hinein!" Also blieb er stehen, ging hinein und stand vor einem Roulette-Spiel. Die Stimme sagte: "Nummer dreizehn." Der Mann setzte seine 57 000 Dollar auf Nummer dreizehn. Das Rad drehte sich, der Croupier sagte: "Nummer vierzehn."
So ging der Mann mit leeren Taschen nach Hause. Seine Frau rief ihm zu: "Wie war´s?"
Der Mann zuckte die Schultern. "Ich habe die zwei Dollar verloren", sagte er.

Bedenkt man es recht, verliert man nie mehr als den Einsatz, gleichgültig, wie hoch er war.



Ehemann: "Weißt du, Liebling, ich werde hart arbeiten, und eines Tages werden wir reich werden."
Ehefrau: "Wir sind schon reich, Liebster, denn wir haben einander. Eines Tages werden wir vielleicht Geld haben."





Ich kenne eine Geschichte von einem Mann, der zu einem Mönch ging, als dieser in seinem Dorf Halt machte. "Gib mir den Stein, den Edelstein!" Der Mönch gab zurück: "Von was für einem Stein sprichst du überhaupt?"
"Heute nacht erschien mir Gott und sagte: ´Morgen um die Mittagszeit wird ein Mönch durchs Dorf kommen, und wenn er dir den Stein gibt, den er bei sich trägt, wirst du der reichste Mann des ganzen Landes.´ Also gib mir den Stein!"
Der Mönch kramte in seiner Tasche und zog daraus einen Diamanten hervor. Es war der größte Diamant der Welt, so groß wie der Kopf eines Menschen! Dann sagte er: "Ist das der Stein, den du meinst? Ich habe ihn im Wald gefunden. Hier hast du ihn!"
Der Mann nahm den Stein und lief nach Hause. Doch als die Nacht kam und er sich schlafen legte, brachte er kein Auge zu. Am nächsten Morgen, zu früher Stunde, ging er an den Ort zurück, an dem der Mönch friedlich unter einem Baum schlief. Er weckte ihn und sagte: "Da hast du deinen Stein wieder. Gib mir lieber den Reichtum, der es dir so leicht macht, den Reichtum wegzuwerfen."
Genau das müssen wir entdecken, wenn wir Freude und Glück finden wollen.





Distanz

Es befremdete die Schüler, dass der Meister, der ein so einfaches Leben führte, seine reichen Anhänger nie verurteilte.
"Es ist selten, aber nicht unmöglich, dass jemand reich und heilig ist", sagte er eines Tages.
"Wie?"
"Wenn Geld die gleiche Wirkung auf sein Herz hat, wie der Schatten des Bambus auf den Hof."
Die Schüler drehten sich um und sahen, wie der Bambusschatten über den Hof glitt, ohne ein einziges Staubkorn aufzuwirbeln.


Haben und nicht Haben

Junaid erhielt von einem seiner Anhänger einen Beutel voller Goldmünzen.
„Hast du noch mehr Münzen?“ fragte Junaid.
„Ja, noch viele.“
„Liegt dir viel an ihnen?“
„Ja.“
„Dann musst du diese hier behalten, denn du brauchst sie mehr als ich. Da ich nichts habe und nichts wünsche, bin ich viel reicher als du.“

Niemand kann einem etwas nehmen,
an das man nie sein Herz hing.

Das Herz des Erleuchteten ist wie ein Spiegel:
er hält nichts fest, weist nichts zurück,
er empfängt, aber behält nichts für sich.



Vom verlorenen Spielzeug

„Was brachte euch die Erleuchtung?“
„Freude.“
„Und was ist Freude?“
„Die Erkenntnis, dass alles zu verlieren nichts weiter bedeutet, als ein Spielzeug verloren zu haben.“

Leeres Loch sehr wertvoll

Ein Geizhals versteckte sein Gold unter einem Baum in seinem Garten. Jede Woche grub er es aus und betrachtete es stundenlang. Eines Tages fand ein Dieb das Gold und verschwand damit. Als der Geizhals seinen Schatz betrachten wollte, fand er nur ein leeres Loch.
Der Mann begann vor Kummer laut zu heulen, so dass seine Nachbarn zusammenliefen und sehen wollten, was los war. Als sie erfuhren, was passiert war, fragte einer von ihnen: „Hast du das Gold zu irgendetwas begraucht?“
„Nein“, sagte der Geizhals, „ich habe es nur jede Woche angesehen.“
„In diesem Fall“, sagte der Nachbar, „wenn du das Gold nicht direkt gebraucht hast, dann kannst du genauso gut jede Woche herkommen und das Loch betrachten.“



Auf Treu und Glauben

Ein Freund bat Nasrudin um eine Summe Geldes. Nasrudin war überzeugt, das Geld würde nicht zurückgegeben werden. Aber da er seinen Freund nicht beleidigen wollte und die erbetene Summe nicht groß war, gab er ihm das Geld. Zu seinem großen Erstaunen erhielt er das Geld genau nach einer Woche zurück.
Einen Monat später bat der Freund noch einmal um eine ein wenig höhere Summe. Nasrudin weigerte sich. Als der Mann nach dem Grund fragte, sagte er: "Letztes Mal habe ich nicht erwartet, daß du mir das Geld zurückgeben wirst - und du hast mich enttäuscht. Dieses Mal erwarte ich, daß du das Geld zurückgibst - und ich möchte nicht wieder enttäuscht werden."


Teelöffelmethode

Menschliche Probleme widerstehen hartnäckig ideologischen Lösungen, stellte der Fachmann für effektivere Arbeitsvorgänge aus eigener Erfahrung fest, als er dem Meister vorführte, wie man heute einen Graben nach modernen Methoden aushebt. „Diese Maschine“, sagte er, „hat Scharen von Männern die Arbeit weggenommen. Man sollte sie eigentlich zerstören und dafür hundert Männer mit Hacke und Schaufel in diesen Graben stellen.“
„Richtig“, sagte der Meister, „oder noch besser tausend Männer mit Teelöffeln.“



Ernstes:


Ich bin nur mehr meinem eigenen Gewissen verantwortlich.
Ich will mich nie mehr fürchten und immer so handeln,
daß ich mich meiner Taten nicht zu schämen brauche.
(Lew Kopelew)

Ich will dir zeigen, was den großen Herrn mangelt und was denen fehlt, die alles besitzen: EINER, DER DIE WAHRHEIT SPRICHT.
(Friedrich von Spee)

Denn es ist ein Dünkel, etwas zu wissen, was man nicht weiß.
Und wollte ich behaupten, daß ich um irgendetwas weiser wäre,
so wäre es um dieses, daß, da ich nichts weiß, es auch nicht glaube zu wissen.
(Ich weiß, daß ich nichts weiß.)
(Sokrates)



Some people have something to say,
some other people have to say something.
(frei nach Platon)

Wenn zwei sich unterhalten, dann ist der Dritte der Kork,
der verhindert, daß das Gespräch in die Tiefe sinkt.
(Josef Zeidler, frei nach Friedrich Nietzsche)

Jede Kritik hat damit zu tun, die Dinge nicht so sein lassen zu können,
wie sie sind.
Sie stellt deshalb in erster Linie den Kritiker in Frage und erst
in zweiter das Objekt der Kritik.
(Franz Simon)



Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen.
(Jean-Paul Sartre)

Wenn jeder hätte vor der Stirn,
aus hellem Glas ein Fensterlein,
darinnen die Gedanken schwirr´n,
und jeder säh´ hinein,
was gäbe das ein Laufen,
was gäbe das ein Laufen,
um matte Scheiben einzukaufen.
(Eugen Roth)

Der, der ich bin, grüßt traurig den, der ich sein möchte.
(Friedrich Hebbel)



Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
(Albert Einstein)

Kommt ein Indianer nach New York. Fragt ein Ami:
"Und, wie gefällt es Ihnen in unserer Stadt?"
"Geht schon", antwortet da der Indianer,
"und, wie gefällt es Ihnen in unserem Land?"
(unbekannt)


Die Würde des Menschen ist unantastbar

Würde? In manchen Ländern leider nur ein Konjunktiv.
(frei nach Alexander Eilers)

Treffen sich zwei Planeten. Der eine sieht übel aus. Fragt ihn der andere:
"Was ist denn mit Dir los?"
"Ach, ich glaub, ich hab Homo Sapiens."
"Keine Angst, das geht vorüber!"
(Text von Greenpeace T-Shirt)



Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk,
aber keinen Sonnenaufgang.
(Friedrich Hebbel)

Kleider machen Leute - aber keine Menschen!
(Rainer Bacher)

Was mir wichtig ist, ist der Mensch. Nicht sein Geburtstag!
(Josef Zeidler)



Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen.
Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge.
(Ernst Ferstl)

Der moderne Mensch ist leicht zu lenken,
aber nur schwer zu etwas zu bewegen.
(Ernst Ferstl)

Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge.
Wir standen unterm silbernen Wasserfall.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muscheln ans Ohr.
Wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit.
(Max Frisch)

When good people do nothing,
it is all that bad people need to win.
(Edmund Burke)



There were two roads, and I travelled on the one that fewer people used.
That has made all the difference.
(Robert Frost)

You can destroy the container if you will;
but the smell of the flowers will not go away.
(Thomas Moore)

Wer andere besiegt, hat Kraft.
Wer sich selbst bezwingt, ist wirklich stark.
(Tao)

In jenen Tagen des Verbrechens verzweifelte der gute Bürger am Vaterland und an der Moral Frankreichs. Gerechtigkeit, Ehre und Vernunft, alles schien verloren! Doch nein: alles war gewonnen! Zola hat nicht nur einen Justizirrtum an den Pranger gestellt, er hat auch die Verschwörung tyrannischer Mächte aufgedeckt, die die Freiheit des Gedankens ersticken wollten. Seine Worte weckten Frankreich auf.
Die Folgen seiner Tat sind unabsehbar, sie wirken sich schon heute aus - groß und gewaltig. Und so wird es in Zukunft sein. Diese Tat hat eine Bewegung sozialer Gerechtigkeit ausgelöst, die unaufhaltsam ist. Es geht aus ihr eine neue Ordnung der Dinge hervor, die auf eine höhere Gerechtigkeit und eine tiefere Erkenntnis der Rechte aller Menschen gegründet ist.
Beneiden wir ihn. Er hat sein Vaterland durch ein großes Werk und eine große Tat gerettet. Beneiden wir ihn, seine Bestimmung und sein Herz zwangen ihm die größte Rolle auf: für einen Augenblick verkörperte er das Gewissen der Menschheit...
(Anatole France in seiner Grabrede zum Tode Emile Zolas)



Der Idealismus wächst mit der Entfernung vom Problem.
(John Galsworthy)

Der einzige, der einen Ozelotpelz wirklich braucht, ist der Ozelot.
(Bernhard Grzimek)

Ein Bettler ist jemand, der sich auf die Hilfe seiner Freunde verlassen hat.
(Ambrose Bierce)



Leute, deren Gesprächen es an Tiefe fehlt, gleichen das oft durch Länge aus.
(unbekannt)

Das Fernsehen unterhält die Leute, indem es verhindert, daß sie sich miteinander unterhalten.
(Sigmund Graff)

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
(unbekannt)

Die Erfahrung ist eine Lehrerin, die sich ihre Lektionen sehr teuer
bezahlen lässt. Aber dafür lehrt niemand besser als sie.
(Th. Carlyle)



Statistik

auf den autobahnen
sterben
nachts
frösche igel und hasen

nicht nur
auf den autobahnen
sterben
nachts
frösche igel und hasen

nicht nur
auf den autobahnen
sterben
nicht nur
nachts
frösche igel und hasen

nicht nur
auf den autobahnen
sterben
nicht nur
nachts
nicht nur
frösche igel und hasen
(Joachim Richert)


Genfer Konvention

Es trafen sich
einige ältere herren
gut erzogen genährt und gekleidet
und legten fest
wie wir uns umbringen
dürfen:

zu wasser
zu lande
und in der luft

ordnung muss sein
(Peter Paul Zahl)



Die Intelligenz verdirbt den Sinn für das Wesentliche.
(Antoine de St.-Exupéry)

Lass mich nicht in Menschenhände fallen,
nicht von Menschenaugen lass mich schätzen,
nicht von Menschenzungen lass mich richten,
nicht auf Menschenherzen lass mich trauen.
(nach der Nachricht von der Misshandlung eines Tieres
von einem Kind aufgeschrieben)


Ich jammerte, weil ich keine Schuhe hatte,
bis ich einen Mann ohne Füße traf.
(aus Persien)



Wage es, der Einzelne zu sein. Wage es, zu leben.
(Sören Kierkegaard)

Ich sage mit vollster Überlegung,
dass die in ihren Kirchen organisierte Religion
der Hauptfeind des moralischen Fortschritts
in der Welt war und ist.
(Bertrand Russell)

Jede große Idee tritt an als Blasphemie.
(Betrand Russell)

Tierschützer haben 10 000 Nerze aus einer Pelzfarm im US-Bundesstaat Oregon befreit. Ein Vertreter der Pelzindustrie nannte die Aktion "Öko-Terrorismus". Rund 5 000 Nerze würden verenden, weil sie das Leben in freier Wildbahn nicht gewohnt seien.
Freilich wären ohne die Befreiungsaktion alle 10 000 Nerze verendet, weil sie das Leben als Pelzmantel nicht gewohnt sind.
(Wolfgang Mocker)

Lüge ist schlimm, weil sie trennend wirkt:
sie trennt den Lügner vom Belogenen
und alle beide von der Wahrheit.
(unbekannt)

Leader sollten führen, soweit sie können,
und sich dann in Luft auflösen.
Ihre Asche sollte nicht das Feuer ersticken,
das sie entzündet haben.
(H. G. Wells)

Ein Plan, der sich nicht ändern lässt, ist ein schlechter Plan.
(Sallust)




Wer in Urlaub fahren muss, hat weder
die richtige Wohnung noch die richtige Arbeit.
(Wildberger Weisheit)

Wer eine Organisation gründet
sichert die Verhinderung ihres Zwecks.
(Rudolf Doernach)

Je weniger intelligent ein Mensch,
für umso dümmer hält er Tiere.
(Rudolf Doernach)

Das Mittelmaß ist gut - für die Mittelmäßigen.
(unbekannt)

Ihr Weißen behauptet, Recht zu haben, und wir sollen im Irrtum sein.
Woher sollen wir wissen, ob das stimmt...
Wenn es nur eine Religion gibt, warum glauben die Weißen dann so viele verschiedene Dinge?
Wir streiten uns niemals über religiöse Fragen.
(Sagoyewatha, Red Jacket (Seneca))



Wir sind durch die Dinge, die wir besitzen, selbst in Besitz genommen.
Wenn ich ein Ding mag, schenke ich es immer weg.
Das ist nicht Freigiebigkeit - ich mache das nur, damit andere von dem Ding versklavt sind - nicht ich.
(Jean-Paul Sartre)

Versucht nicht, Dinge zu besitzen, denn sie können nie wirklich besessen werden.
Achtet nur darauf, nicht von ihnen in Besitz genommen zu werden, dann seid ihr der Herr der Schöpfung.
(Anthony de Mello)

Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen,
und fünfzig, um schweigen zu können.
(Ernest Hemingway)

Wie gut ginge es mir ohne all die Leute,
die mir weismachen wollen, es ginge mir schlecht.
(unbekannt)



Nach meiner Erfahrung ist der ärgste Feind und Verderber der Menschen der auf Denkfaulheit und Ruhebedürfnis beruhende Drang nach dem Kollektiv, nach Gemeinschaften mit absolut fester Dogmatik, sei diese nun religiös oder politisch.
(Hermann Hesse)

Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil das Schweigen so schwer ist.
(Friedrich Nietzsche)

Das sicherste Mittel, Kinder zu verlieren, ist,
sie für immer behalten zu wollen.
(Adolf Sommerauer)

Grausamkeit gegen Tiere ist eines der kennzeichnendsten
Laster eines niederen und unedlen Volkes.
(Alexander von Humboldt)



Man führt nicht mehr genug Selbstgespräche heutzutage.
Man hat wohl Angst, sich selbst die Meinung zu sagen.
(Jean Girandoux)

Beide schaden sich selbst:
der, der zuviel verspricht und
der, der zuviel erwartet.
(Gotthold Ephraim Lessing)

Haben Sie schon einmal einen Wegweiser den Weg gehen sehen, den er weist?
(Max Scheler)

Kinder und Uhren dürfen nicht beständig aufgezogen werden.
Man muß sie auch gehen lassen.
(Jean Paul)



Wenn jemand einmal eine Theorie akzeptiert,
führt er erbitterte Nachhutgefechte gegen die Tatsachen.
(Jean-Paul Sartre)

Wissenschaft ist der augenblicklich geltende Irrtum.
(Arnold Gehlen)

Sie haben Angst vorm Älterwerden?
Ein Tuberkulosekranker in der Dritten Welt würde sich darüber freuen.
(gesehen auf einem Plakat an einer S-Bahn-Station)


Was ich erlebe, erzeuge ich

Wer es gestattet – die staatlichen Instanzen einbezogen! – dass schon kleine Kinder mit Kriminalgeschichten gefüttert werden, darf sich nicht wundern, dass die Saat der Kriminalität, der Dieberei, des Gangstertums, die der mangelnden Ehrfurcht vor dem Leben ..., die täglich durch die Massenmedien ausgesät wird, im späteren Leben einmal aufgehen wird.

Kaufe nur solche Spielsachen, die das Schöpferische im Kind wecken können! Am „perfekten Spielzeug“ – das meist auch am teuersten ist! – hat das Kind nur kurze Freude. Wenn es nichts mehr gestalten, nichts mehr verbessern kann, wird es schöpferisch im Zerstören.
(Franz Krabichler)



Mönche und Gelehrte dürfen meine Worte nicht aus Respekt annehmen, sie müssen sie aufgliedern und bearbeiten, wie der Goldschmied Gold bearbeitet - durch Sägen, Gravieren, Löten und Schmelzen.
(Buddha)

Vielmals habe ich zugesehen, wie ein Saal voll Menschen, eine Stadt voll Menschen, ein Land voll Menschen von jenem Rausch und Taumel ergriffen wurde, bei dem aus den vielen Einzelnen eine Einheit, eine homogene Masse wird, wie alles Individuelle erlischt und die Begeisterung der Einmütigkeit, des Einströmens aller Triebe in einen Massentrieb Hunderte, Tausende oder Millionen mit einem Hochgefühl erfüllt, einer Hingabelust, einer Entselbstung und einem Heroismus, der sich anfänglich in Rufen, Schreien, Verbrüderungsszenen mit Rührung und Tränen äußert, schließlich aber in Krieg, Wahnsinn und Blutströmen endet.
Vor dieser Fähigkeit des Menschen, sich an gemeinsamem Leid, gemeinsamem Stolz, gemeinsamem Haß, gemeinsamer Ehre zu berauschen, hat mein Individualisten- und Künstlerinstinkt mich stets aufs heftigste gewarnt. Wenn in einer Stube, einem Saal, einem Dorf, einer Stadt, einem Land dieses schwüle Hochgefühl spürbar wird, dann werde ich kalt und mißtrauisch, dann schaudere ich und sehe schon das Blut fließen und die Städte in Flammen stehen, während die Mehrzahl der Mitmenschen, Tränen der Begeisterung und Ergriffenheit in den Augen, noch mit dem Hochrufen und der Verbrüderung beschäftigt ist.
(Hermann Hesse)



Mir ist es so ergangen: Bespuckt und angegriffen bin ich noch niemals wegen irgendeiner dummen und halben und wertlosen Sache worden, sondern wenn ich ausgepfiffen wurde, so war es jedesmal für eine Leistung oder Gesinnung, die sich nachher bewährt hat.
(Hermann Hesse)

Du alte Beamtenseele, ... Nie hat dir jemand den Weg ins Freie gezeigt, und du kannst nichts dafür. Du hast dir deinen Frieden gezimmert, indem du wie die Termiten alle Luken verschlossen hast, durch die das Licht zu dir drang und durch die du zum Licht schautest. Du hast dich eingerollt in bürgerliche Sicherheit, in Gepflogenheiten, in die erstickenden Bräuche deines Provinzlebens. Du hast dies bescheidene Bollwerk aufgerichtet gegen Sturm und Flut und Gestirne. Du willst dich nicht mit großen Fragen belasten; du hattest genug zu tun, dein Menschentum zu vergessen. Du fühlst dich nicht als Bewohner eines Sternes, der durch den Weltraum irrt, du stellst keine Fragen, auf die du keine Antwort bekommst;
... Als es noch Zeit war, hat keiner dich mitzureißen versucht; nun ist der Lehm, aus dem du gemacht bist, eingetrocknet und hart, das verborgene göttliche Spiel in dir wird nie zum Klingen erwachen: tot ist der Dichter, der Musiker, der Sternenforscher, die vielleicht auch in dir einst gewohnt haben.
(Antoine de Saint-Exupéry)

"Das Problem wurde zehn Jahre lang diskutiert. Getan wurde aber nichts, denn niemand hatte detaillierte Informationen. Diese waren nur auf der niedrigsten Ebene vorhanden, bei den Ingenieuren. Warum die Ingenieure auf der niedrigsten Ebene der Entscheidungsprozesse eingestuft wurden, weiß ich nicht, aber dies scheint ein allgemeines Gesetz zu sein: Jene, die etwas über die wirkliche Welt wissen, bilden in diesen großen Organisationen die niedrigste Stufe, und jene, die nur wissen, wie man andere Leute beeinflussen kann, indem man ihnen sagt, wie schön die Welt im Idealfall sein könnte, sind an der Spitze." Soweit Feynman zur Organisation der NASA.
(aus: Richard Feynman, "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!")



DIE NACHTLAGER


Ich höre, daß in New York
an der Ecke der 26. Straße und des Broadway
während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
und den Obdachlosen, die sich ansammeln,
durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.

Einige Menschen haben ein Nachtlager
der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße
aber die Welt wird dadurch nicht anders
die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.

Leg das Buch nicht nieder, der du das liesest, Mensch.

Die Welt wird dadurch nicht anders
die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
aber einige Menschen haben ein Nachtlager
der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.
(Bertolt Brecht)



Fahrend in einem bequemen Wagen,
auf einer regnerischen Landstraße,
sahen wir einen zerlumpten Menschen bei Nachtanbruch,
der uns winkte, ihn mitzunehmen, sich tief verbeugend.

Wir hatten ein Dach,
und wir hatten Platz,
und wir fuhren vorüber,
und wir hörten mich sagen
mit einer grämlichen Stimme:
"Nein, wir können niemanden mitnehmen."

Wir waren schon weit voraus,
einen Tagesmarsch vielleicht,
als ich plötzlich erschrak über
diese meine Stimme,
dies mein Verhalten
und diese ganze Welt.
(Bertolt Brecht)




Ma vache a pondu un oeuf.
Je l´ai donné à une poule
et il en est sorti un poussin.

Ma vache a pondu un deuxième oeuf.
Je l´ai mis en terre
et il en est sorti un bel arbre.

Ma vache a pondu un troisième oeuf.
Je l´ai donné à un honnète citoyen
et il en est sorti un homme libre.

Ma vache a pondu un quatrième oeuf.
Je l´ai donné à la société qui a
mangé le poussin,
coupé le bel arbre vert,
mis l´homme libre en prison.

Ma vache ne pond plus d´oeufs,
on l´a menée aux abattoirs.

Meine Kuh hat ein Ei gelegt.
Ich hab es einer Henne gegeben
und es ist daraus ein Küken geschlüpft.

Meine Kuh hat ein zweites Ei gelegt.
Ich habe es in die Erde gesteckt
und es ist daraus ein schöner Baum entstanden.

Meine Kuh hat ein drittes Ei gelegt.
Ich habe es einem ehrlichen Bürger gegeben
und es ist daraus ein freier Mann geworden.

Meine Kuh hat ein viertes Ei gelegt.
Ich hab es der Gesellschaft gegeben, die
das Hühnchen gegessen,
den schönen, grünen Baum gefällt,
den freien Mann ins Gefängnis gesteckt hat.

Meine Kuh legt nun keine Eier mehr,
man hat sie in die Legebatterie verfrachtet.
(Hervé)





Mahatma Gandhi wollte die Frauen bitten, dass sie den Männern die Waffen aus den Händen nähmen, ehe sie die ganze Welt und sich selber zu Grunde richten. Er dachte, dass eine Frau niemals Kinder gebären will, die dann wieder in den Krieg müssen. Und sie will nicht 18-jährige, die Treueeide schwören müssen und befehlsgemäß in die Mordmaschine des Militärs hineingeraten. Gandhi, der Pazifist, glaubte wie Jesus, dass Frauen das Leben schützen wollen vor männlicher Gewalt. Heute sind wir dabei, unter Gleichberechtigung zu verstehen, dass Frauen jeden Wahn, den wir Männer ihnen seit Jahrtausenden vormachen, auch machen dürfen. Ich glaube, es ist in jeder Weise ein enormer Rückschritt, weil wir dabei die letzten Spielräume einer humanen Alternative aufs Spiel setzen.
(Eugen Drewermann)

Wir müssen unsere Vorstellung von Ethik unbedingt ändern. Wir sind nicht der Maßstab dessen, was verantwortlich richtig ist, sondern die Einbeziehung des Menschen in die Natur müsste als Verantwortungsethik definiert werden. Wir sind Teil dieser Natur. Wir sind nicht ausgenommene Herrscher über den Rest der Welt. Ich gebe nur einen kleinen Vergleich: Es genügt festzustellen, dass BSE als Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf den Menschen überspringen könnte; das könnte ein, zwei, fünf Personen betreffen. Dann wird das dahin führen, dass wir in Großbritannien über vier Millionen Rinder abschlachten, ein Holocaust in wörtlichem Sinne – ein Brandopfer für einen blutigen Dämon. Die Rinder sind deshalb BSE-krank geworden, weil wir, statt ihnen artgerecht normale Weiden zur Verfügung zu stellen, sie in Stallungen gebracht haben, wo sie das Futtermehl ihrer eigenen Artgenossen zu fressen vorgesetzt bekommen. Die Erkrankungswege bestehen darin, dass man vegetarisch lebende Tiere wie Kannibalen hält. Es geht aber alles in Ordnung, solange es uns Menschen nicht betrifft. Drei, vier Menschen, die erkranken könnten, rechtfertigen dann vier Millionen tote Tiere.
Wenn wir denken wollten, dass sich die Polizei Gedanken mache über das Verkehrsaufkommen im Raum München, Frankfurt oder Berlin und wir müssten in den Stauzeiten mit Verletzten und auch mit Toten rechnen, dann ist das kein Grund, etwa vier Millionen Autos von den Straßen zu nehmen. Autos sind unsere heiligen Kühe. An die darf gar nichts kommen, denn daran verdienen wieder diejenigen, die sie herstellen. Die Folgen sind uns sogar dann egal, wenn es uns Menschen selbst betrifft. Bei den Tieren ist der Schutz der Menschen absolut.
(Eugen Drewermann)



Leo Tolstoi hat einmal gesagt: „Solange es Schlachthöfe gibt, solange wird es auch Schlachtfelder geben.“
Irgendwann tun wir all das mit uns selber, was wir gefühllos genug bei den Tieren exerziert haben.
(Eugen Drewermann)

Das Prinzip „Auge um Auge“ bedeutet, dass am Ende kein Mensch mehr sieht und alle blind sind vor Hass und Angst und Rachegefühlen. Und jeder hat wieder Angst vor den Möglichkeiten des anderen, jeder wird zum Wolf des anderen. Wo ist denn damit einmal Schluss? Was soll mir denn für eine Erleichterung dabei werden, wenn ich weiß, es wird der andere genauso gequält, wie er mich gequält hat? Dann haben wir doch nur zwei Unglückliche, die in Zukunft noch mehr Grund haben, voreinander Angst zu haben. So werden wir niemals zu Menschen!
(Mahatma Gandhi)


Wenn Gott ein Wort in dieser Zeit spräche, dann dieses

Verschwindet aus meinen Kirchen! Geht, wenn ihr um den Frieden beten wollt, zu den Banken – da kniet nieder und betet vor eurem Gott! Er ist euch Tausende von Menschen wert, Millionen von Verhungernden. Betet zu dem einzigen Götzen, an den ihr glaubt, das Geld, da kniet nieder und spuckt eure Lügen, aber nicht in meinen Kirchen. Dahin gehört ihr nicht, wenn ihr um den Frieden beten wollt! Es gibt ihn nicht, außer unter Einsatz der Freiheit und der Menschlichkeit und der Ehrlichkeit. Anders erscheint nicht vor meinem Angesicht!
(Eugen Drewermann anno 1991)


Sicherheit durch Waffen?

Es gibt sie nicht isoliert, diese Sicherheit. Politik macht man nicht wie ein Igel, indem man sich zusammenrollt und die Raketenstacheln ausfährt. Sicherheit gibt es nur innerhalb einer gemeinsamen Menschheit oder gar nicht.
(Eugen Drewermann)





Das Weltall zum Ausverkauf!

Vor einigen Jahren konnte ein brasilianischer Multimillionär für lausige 10 Millionen Dollar ein Gebiet im Amazonas-Urwald von der Größe der Niederlande und Belgiens kaufen. Und was Herr Do Almeiola jetzt mit seinem Urwald macht, ist im Grunde egal. Er kann machen, was er will. Ob da Tiere leben, Pflanzen wachsen, Indios wohnen – alles gehört ihm! Das ist die Welt, in der wir leben. Welch ein Kind soll noch glauben, dass ein Äffchen, dass eine Liane, dass ein Fluss, dass ein Mensch an und für sich etwas wert ist!
Der Zoologe Bernhard Grzimek hat vor vielen Jahren zum Ärger vieler Fernsehzuschauer, aber zu meiner großen Freude gesagt: Wir machen einen Vergleich. Wir nehmen einmal an, es käme jemand auf die Idee, eine Autobahn mitten durch den Vatikan zu legen, dann würde die UNESCO sofort protestieren gegen diesen kulturellen Frevel. Oder eine Straße durch den Circus Maximus zu legen! Das wäre eine Schande für ganz Italien. Dabei gibt es den Vatikan erst seit ungefähr 450 Jahren in dieser Form, den Circus Maximus erst seit 2000 Jahren – und der war nichts als Ort des Schreckens. Ob er erhaltenswert ist, kann man diskutieren. Der brasilianische Regenwald hingegen existiert seit über 60 Millionen Jahren, seit der Kreidezeit. Gott, wenn man an ihn als Schöpfer glaubt, hat diesen gigantischen Zeitraum benötigt, um dieses Kunstwerk höchst verschachtelter Lebensformen, ein Biotop von unvergleichlichem Reichtum, zu etablieren. Wir geben all das zum Ausverkauf hin, indem wir ganze 50 oder 60 Jahre brauchen, um mit der Bandsäge und durch Flammenrodung all das zu zerstören. Was gibt uns das Recht dazu?
Kapitalismus bedeutet aber, genau so vorzugehen. Es gibt keinen Wert, außer wir definieren ihn als ein Verkaufsobjekt, das wir auf dem Markt noch höher anbieten und verhökern können als wir es eingekauft haben. Diese Welt zum Ausverkauf zeigt, dass der Kapitalismus einen zentralen Fehler begeht, denn so darf man nicht handeln, wenn man leben will.
(Eugen Drewermann)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Weg mit den Kindern

In den frühen fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts verbrachte der amerikanische Maler James McNeill Whistler eine kurze - und akademisch betrachtet erfolglose - Zeit in West Point, der amerikanischen Militärakademie.
Es wird erzählt, er hätte eine Brücke zeichnen sollen und habe daraufhin eine romantische steinerne Brücke mit grasbewachsenen Böschungen und zwei kleinen Kindern, die von dort oben fischten, entworfen. Der Ausbilder sagte: "Nehmen Sie die Kinder von der Brücke, es geht hier um eine Übung für Ingenieure."
Whistler verbannte die Kinder von der Brücke und zeichnete sie auf der Böschung ein. Dann legte er die Skizze erneut vor. Der wütende Ausbilder schrie: "Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen diese Kinder entfernen! Lassen Sie sie ganz aus dem Bild heraus!"
Aber der schöpferische Drang in Whistler war zu stark. Auf seiner nächsten Version waren die Kinder "ganz aus dem Bild heraus". Sie lagen unter zwei kleinen Grabsteinen am Flußufer.



Gewisse Menschen werden nie etwas lernen, weil sie alles zu schnell begreifen.
Weisheit ist schließlich kein Bahnhof, an dem man ankommt, sondern eine Art zu reisen.
Reist man zu schnell, übersieht man die Landschaft.
Genau zu wissen, wohin man will, kann der beste Weg sein, sich zu verirren.
Nicht alle, die bummeln, verlaufen sich.



Der Meister und ein Schüler begegneten unterwegs einem Blinden. Sagte der Meister: "Gib dem Mann ein Almosen!"
Der Schüler warf eine Münze in den Hut des Bettlers.
Sagte der Meister: "Du hättest deinen Hut ziehen sollen als Zeichen des Respekts."
"Warum?" wollte der Schüler wissen.
"Man sollte es immer tun, wenn man ein Almosen gibt."
"Aber der Mann war doch blind!"
"Man kann nie wissen", erwiderte der Meister, "vielleicht war er ein Schwindler."


Der Forscher

Der Forschungsreisende war zu seinem Volk zurückgekehrt und jeder war begierig, alles ganz genau über den Amazonas zu erfahren.
Aber wie konnte er je das Gefühl in Worte fassen, das sein Herz erfüllte, als er Blumen von atemberaubender Schönheit sah und die Geräusche im nachtdunklen Wald vernahm? Wie sollte er ihnen vermitteln, wie sich sein Herz zusammenzog, wenn er die gefährliche Nähe wilder Tiere spürte oder sein Kanu über riskante Strecken des Flusses steuerte?
Er sagte: "Geht hin, und sucht es selbst herauszufinden. Persönliches Risiko und Erfahrung sind nicht zu ersetzen." Um ihnen jedoch einige Anhaltspunkte zu geben, zeichnete er eine Karte des Amazonas. Sie stürzten sich auf die Karte. Sie rahmten sie und hingen sie in ihrem Rathaus auf. Jeder erhielt eine Kopie. Und jeder, der eine Kopie hatte, hielt sich für einen Amazonas-Experten, denn kannte er nicht jede Krümmung und Biegung des Flusses, und wusste er nicht, wie breit und tief er war, wo die Stromschnellen sich befanden und wo die Wasserfälle?
Der Forscher bereute die Karte. Sicher wäre es besser gewesen, nichts aufzuzeichnen.

Es wird gesagt, Buddha hätte sich stets geweigert, in ein Gespräch über Gott verwickelt zu werden. Wahrscheinlich wusste er, dass es gefährlich war, Karten für potentielle Gelehrte zu zeichnen.




Verantwortung

Der Meister begab sich mit einem seiner Schüler auf eine Reise. Draußen vor dem Dorf trafen sie den Gouverneur, der irrtümlicherweise annahm, sie kämen, ihn in dem Dorf willkommen zu heißen. Er sagte also: "Ihr hättet euch wirklich nicht die Mühe zu machen brauchen, um mich zu begrüßen."
"Ihr irrt, Hoheit", sagte der Schüler. "Wir sind unterwegs auf einer Reise, aber hätten wir gewußt, daß ihr kommt, hätten wir keine Mühe gescheut, Euch willkommen zu heißen."
Der Meister sagte kein Wort. Gegen Abend bemerkte er: "Mußtest du ihm erzählen, daß wir nicht gekommen waren, ihn zu begrüßen? Hast du bemerkt, wie blamiert er sich fühlte?"
"Hätten wir ihm aber nicht die Wahrheit gesagt, dann wären wir der Täuschung schuldig geworden."
"Wir hätten ihn überhaupt nicht getäuscht", sagte der Meister. "Er hätte sich selbst getäuscht."


Bescheidenheit

Einem Gast, der sich selbst einen Wahrheitssucher nannte, sagte der Meister: "Wenn du die Wahrheit suchst, musst du vor allem anderen eine Sache besitzen."
"Ich weiß, ein unbezwingbares Verlangen nach Wahrheit."
"Nein. Eine nie nachlassende Bereitschaft zuzugeben, dass du Unrecht haben könntest."



Das Denkmal des Kritikers

Einem fortschrittlichen Geist, den häufige Kritik entmutigte, sagte der Meister: „Hör auf die Worte des Kritikers. Er verrät, was deine Freunde vor dir verbergen.“
Aber er sagte auch: „Lass dich nicht von dem, was der Kritiker sagt, niederdrücken. Noch nie wurde zu Ehren eines Kritikers ein Denkmal errichtet, wohl aber für Kritisierte.“


Ich hab´ nur meine Pflicht getan

Der Meister richtete ein scharfes Protestschreiben an den Gouverneur wegen seines brutalen Vorgehens gegen eine antirassistische Demonstration.
Der Gouverneur schrieb zurück, dass er nur seine Pflicht getan hätte.
Sagte der Meister: „Immer, wenn ein sturer Mensch etwas macht, worüber er sich schämen sollte, erklärt er es zu seiner Pflicht.“


Angst vor leeren Blättern

Als ein Diktator an die Macht kam, wurde der Meister beim Verteilen von Flugblättern, was gegen die Zensurbestimmungen des Landes verstieß, auf der Straße festgenommen.
Die Polizei untersuchte seinen Rucksack, fand darin jedoch statt Propagandamaterial nur blanke Papierbögen.
„Was hat das zu bedeuten?“, wollte der Polizist wissen.
Der Meister lächelte und erwiderte: „Die Leute wissen, was das zu bedeuten hat.“
Die Geschichte sprach sich im ganzen Land herum, so dass es die Priester keineswegs amüsierte, als einige Jahre später der Meister dabei entdeckt wurde, wie er blanke Papierbogen im Tempelbezirk verteilte.


Formulierungen

"Was sucht ihr?" fragte der Meister einen Gelehrten, der sich von ihm Beratung erhoffte.
"Leben", lautete die Antwort.
Sagte der Meister: "Wenn ihr leben wollt, müssen die Wörter sterben."
Als er später gefragt wurde, was er damit meinte, sagte er: "Ihr seid verraten und verkauft, weil Ihr in einer Welt von Wörtern lebt. Ihr nährt Euch von Wörtern, begnügt Euch mit Wörtern und hättet doch Substanz nötig. Eine Speisekarte wird Euren Hunger nicht stillen und eine Formel nicht Euren Durst."




Erziehung

Argwöhnisch, wie der Meister war, wenn es um Wissen und Lernen göttlicher Dinge ging, versäumte er doch nie eine Gelegenheit, Künste und Naturwissenschaften und jede andere Form des Lernens zu unterstützen. Es war also nicht überraschend, daß er bereitwillig eine Einladung annahm, bei der Universitätseröffnung eine Rede zu halten.
Er traf eine Stunde vor Beginn ein, um sich auf dem Campus umzusehen und staunte über die Studieneinrichtungen und -möglichkeiten, die zu seiner Zeit nicht vorhanden waren.
Bezeichnenderweise dauerte seine Eröffnungsansprache weniger als eine Minute. Er sagte:
"Laboratorien und Bibliotheken, Hallen, Portale und Bögen, sowie gelehrte Vorlesungen werden zu nichts führen, wenn das weise Herz und das sehende Auge fehlen."


Menschlichkeit

Für den Vortrag des Meisters über "Die Zerstörung der Welt" wurde viel Voraus-Reklame gemacht, und eine große Menschenmenge versammelte sich auf dem Gelände des Klosters, um ihm zuzuhören.
Die Ansprache war in weniger als einer Minute beendet. Er sagte nur:
"Folgendes wird die menschliche Rasse vernichten:
Politik ohne Prinzipien,
Fortschritt ohne Mitleid,
Reichtum ohne Arbeit,
Lernen ohne Stille,
Religion, wenn sie nicht furchtlos ist
und Verehrung ohne Bewußtheit."


Erleuchtung

"Wie ist der Mensch, der erleuchtet wurde?"
Sagte der Meister:
"Er hat Gemeinsinn und gehört zu keiner Partei,
er bewegt sich, ohne einem vorgeschrieben Kurs zu folgen,
er nimmt die Dinge, wie sie kommen,
er bereut nicht die Vergangenheit, hat keine Furcht vor der Zukunft,
er folgt einem Anstoß und gibt dem Drängen nach,
er ist wie der Sturmwind
und wie eine Feder im Wind,
er läßt sich treiben wie Gräser im Fluß
und ist wie ein Mühlstein, der geduldig mahlt,
er liebt die Schöpfung ohne Unterschied,
da Himmel und Erde gleich sind für alle.
So ist der Mensch, der erleuchtet wurde."



Der Meister befürwortete beides: Gelehrsamkeit und Weisheit.
"Gelehrsamkeit", sagte er auf eine Frage, "erwirbt man durch Bücherlesen oder indem man Vorlesungen besucht."
"Und Weisheit?"
"Indem du das Buch liest, das du selbst bist."
Er fügte noch hinzu: "Das ist durchaus keine einfache Aufgabe, denn stündlich kommt eine Neuauflage des Buches heraus!"




Programmiert

Der Meister hielt den Menschen immer wieder ihre roboterhafte Lebensweise vor Augen: "Wie kannst du dich Mensch nennen, wenn jedes Denken, jedes Fühlen und Handeln mechanisch vor sich geht und nicht aus dir selbst kommt, sondern deiner Beeinflussung oder deinem Programmiert-Sein entspringt?"
"Kann etwas dieses Programmiert-Sein durchbrechen und uns davon loslösen?" fragte ein Schüler.
"Ja, Bewußtheit."
Und nach kurzem Nachdenken fügte er hinzu: "Und eine Katastrophe."
"Eine Katastrophe?"
"Ja. Ein sehr englischer Engländer erzählte mir einmal, daß er nach einem Schiffsbruch mitten im Ozean mit einem anderen Engländer eine ganze Stunde lang im Meer geschwommen war, bis es ihm endlich gelang, sich von seinem Programmiert-Sein zu befreien und zu sprechen, ohne vorgestellt zu sein!"
"Was sagte er?"
"Er sagte: ´Entschuldigen Sie, daß ich Sie so anspreche, ohne vorgestellt worden zu sein, aber ist das die Richtung nach Southhampton?´"


Augenlider

Nachdem sich einer seiner Schüler eines ernsten Vergehens schuldig gemacht hatte, erwarteten alle, daß der Meister ihn exemplarisch bestrafen würde.
Als ein voller Monat vorübergegangen war, ohne daß er etwas getan hatte, machte man dem Meister Vorwürfe:
"Wir können nicht übersehen, was passiert ist. Schließlich hat uns Gott Augen gegeben."
"Ja", erwiderte der Meister, "und Augenlider."


Die Weltmesse der Religionen

Mein Freund und ich gingen auf die Messe. DIE WELTMESSE DER RELIGIONEN. Keine Handelsmesse, eine religiöse Messe. Aber der Wettbewerb war genauso verbissen, die Reklame genauso laut.
Am jüdischen Stand erhielten wir Prospekte, die besagten, Gott sei allbarmherzig und die Juden sein auserwähltes Volk.
Am islamischen Stand erfuhren wir, Gott sei voller Gnade und Mohammed sein einziger Prophet. Das Heil erlange man, wenn man auf den einzigen Propheten Gottes höre.
Am christlichen Stand entdeckten wir, daß Gott die Liebe sei und es außerhalb der Kirche keine Rettung gäbe. Nur ein Mitglied der Kirche läuft nicht die Gefahr ewiger Verdammnis.
Beim Hinausgehen fragte ich meinen Freund: "Was hältst du von Gott?"
Er erwiderte: "Er ist engstirnig, fanatisch und grausam."
Wieder zu Hause fragte ich Gott: "Was hältst du von einer solchen Sache, Herr? Merkst du nicht, daß man dich jahrhundertelang in Mißkredit gebracht hat?"
Gott sagte: "Ich habe die Messe nicht organisiert. Ich hätte mich geniert, auch nur hinzugehen."




Jesus beim Fußballmatch

Jesus Christus sagte, er sei noch nie bei einem Fußballmatch gewesen. Also nahmen meine Freunde und ich ihn zu einem Spiel mit. Es war eine wilde Schlacht zwischen den protestantischen Boxern und den katholischen Kreuzfahrern.
Die Kreuzritter erzielten den ersten Treffer. Jesus schrie laut Beifall und warf seinen Hut in die Luft. Dann waren die Boxer vorne. Und Jesus spendete wild Beifall und warf seinen Hut in die Luft.
Das schien den Mann hinter uns zu verwirren. Er klopfte Jesus auf die Schulter und fragte: "Für welche Partei brüllen Sie, guter Mann?"
"Ich", erwiderte Jesus, den mittlerweile das Spiel sichtlich erregte, "oh, ich schrei für keine Partei. Ich bin bloß hier, um das Spiel zu genießen."
Der Frager wandte sich seinem Nachbarn zu und feixte: "Hm, ein Atheist!"

Auf dem Rückweg klärten wir Jesus über die Lage der Religionen in der heutigen Welt auf. "Fromme Leute sind ein komisches Volk, Herr", sagten wir, "sie scheinen immer zu denken, Gott sei auf ihrer Seite und gegen die Leute von der anderen Partei."
Jesus stimmte zu. "Deswegen setze ich nie auf Religionen, ich setze auf Menschen", sagte er. "Menschen sind wichtiger als Religionen. Der Mensch ist wichtiger als der Sabbat."
"Du solltest deine Worte wägen", sagte einer von uns etwas besorgt. "Du bist schon einmal wegen einer solchen Sache gekreuzigt worden."
"Ja - und von religiösen Leuten", sagte Jesus mit gequältem Lächeln.



Stille bedeutet, Worte und Gedanken hinter sich zu lassen. Was ist falsch an Wörtern und Gedanken? Sie schränken ein.



Ein Guru fragte seine Schüler, wie sie das Ende der Nacht vom Beginn des Tages unterscheiden könnten.
Einer sagte: "Wenn man in der Entfernung ein Tier sieht und erkennt, ob es eine Kuh oder ein Pferd ist."
"Nein", sagte der Guru.
"Wenn man in der Entfernung einen Baum sieht und erkennt, ob es ein Paternosterbaum oder ein Mango ist."
"Wieder falsch", sagte der Guru.
"Also, wie dann?" fragten die Schüler.
"Wenn man in das Gesicht eines Mannes blickt und darin seinen Bruder erkennt; wenn man in das Gesicht einer Frau blickt und in ihr seine Schwester erkennt. Wer dazu nicht fähig ist, für den ist - wo immer die Sonne auch stehen mag - Nacht."



Plutarch erzählt die Geschichte von Alexander dem Großen, der zu Diogenes kommt, als dieser gerade aufmerksam einen Haufen menschlicher Knochen betrachtet.
"Was sucht Ihr?" fragte Alexander.
"Etwas, das ich nicht finden kann", sagte der Philosoph.
"Und was ist das?"
"Den Unterschied zwischen den Knochen Eures Vaters und denen seiner Sklaven."

Auch diese Knochen sind nicht zu unterscheiden:
Katholische von protestantischen,
Hinduknochen von muslimischen,
arabische von israelischen,
russische von amerikanischen Knochen.
Erleuchtete sehen keinen Unterschied,
selbst bei Knochen, die noch prall mit Fleisch bedeckt sind!



An dem Tag, da du deinem Kind den Namen des Vogels lehrst, wird es den Vogel nicht mehr sehen.
(Krishnamurti)

Wie wahr! Wenn Ihr Kind dieses flaumige, lebendige, munter umherhüpfende Etwas zum ersten Mal sieht, und Sie zu ihm sagen: „Spatz“, dann wird es, sobald es ein anderes, flaumiges, umherhüpfendes, ähnliches Etwas sieht, sagen: „Och, Spatzen, Spatzen kenne ich schon. Die sind ja sooo langweilig.“


Geschirr spülen

Als ein Gast sich freiwillig meldete, das Geschirr nach dem Essen zu spülen, sagte der Meister: „Sind Sie sicher, daß Sie wissen, wie man Geschirr spült?“
Der Mann versicherte dem Meister, daß er es sein ganzes Leben lang gemacht hätte. Sagte der Meister: „Oh, ich zweifle nicht an Ihrer Fähigkeit, das Geschirr sauber zu machen, ich bezweifle nur, ob Sie es wirklich waschen können.“

Seinen Schülern sagte er daraufhin zur Erklärung: „Es gibt zwei Möglichkeiten, Geschirr zu spülen: die eine, es zu waschen, um es sauber zu machen; die andere, es zu waschen, um es zu waschen.“
Das war weit davon entfernt, den Schülern nun einzuleuchten! Deshalb fügte der Meister hinzu: „Das erste ist ein totes Tun, denn während euer Körper Geschirr spült, ist euer Geist auf den Zweck fixiert, es sauber zu machen; das zweite ist ein lebendiges Tun, weil dabei euer Geist dort ist, wo euer Körper ist.“



Warum so schreien?

Nachdem ein Schüler bei einer Versammlung eine zündende politische Rede gehalten hatte, fragte er den Meister, was er von seinen Ausführungen halte. Erwiderte der Meister: „Wenn das, was du sagtest, wahr ist, warum mußtest du dann so schreien?“
Etwas später sagte er zu allen Schülern:
„Die Wahrheit hat mehr unter der Hitze ihrer Verteidiger zu leiden als unter allen Angriffen ihrer Gegner.“


Unterdrücken

Als eine Schülerin ihren Haß gegenüber den Unterdrückern ihres Landes aussprach, erwiderte der Meister:
„Laß dich von niemandem so tief niederdrücken, daß es bei dir Haß gegen ihn aufkommen läßt.“


Der einzige Feind

Ein Wissenschaftler führte dem Meister einen Dokumentarfilm über die Errungenschaften der modernen Naturwissenschaft vor.
„Heute sind wir in der Lage, eine Wüste zu bewässern“, triumphierte er, „die Kraft der Niagara-Fälle zu nutzen, die Zusammensetzung eines weit entfernten Sternes zu ermitteln und den Aufbau eines Atoms zu durchschauen. Unsere Eroberung der Natur wird bald keine weißen Flecken mehr kennen.“
Der Meister war beeindruckt, aber nachdenklich. Später sagte er: „Warum die Natur erobern? Die Natur ist unser Freund. Warum stecken wir diese Energie nicht in die Überwindung des einzigen Feindes des Menschengeschlechts - die Furcht?“



Heilung

Zu einem bekümmerten Menschen, der sich an ihn um Hilfe wandte, sagte der Meister: „Willst du wirklich Heilung?“
„Wenn nicht, würde ich mir dann die Mühe machen, zu Euch zu kommen?“
„Oh ja, die meisten Menschen tun das.“
„Wozu?“
„Nicht wegen der Heilung – die tut weh, sondern um Erleichterung zu finden.“ Seinen Schülern sagte der Meister: „Menschen, die Heilung wollen, vorausgesetzt, sie können sie ohne Schmerzen bekommen, gleichen jenen, die für den Fortschritt eintreten, vorausgesetzt, sie können ihn ohne Veränderung bekommen.“



Freiheit:


Vorwort

Freiheit ist, eine Einladung absagen zu können,
ohne dafür einen Grund angeben zu müssen.
("Weil i net mog!")


Zahme Vögel träumen von Freiheit.
Wilde Vögel fliegen.
(unbekannt)



Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Freiheit ist die Möglichkeit,
auf die Möglichkeit zu verzichten.
(Rudolf Seiss)

Als freier Mann kann gelten, wer eine Einladung zum Essen ausschlagen kann, ohne dafür einen Vorwand angeben zu müssen.
(Jules Renard)

Will man in einer Gesellschaft, in der fast alles erlaubt ist, frei bleiben, muss man sich vieles verbieten.
(Gregor Brand)



Aus einem freien Menschen wird kein Sklave,
denn ein freier Mensch ist auch im Gefängnis frei.
(Plato)


AUF DER DURCHREISE

Wenn mir die Puste ausgeht,
um die Großstadt zu ertragen,
muss ich raus, raus aus dem Kessel.
Weg von seinen zementierten Sichtversperrern,
seinen Krachmachern und Stinkern,
der erdrückenden Stimmung entfliehen...

Berge erklimmen, hoch hinaus,
den Überblick genießen,
Chef der Lage sein.
Muss Weite atmen,
Grün und Blau
und Ferne sehen.
Hör Kühe muhn
und Glocken schelln.
Muss Wind und Sonne spürn,
kalte Luft berührn.
Weit entfernt von den Einflüssen der Zivilisation,
weit weg von den Medien mit ihrer
„Only bad news is good news“-Philosophie.
Auf dem Dach der Welt, da fühle ich mich frei,
umgeben von lauter Entfernung.

Dann,
wenn all die Ablenker verschwunden sind,
tauchen Fragen auf:
Fragen nach dem Sinn des Ganzen,
nach dem Sinn des Daseins,
dem Sinn des Lebens.



Wo geh ich noch hin?
Was zählt wirklich?
Wie die verbleibenden Momente verbringen?

Mit lieben Menschen?
Mit einem Menschen?
Einem Menschen fürs Leben?
Hat die Einsamkeit ihre Berechtigung?
Oder besser: das Alleinsein?
Dann ändert sich die Perspektive:
Die Ablenker bekommen ein neues Gesicht,
ein anderes Gewicht verpasst.
Und so ist es gut.

Ich besinne mich auf meine Sinne:
im rechten Moment eine Tasse Kaffee,
ein gutes Bier,
ein nettes Wort.

Erlebe die Gegenwart,
nicht die Zukunft,
nicht die Vergangenheit.

Dann kommt die Einsicht,
dass es nichts zu erreichen,
nichts zu erstreben gibt.
Alles nur Stationen auf unserem Weg.

Wir sind nur auf der Durchreise.
(Alexander Hölle, während eines Ausflugs in die Schweiz)



Der wahre Charakter eines Menschen bemisst sich danach, was er tun würde, wenn er wüsste, dass man ihm nie auf die Schliche kommt.
(unbekannt)

Rausschmiss aus Cuba - Visum abgelaufen - Verlängerung unmöglich

"Laß mich Dir noch etwas wünschen: Daß Dein Leben ordentlich lebendig sein möge. Und vor allem, daß Du Dich nicht so schnell von äußeren Umständen ausbremsen läßt, wie ich mich von den Behörden in den letzten Wochen habe ausbremsen lassen. Im Augenblick glaube ich recht gut nachvollziehen zu können, daß das Leben in Strukturen genau das Gegenteil ist vom echten Leben. So scheint es egal zu sein, ob die Struktur sozialistisch ist oder kapitalistisch. Struktur ist umso 'schlechter', je stärker sie die Menschen strukturiert. Struktur scheint das Gegenteil von Freiheit zu sein. Und Freiheit ist doch ein bißchen mehr als Freizügigkeit. Ein paar gute Beispiele dafür konnte ich in den letzten Wochen sehen. Damit laß mich Dir eine gute Distanz zur Struktur wünschen."
(aus einem Brief Josef Zeidlers)



Als Bohr das letzte Mal da gewesen war, hatte er zu seinem Sohn gesagt: "Erinnerst du dich, wie der kleine Bursche hieß, der da hinten in der Ecke saß? Das ist der einzige, der keine Angst vor mir hat, und der wird es sagen, wenn ich eine verrückte Idee habe. Wenn wir das nächste Mal Ideen durchsprechen wollen, dann können wir das nicht mit diesen Leuten machen, die zu allem ja, ja, Dr. Bohr, sagen. Sieh zu, daß du den Kerl herholst, und dann reden wir zuerst mit ihm."
Ich bin immer so gewesen: Ich achtete nie darauf, mit wem ich rede. Es war immer die Physik, über die ich mir Gedanken machte. Wenn die Idee nichts hergab, dann habe ich gesagt, daß sie nichts hergibt. Wenn sie vielversprechend war, habe ich gesagt, daß sie vielversprechend ist. Ein einfacher Grundsatz.
Ich habe immer so gelebt. Es macht Freude, es macht Spaß - wenn man es kann. Ich habe das Glück in meinem Leben, daß ich es kann.



Es war kein Versagen meinerseits, dass das Institute for Advanced Study von mir erwartete, so gut zu sein. Ich dachte mir: "Weißt du, was sie von dir halten, ist so phantastisch, dass es unmöglich ist, dem gerecht zu werden. Du bist nicht verpflichtet, dem gerecht zu werden!"
Es war eine glänzende Idee: Man ist nicht verpflichtet, dem gerecht zu werden, was man nach Meinung anderer Leute leisten sollte. Ich bin nicht verpflichtet, so zu sein, wie sie es von mir erwarten. Es ist ihr Irrtum, nicht mein Versagen.



Ich wünsche Ihnen also nur eines - das Glück, an einem Ort zu sein, wo Sie die Freiheit haben, Ihre Integrität zu wahren und wo Sie sich nicht durch die Notwendigkeit, Ihre Position in einem Unternehmen zu behaupten, den Erhalt finanzieller Unterstützung oder dergleichen genötigt fühlen, Ihre Integrität aufzugeben. Mögen Sie diese Freiheit haben.
(jeweils aus: Richard Feynman, "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!")



Die Freiheit, verzichten zu können

Das Glück der Gelassenheit liegt in der Freiheit, verzichten zu können. Nicht nur auf materielle Güter, sondern auch auf unaufrichtige Sympathien und falsche Schmeicheleien. Souverän entscheidet der Besonnene, daß er nicht alles tun muß, was er kann. Aber er tut leichten Herzens, was seinem Glück und der Freude der ihm vertrauten Menschen dient. Lieber verzichtet er auf einen verdienten Vorteil, wenn damit Bedingungen verknüpft sind, die seinen Wertvorstellungen widersprechen. Er weicht keiner Verantwortung aus, wenn er an ihr wachsen kann, aber er läßt sich nicht verbiegen, um Karriere zu machen. Gleichmütig geht er seinen Weg durch seine Zeit, und er hat es nicht nötig, wie ein Schmetterling von einer Verlockung zur anderen zu flattern.
(Armin Heller)


Bei den Kindermenschen

Siddhartha ging zum Kaufmann Kamaswami, in ein reiches Haus ward er gewiesen, Diener führten ihn zwischen kostbaren Teppichen in ein Gemach, wo er den Hausherrn erwartete.
Kamaswami trat ein, ein rascher, geschmeidiger Mann mit stark ergrauendem Haar, mit sehr klugen, vorsichtigen Augen, mit einem begehrlichen Mund. Freundlich begrüßten sich Herr und Gast.
"Man hat mir gesagt", begann der Kaufmann, "daß du ein Brahmane bist, ein Gelehrter, daß du aber Dienste bei einem Kaufmann suchst. Bist du denn in Not geraten, Brahmane, daß du Dienste suchst?"
"Nein", sagte Siddhartha, "ich bin nicht in Not geraten und bin nie in Not gewesen. Wisse, daß ich von den Samanas komme, bei welchen ich lange Zeit gelebt habe."
"Wenn du von den Samanas kommst, wie solltest du da nicht in Not sein? Sind nicht die Samanas völlig besitzlos?"
"Besitzlos bin ich", sagte Siddhartha, "wenn es das ist, was du meinst. Gewiß bin ich besitzlos. Doch bin ich es freiwillig, bin also nicht in Not."
"Wovon aber willst du leben, wenn du besitzlos bist?"
"Ich habe daran noch nie gedacht, Herr. Ich bin mehr als drei Jahre besitzlos gewesen, und habe niemals daran gedacht, wovon ich leben solle."
"So hast du vom Besitz anderer gelebt."
"Vermutlich ist es so. Auch der Kaufmann lebt ja von der Habe anderer."
"Wohl gesprochen. Doch nimmt er von den anderen das Ihre nicht umsonst; er gibt ihnen seine Waren dafür."
"So scheint es sich in der Tat zu verhalten. Jeder nimmt, jeder gibt, so ist das Leben."
"Aber erlaube: wenn du besitzlos bist, was willst du geben?"
"Jeder gibt, was er hat. Der Krieger gibt Kraft, der Kaufmann gibt Ware, der Lehrer Lehre, der Bauer Reis, der Fischer Fische."
"Sehr wohl. Und was ist es nun, was du zu geben hast? Was ist es, das du gelernt hast, das du kannst?"
"Ich kann denken. Ich kann warten. Ich kann fasten."
"Das ist alles?"
"Ich glaube, es ist alles!"
"Und wozu nützt es? Zum Beispiel das Fasten - wozu ist es gut?"
"Es ist sehr gut, Herr. Wenn ein Mensch nichts zu essen hat, so ist Fasten das Allerklügste, was er tun kann. Wenn, zum Beispiel, Siddhartha nicht fasten gelernt hätte, so müßte er heute noch irgendeinen Dienst annehmen, sei es bei dir oder wo immer, denn der Hunger würde ihn dazu zwingen. So aber kann Siddhartha ruhig warten, er kennt keine Ungeduld, er kennt keine Notlage, lange kann er sich vom Hunger belagern lassen und kann dazu lachen. Dazu, Herr, ist Fasten gut."




Govinda

"Wohl bin ich alt", sprach Govinda, "zu suchen aber habe ich nicht aufgehört. Nie werde ich aufhören zu suchen, dies scheint meine Bestimmung. Auch du, so scheint es mir, hast gesucht. Willst du mir ein Wort sagen, Verehrter?" Sprach Siddhartha: "Was sollte ich dir, Ehrwürdiger, wohl zu sagen haben? Vielleicht das, daß du allzuviel suchst? Daß du vor Suchen nicht zum Finden kommst?"
"Wie denn?" fragte Govinda.
"Wenn jemand sucht", sagte Siddhartha, "dann geschieht es leicht, daß sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, daß er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben. Du, Ehrwürdiger, bist vielleicht in der Tat ein Sucher, denn, deinem Ziel nachstrebend, siehst du manches nicht, was nah vor deinen Augen steht."
(beides aus Hermann Hesse: Siddhartha)





Rückfahrt von Bad Dürkheim - Oberndorf noch nicht in Reichweite - Übernachtung im Grünen

Die Rückfahrt verlief gut. In Strasbourg habe ich noch ein wenig die Füße in die Ill reingehängt - zur Erfrischung. Auch in Alpirsbach kam ich gut an. Als ich so abends ein wenig verstohlen durchs Städtle lief mit meinem Rucksack auf dem Buckel, erntete ich so manches Lächeln von der einen oder anderen Frau. Es mag so manches Be-Lächeln dabei gewesen sein, aber auch so manches Das-möchte-ich-jetzt-auch-gerne-tun-Lächeln. Ich glaube, ich werde gern angelacht. Auch ein Quentchen Glück.
Busse nach Oberndorf gab´s keine mehr. Das anschließende Trampen machte mir keine so rechte Freude. Ich dachte, alt genug bist du ja, dass du nicht unbedingt auf einen Autofahrer angewiesen bist, der dich mitnimmt. Also hörte ich nach fünf Minuten und zehn Autos damit auf, lief zuerst einmal vom Kinzigtal auf die Höhe, hörte den Bach rauschen, sah die Sonne untergehen und dachte an die Julia (Julia Butterfly Hill, Mammut-Baum-Besetzerin in den USA anno 1999).
Als ich so in der Natur wanderte, kam mir der Gedanke, dass ich ja eigentlich soweit laufen könnte, wie ich will, und dann schlafen, dabei hab ich ja alles (Schlafsack, Isomatte). Immerhin schläft die Julia ja auch jede Nacht im Freien und erlebt die Natur sicherlich als nix Langweiliges.
Oben angekommen fand ich eine Wirtschaft, etwas vornehm, aber egal. Ich erlaubte mir, nach einem Alpirsbacher Bier und drei Scheiben Käse zum Mitnehmen zu fragen (französisches Baguette hatte ich schon). Die Wirtsleute schauten etwas verstört, aber ich bekam meinen Wunsch erfüllt. Wer wandert schon abends um neun Uhr und hat noch etliche Kilometer vor sich?
Ich ging nicht mehr allzuweit, suchte mir ein schönes Plätzchen, trank das Bier, aß den Käse und das Baguette und schlief sehr angenehm ein. Der Mond schien sehr voll, aber das macht nichts, wenn man müde ist. Ich fühlte mich ein wenig so verbunden mit der Natur, wie ich es schon am Abend zuvor mit Andreas auf unserer Nachtwanderung bei der Begegnung mit den Spinnennetzen tat.
(aus einem Brief von mir)





"Warum bist du so lieb?" fragte sie.
"Ho, ho", lachte der Rotgekleidete wieder. "Je mehr wir weggeben, desto reicher werden wir. Und je mehr wir für uns behalten, desto ärmer bleiben wir. Das ist das Mysterium der Freigebigkeit, nicht mehr und nicht weniger. Aber es ist auch das Mysterium der Armut."
Der Engel Umuriel klatschte in die Hände: "Gut gesagt, Bischof!"
Bischof Nikolaus fuhr fort: "Alle, die sich auf Erden Schätze sammeln, werden eines Tages sehr arm sein. Aber die, die alles verschenkt haben, was sie besitzen, werden niemals arm sein. Und sie haben außerdem so viel Spaß gehabt, dass sie immer fröhlich waren. Ho, ho! Denn die allergrößte Freude auf Erden ist Freigebigkeit!"
"Das kann schon sein", sagte Elisabet. "Aber erst muss man doch etwas haben, was man verschenken kann."
Jetzt lachte der muntere Bischof so wild, dass sein ganzer Körper bebte. Elisabet wurde auf seinem Arm fast seekrank.
"Ganz und gar nicht", sagte er, als er so viel Gelächter verschluckt hatte, dass in seinem Mund auch ein bißchen Platz zum Sprechen war. "Du brauchst überhaupt nichts zu besitzen, um Freigebigkeit in den Adern zu spüren. Ein kleines Lächeln reicht, oder etwas Selbstgemachtes."
(aus Jostein Gaarders "Weihnachtsgeheimnis")


Was kann ein Mensch mit der Weihnachtsgeschichte anfangen?

Die Herbergssuche ist ein mythisches Motiv. Von der Göttin Isis wird in Ägypten ähnliches berichtet. Von der Mutter des Asklepios erzählen die griechischen Mythen ähnliches. Hier meint die Weihnachtsgeschichte etwas ganz Einfaches. Für eine Frau, die gebären wird, ist in einer Herberge, einer Karawanserei, bei dem Durcheinander kein Platz. Sie geht lieber aufs Feld, abgesondert von den Leuten, und bringt ihr Kind dort zur Welt. Mehr ist zunächst nicht gemeint, aber als Sinnbild gilt hier: Wenn du versuchst zu leben, was du bist, musst du dich als erstes einrichten auf Widerstand, auf Einsamkeit. Du wirst das, was du bist, ein Individuum, im Grunde nur, indem du riskierst, einmal nicht dazu zu gehören. Es kann etwas Neues nur passieren, wenn du die Totalangleichung an das Allgemeine durchbrichst. Du musst nicht länger wie eine Fledermaus im Winde darauf lauschen, was alles für Geräusche ringsum sind. Du musst lernen, nach Innen zu hören, auf die leise Stimme, die wirklich von Gott ist. Wie können Engel singen? Wie können Hirten davon hören, außer du fängst an, deinen Träumen zu glauben. Sie sind die Sprache, die Gott in deine Seele senkt. Du kannst genau wissen, was Mitleid ist, was Güte bedeutet, was Menschlichkeit meint, was Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit bedeuten. Es muss dir nicht gesagt werden. Du weißt das in dir. Das einzige ist, dass man dauernd erklärt, das geht doch nicht zu leben, das ist zu riskant, so kommst du nicht durch! Du musst dich immer wieder biegen und verlügen. Wenn du damit aufhörst, musst du in Kauf nehmen, dass du auf die Suche zu gehen hast, wo Menschen sind, die dich aufnehmen, Aber es bleibt dir nicht erspart. Der Weg der Menschwerdung ist genau dieses Suchen, wo du mit deiner Wahrheit, mit dem Königskind in deinen Armen aufgenommen wirst.
(Eugen Drewermann)


Ein Gesetz, das gegen das göttliche Gesetz verstößt, verdient es, gebrochen zu werden

Für meine Mutter war des Menschen eigenes Gewissen das höchste Gesetz. Sie pflegte zu sagen: „Im Prinzip respektiere ich nicht das Gesetz“. Sie meinte, dass ein Gesetz einigen Verdienst und ein anderes keinen haben könne, und dass ein Mensch für sich zu entscheiden hätte, was richtig und was falsch wäre. Sie wusste, dass bestimmte Gesetze einigen Leuten dienen könnten und anderen schaden. Dieses Verstehen kam aus ihr selbst. Sie handelte stets nach Grundsätzen, nicht danach, was andere sagten, sondern nach dem, was sie als richtig empfand.
Als mein Bruder Enrique 19 Jahre alt war, wurde er zum Dienst in der Spanischen Armee eingezogen, wie es das Gesetz der Zeit vorsah. Er kam zu meiner Mutter und die Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. „Mein Sohn“, sagte sie zu Enrique, „du musst niemanden töten und niemand darf dich töten; du bist nicht geboren, um zu töten oder getötet zu werden. Geh fort, verlass das Land!“ So floh Enrique aus Spanien. Er ging nach Argentinien. Meine Mutter fühlte eine besondere Zärtlichkeit für Enrique, der der Jüngste ihrer Kinder war; aber sie sah ihn elf Jahre lang nicht wieder. Er kehrte heim, als es dort eine Amnestie für diejenigen gab, die das Dienstpflichtgesetz gebrochen hatten.
Ich denke, wenn alle Mütter der Welt ihren Söhnen sagten: „Ihr seid nicht geboren, um Totschläger zu sein und im Krieg getötet zu werden, kämpft nicht!“ – es würde keinen Krieg mehr geben. Als meine Mutter meinem Bruder Enrique sagte, er solle fortgehen, war es für sie nicht nur der Grund, das Leben ihres Sohnes zu retten. Es war der Grund, das zu tun, was richtig war ...“
(Pablo Casals)





Mahatma Gandhi konnte sagen: „Das Christentum hat in Europa niemals existiert, sonst hätte es dort nicht immer wieder die schlimmsten Kriege gegeben.“ Er konnte sich weigern, militärische Ehren entgegenzunehmen, wenn er ein fremdes Land besuchte, er konnte barfuß und im Lendenschurz ins Parlament gehen, weil er dachte: „Sobald wir reich sind, brauchen wir ein Militär, um uns zu verteidigen.“
(Eugen Drewermann über Mahatma Gandhi)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Wie der Vogel

Der Meister sprach gern darüber, wie Natur und Heiligkeit ineinander verwoben sind. Er saß einmal im Garten, als er ausrief:
"Sieh nur diesen fröhlichen blauen Vogel dort auf dem Ast, wie er hin und her hüpft, sein Lied in die Welt schmettert und sich uneingeschränkter Freude überläßt, weil er nichts von morgen weiß!"




Ganz der Vater

Als der junge Rabbi seinem Vater nachfolgte, fing jeder davon an, wie ganz anders er sei.
"Im Gegenteil", antwortete der junge Mann, "ich bin genau wie mein alter Herr. Er ahmte niemanden nach. Ich ahme niemanden nach."

Sei du selbst! Hüte dich, das Verhalten der Großen nachzuahmen, wenn du nicht die innere Haltung hast, die ihr Handeln inspirierte.


Nicht für eine goldene Schale

Der große buddhistische Heilige Nagarjuna pflegte mit nichts weiter als einem Lendentuch bekleidet umherzuwandern, besaß jedoch - nicht ganz dazu passend -, eine goldene Bettelschale, die ihm der König, sein Schüler, gegeben hatte.
Eines Nachts wollte er sich gerade in den Ruinen eines alten Klosters zum Schlaf niederlegen, als er hinter den Säulen einen Dieb bemerkte.
"Hier", sagte Nagarjuna und hielt ihm die Bettelschale hin, "nimm das. Dann störst du mich wenigstens nicht, wenn ich eingeschlafen bin."
Der Dieb griff hastig nach der Schale und machte sich aus dem Staub, kehrte aber am nächsten Morgen mit der Schale und einer Frage auf den Lippen zurück.
"Als Ihr mir letzte Nacht diese Schale ohne Zögern gabt, kam ich mir selbst sehr armselig vor. Lehrt mich, die Reichtümer zu gewinnen, mit denen ich soviel Gelassenheit erwerben kann."




Zwei Dollar verloren

Ein Mann und seine Frau besuchten Freunde in einem anderen Teil des Landes und wurden zu einem Pferderennen mitgenommen. Sie waren fasziniert von dem Anblick der auf einer Bahn um die Wette rasenden Pferde, so daß sie den ganzen Abend wetteten, bis sie nur noch zwei Dollar besaßen.
Am nächsten Tag beschwor der Mann seine Frau, ihn allein zum Rennen gehen zu lassen. Ein Pferd war am Start mit einer Quote von 50:1 im ersten Rennen. Er setzte auf dieses Pferd, und es gewann. Nun setzte er alles gewonnene Geld in einem kühnen Versuch im nächsten Rennen wieder ein, und wieder gewann er. Und so ging es weiter den ganzen Abend, und zuletzt hatte er 57 000 Dollar gewonnen.
Auf dem Heimweg kam er an einem Spielsalon vorbei. Eine innere Stimme, die gleiche, die ihn bei der Wahl der Pferde geleitet zu haben schien, sagte: "Stop! Geh hinein!" Also blieb er stehen, ging hinein und stand vor einem Roulette-Spiel. Die Stimme sagte: "Nummer dreizehn."
Der Mann setzte seine 57 000 Dollar auf Nummer dreizehn. Das Rad drehte sich, der Croupier sagte: "Nummer vierzehn."
So ging der Mann mit leeren Taschen nach Hause. Seine Frau rief ihm zu: "Wie war´s?"
Der Mann zuckte die Schultern. "Ich habe die zwei Dollar verloren", sagte er.

Bedenkt man es recht, verliert man nie mehr als den Einsatz, gleichgültig, wie hoch er war.




Was die Nachbarn denken

Ein Möbelfabrikant schickte einem seiner Kunden folgenden Brief:

"Lieber Mr. Jones,
was würden Ihre Nachbarn denken, wenn wir einen Möbelwagen zu Ihrem Haus schickten, um die Möbel, die Sie noch nicht bezahlt haben, wieder abzuholen?"
Er bekam folgende Antwort:

"Dear Sir,
ich habe die Angelegenheit mit meinen Nachbarn besprochen, um zu erfahren, was sie denken würden. Alle hielten es für einen ganz gemeinen Trick einer schäbigen, fiesen Gesellschaft."

Ein untrügliches Zeichen der Erleuchtung: Was die Mitmenschen denken oder sagen, ist einem völlig gleichgültig.




Eine andere Geschichte wird erzählt von einem Soldaten auf dem Schlachtfeld, der einfach sein Gewehr fallen ließ, ein Stück Papier vom Boden aufhob und es betrachtete. Nach kurzer Zeit ließ er es wieder zu Boden flattern. Dann ging er ein Stückchen weiter und tat das gleiche. Die anderen Soldaten sagten:
"Der ist ja lebensmüde. Er braucht Hilfe." So schafften sie ihn in eine Klinik, wo sich der beste Psychiater um ihn kümmerte.
Aber nichts schien zu helfen. Der Soldat wanderte durch die Gänge, las Papierfetzen auf, schaute sie kurz an und ließ sie wieder zu Boden flattern. Schließlich sagte man:
"Wir müssen diesen Mann aus der Armee entlassen." Also rief man ihn herein und überreichte ihm seine Entlassungsurkunde. Er nahm sie, warf einen Blick darauf und rief: "Ist sie das? Das ist sie!"
Endlich hatte er sie gefunden.



Ein Rekrut wurde als Wachmann eingeteilt, um die Einfahrt zu dem Militärlager zu bewachen, mit dem strikten Befehl, keinen Wagen passieren zu lassen, der nicht einen besonderen Wimpel trug.
Es geschah nun, dass er einen Wagen anhielt, in dem ein General saß, der sofort seinem Fahrer befahl, sich nicht um die Wache zu kümmern und weiterzufahren. Daraufhin trat der Rekrut, das Gewehr im Anschlag, vor und sagte ruhig: "Ich bitte um Verzeihung, Sir, aber ich bin neu in diesem Geschäft. Wen soll ich erschießen? Sie oder den Chauffeur?"

Man erlangt Größe, wenn man den Rang der Vorgesetzten nicht achtet und die Untergebenen ihren eigenen Rang vergessen macht. Wenn man weder überheblich gegenüber den Schwachen ist noch schwach mit den Überheblichen.




Laß mich heraus

Nichts beschreibt besser die menschliche Natur als die Geschichte des armen Betrunkenen, der spät nachts außerhalb eines Parkes am Zaun rüttelt und schreit: "Laßt mich raus!"

Nur deine Illusionen hindern dich an der Erkenntnis, daß du frei bist - und es immer warst.


Diogenes

Der Philosoph Diogenes aß zum Abendbrot Linsen. Das sah der Philosoph Aristippos, der ein angenehmes Leben führte, indem er dem König schmeichelte.
Sagte Aristippos: "Wenn du lerntest, dem König gegenüber unterwürfig zu sein, müßtest du nicht von solchem Abfall wie Linsen leben."
Sagte Diogenes: "Wenn du gelernt hättest, mit Linsen auszukommen, brauchtest du nicht dem König zu schmeicheln."


Trennung

Die Lehren des Meisters fanden bei der Regierung keine Zustimmung und sie verbannte ihn aus seiner Heimat.
Den Schülern, die ihn fragten, ob er nie Heimweh hätte, sagte der Meister: "Nein."
"Aber es gehört zum Menschen, seine Heimat zu vermissen", wandten sie ein.
Worauf der Meister sagte: "Man ist kein Verbannter mehr, wenn man entdeckt, daß die Schöpfung die eigentliche Heimat ist."




Autonomie

Dem Meister schien es völlig gleichgültig zu sein, was die Menschen von ihm dachten. Als die Schüler fragten, wie er diese Stufe innerer Freiheit erreicht habe, lachte er laut und sagte: "Bis ich zwanzig war, kümmerte es mich nicht, was die Leute von mir dachten. Nach meinem zwanzigsten Lebensjahr fragte ich mich ständig, was wohl meine Nachbarn von mir hielten. Als ich dann einen Tag älter als fünfzig war, erkannte ich plötzlich, daß sie kaum je überhaupt an mich dachten."


Offenheit

Ein besorgtes Ehepaar klagte dem Meister, ihr Sohn habe die religiösen Traditionen der Familie aufgegeben und sich zum Freidenker erklärt.
Sagte der Meister: "Kein Grund zur Sorge. Wenn der Junge wirklich für sich selbst denkt, wird der Mächtige Wind sich erheben und ihn dorthin tragen, wohin er gehört."


Extravaganz

Eines Tages wollten die Schüler wissen, wie der Mensch beschaffen sein müßte, der am besten geeignet wäre, Schüler zu werden.
Sagte der Meister: "Das wäre ein Mensch, der nur zwei Hemden hat, eines davon veräußert und von dem Geld eine Blume kauft."




Entfernung

Der Besitzer eines Vergnügungsparks wies auf die Ironie hin, daß zwar die Jugend sich in seinem Park nach Kräften amüsierte, er selbst aber meistens niedergeschlagen war.
"Möchtest du lieber den Park oder das Vergnügen?" fragte der Meister.
"Ich möchte beides."
Der Meister schwieg.
Als er später darüber befragt wurde, zitierte der Meister die Worte eines Landstreichers zu einem reichen Landbesitzer: "Ihr habt den Besitz. Andere genießen die Landschaft."


Der Hühneradler

Ein Mann fand ein Adlerei und legte es in das Nest einer gewöhnlichen Henne. Der kleine Adler schlüpfte mit den Küken aus und wuchs zusammen mit ihnen auf.
Sein ganzes Leben lang benahm sich der Adler wie die Küken, weil er dachte, er sei ein Küken aus dem Hinterhof. Er kratzte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckte und gackerte. Und ab und zu hob er seine Flügel und flog ein Stück, genau wie die Küken. Schließlich hat ein Küken so zu fliegen, stimmt´s?
Jahre vergingen, und der Adler wurde sehr alt. Eines Tages sah er einen herrlichen Vogel hoch über sich im wolkenlosen Himmel. Hoheitsvoll schwebte er durch die heftigen Windströmungen, fast ohne mit seinen kräftigen goldenen Flügeln zu schlagen. Der alte Adler blickte ehrfürchtig empor. „Wer ist das?“, fragte er seinen Nachbarn.
„Das ist der Adler, der König der Vögel“, sagte der Nachbar. „Aber reg dich nicht auf. Du und ich sind von anderer Art.“
Also dachte der Adler nicht weiter an diesen Vogel. Er starb in dem Glauben, ein Küken im Hinterhof zu sein.


Zugvogels sicheres Fundament

„Ich sehne mich nach einem festen Grund, einem sicheren Fundament für mein Leben.“
„Sieh es doch do an“, sagte der Meister. „Was ist der feste Grund für den Zugvogel, der Kontinente überquert? Was ist das sichere Fundament für den Fisch, der vom Fluss in das Meer getragen wird?“



Die Kokosnuß

Von einem Baum warf ein Affe eine Kokosnuß einem Sufi auf den Kopf.
Der Mann hob die Nuß auf, trank die Milch, aß das Fruchtfleisch und machte sich eine Schüssel aus der Schale...



Sogar die Sehnsucht nach Freiheit ist eine Fessel.
Niemand ist frei, der sich um seine Freiheit sorgt. Nur die Zufriedenen sind frei.



Es war einmal ein großer Zenmeister mit dem Namen Ryokan. Er lebte am Fuße eines Berges und führte ein sehr einfaches Leben. Eines Tages, als der Meister fortgegangen war, brach ein Räuber in seine kleine Hütte ein, doch er fand darin nichts, was er hätte stehlen können. Der Räuber wühlte und suchte noch in der Hütte, als der Meister zurückkam und den Einbrecher stellte.
Ryokan sagte: "Du hast einen weiten Weg gemacht, um mich zu überfallen. Du kannst unmöglich mit leeren Händen gehen. " Und er gab ihm alle seine Kleider und die Bettdecke obendrein. Verblüfft wie er war, nahm der Räuber die Sachen und verschwand. Daraufhin setzte sich der Meister vor die Tür seiner Hütte, schaute in die helle Mondnacht und dachte sich: "Der Arme! Ich wünschte, ich könnte ihm etwas von diesem zauberhaften Mondschein geben!"


Ein vollkommener Narr

Ein Guru versprach einem Gelehrten eine Offenbarung von größerer Bedeutung als alles, was in den Schriften stand.
Als der Gelehrte darum bat, sie ihm mitzuteilen, sagte der Guru: „Geh hinaus in den Regen und recke Kopf und Arme himmelwärts. Das wird dir die erste Offenbarung bescheren.“
Am nächsten Tag kam der Gelehrte und berichtete. „Ich folgte deinem Rat, und das Wasser floss mir den Nacken hinab. Und ich fühlte mich wie ein vollkommender Narr.“
„Findest du nicht“, sagte der Guru, „dass das für den ersten Tag schon eine ganz schöne Offenbarung ist?“



Gute Aussicht

Ein ängstlicher Tourist fürchtete, zu nahe an den Klippenrand zu kommen. "Was soll ich machen, wenn ich hinunterfalle?" fragte er den Führer.
Der sagte voller Begeisterung: "In diesem Falle, Sir, sollten Sie unbedingt nach rechts blicken. Die Aussicht wird Ihnen gefallen."

Natürlich nur, wenn auch Sie erleuchtet sind!




Gelegenheit macht Diebe

Ein reicher Mann ging nach einem Fest in die Moschee, zog seine teuren Schuhe aus und ließ sie vor der Tür stehen. Als er nach dem Gebet wiederkam, waren die Schuhe weg.
"Wie gedankenlos von mir", sagte er sich vorwurfsvoll. "Indem ich dummerweise die Schuhe draußen stehen ließ, habe ich jemanden dazu verführt, sie zu stehlen. Nun bin ich schuld, daß er zum Dieb wurde."



Man ist nie natürlich, wenn man versucht, natürlich zu sein;
oder versucht, es nicht zu versuchen!


Den besten Samen teilen

Ein Farmer, dessen Mais auf der staatlichen Landwirtschaftsmesse immer den ersten Preis gewann, hatte die Angewohnheit, seine besten Samen mit allen Farmern der Nachbarschaft zu teilen.
Als man ihn fragte, warum er das täte, sagte er: "Eigentlich liegt es im ureigensten Interesse. Der Wind trägt die Pollen von einem Feld zum anderen. Wenn also meine Nachbarn minderwertigen Mais züchten, vermindert die Kreuzbestäubung auch die Qualität meines Kornes. Darum liegt mir daran, daß sie nur den allerbesten anpflanzen."

Was man anderen gibt, gibt man sich selbst.




Philosophisches:


Philosophie beginnt mit der Fähigkeit, sich zu wundern.
(Platon)

Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das Einzige,
was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden.
(Alberto in "Sofies Welt")

Jeder Mensch auf Erden ist eine ganze Schöpfung für sich.
(Engel Efiriel in Jostein Gaarders Buch "Das Weihnachtsgeheimnis")



Alle Anstrengungen des menschlichen Verstandes können nicht das Wesen einer einzigen Fliege erschöpfend ergründen.
(Thomas von Aquin)


Kinder sind Dichter und Philosophen

Ein Dichter ist ein Mensch, der sehr ausgelassen und tieftraurig sein kann, der leicht aufbraust und leidenschaftlich liebt – ein Mensch, der tief empfindet, der Rührung und Mitleid kennt. Und genauso sind auch die Kinder.

Ein Philosoph ist ein Mensch, der sehr gründlich nachdenkt und unbedingt wissen will, wie alles wirklich ist. Und wiederum, genauso sind die Kinder auch.
(Janusz Korczak)


Die Welt des Nutzens kann nicht die Welt des Menschen sein

Der Hohlraum zwischen den Wänden eines Gefäßes macht das Gefäß so nützlich.
Der Hohlraum zwischen den Speichen eines Rades macht das Rad so brauchbar.
Das Nichtsein der Mauer zwischen den Wänden macht das Haus bewohnbar.
Durch das Nichtsein ist alles gemacht.
(Laotse)




Gedanken zu den fünf Tugenden des Sokrates:

Die Liebe zur Erkenntnis stellt den zentralen Ausgangspunkt meiner Gedankenwelt dar. Es ist jeden Tag eine Herausforderung, sich den Gedanken und Vorstellungen seiner Geisteswelt zu stellen und zu überprüfen. In vielen Gedanken steckt ein Irrtum. Diesen Irrtum gilt es zu finden und die Gedanken zu erneuern. Niemals darf man sich auf einer gewonnenen Erkenntnis ausruhen, sondern muß darauf gefaßt sein, die Dinge aus einer anderen Sicht betrachten zu müssen. Diese Art zu Denken macht mich nicht nur tolerant gegenüber Menschen, die anders Denken, sondern auch einsichtig hinsichtlich des unbedeutenden Seins der eigenen Gedanken. Zwar versuche ich mein Leben im Einklang eigener Erkenntnis zu führen und mich nicht von Manipulationen anderer leiten zu lassen, aber die Gedanken eines Anderen können mich durchaus dazu bewegen, meine Meinung zu ändern, wenn mich diese Gedanken nach eigener Prüfung überzeugen.

Die Gerechtigkeit ist ein Mittleres zwischen Anmaßung und Kriecherei. Das bedeutet, daß ich Stärkeren, wie zum Beispiel einem Vorgesetzten, und Schwächeren, wie zum Beispiel einem Kind, in der selben Art und Weise entgegentrete. So verdient jeder Mensch die gleiche Art von Zuwendung und Höflichkeit, ob er nun Bundeskanzler ist oder ein Bettler unter einer Brücke. Er verdient, daß man ihn als menschliches Wesen achtet und seine persönlichen Rechte akzeptiert. Ebenso ist es aber auch wichtig, den Menschen nicht mehr Respekt entgegenzubringen als sie verdienen. Ein Mörder bleibt ein Mörder, ob er reich oder arm ist. Und nur weil einer einen höheren Lebensstandard hat, darf man diesem nicht mehr Rechte einräumen als jedem anderen sonst.

Die Besonnenheit bedeutet für mich, meine Handlungen meiner Erkenntnis unterzuordnen. Einfach formuliert: Erst Denken, dann Handeln. Natürlich muß die Bedenkzeit der Situation angepaßt sein. Wenn ich Auto fahre, darf ich natürlich nicht lange nachdenken ehe ich bremse. Dennoch ist es in den meisten Situationen doch ratsam, sich Gedanken zu machen, bevor man etwas tut oder mit jemandem redet.

Die Tapferkeit bedeutet für mich persönlich zu seinen Ansichten zu stehen. Hat man eine Erkenntnis für sich gefunden und versucht man sein Leben nach solch einer Erkenntnis zu gestalten, gehört auch der Mut und die Tapferkeit dazu, diese Ansicht gegenüber anderen zu verteidigen. So kann zum Beispiel jemand, der zu der Einsicht gekommen ist, daß er keinen wehrlosen Menschen tötet, dies niemals auch unter größtem Zwang tun. Aber auch im alltäglichen Leben gibt es Situationen für solche Formen der Tapferkeit: Wenn man von etwas überzeugt ist, hat man auch in einer Gesprächsrunde dazu zu stehen, selbst wenn man als einziger dieser Meinung ist und einen die Argumente der Anderen nicht überzeugen.

Die Frömmigkeit bedeutet für mich zunächst jedem seine Form des Glaubens zuzugestehen. Ich persönlich lebe in dem Glauben, nicht nur in einer physikalischen Welt zu leben, sondern auch andere "Kräfte", die in der Welt wirken, als vorhanden zu betrachten. Dinge dieser Art kann ich in keiner Weise beweisen, aber es ist meiner Meinung nach mindestens ebenso sinnvoll an etwas zu glauben als es nicht zu tun. So glaube ich an die Existenz der menschlichen Seele und so, wie ich es möchte, als Seelenwesen behandelt zu werden, will ich auch andere behandeln. Frömmigkeit bedeutet für mich auch eine gewisse Demut gegenüber einem größeren Ganzen. Jeder für sich ist ein unersetzliches Teil einer für uns nicht zu erkennenden größeren Wahrheit.
(Rainer Hölsch)



Ich sehe kein besonders Verdienst in der Tatsache, dass ich im Alter von elf Jahren ein Künstler war. Ich wurde mit einer Fähigkeit – mit Musik in mir – geboren. Das ist alles. Ich verdiene keine besondere Anerkennung. Die einzige Anerkennung, die wir in Anspruch nehmen können, ist die, was wir aus dem Talent, das uns gegeben wurde, machen. Das ist es, warum ich junge Musiker dränge: „Seid nicht eitel, weil ihr das Glück gehabt habt, Talent zu haben. Ihr seid nicht verantwortlich dafür, ihr tatet nichts dafür. Was ihr aus eurem Talent macht, darauf kommt es an. Ihr müsst diese Gabe pflegen. Vermindert oder verschwendet nicht, was euch gegeben worden ist.“
Natürlich wird diese Gabe am besten durch das Leben selbst gepflegt. Eines Menschen Werk sollte der Salut an das Leben sein! Manchmal schaue ich mit dem Gefühl des völligen Schreckens um mich. In der Verwirrung, die die Welt heute quält, sehe ich einen Mangel an Ehrerbietung vor den wirklichen Werten des Lebens. Schönheit ist überall um uns, aber wie viele sind blind für sie. Sie sehen auf die Wunder dieser Erde und scheinen nichts zu sehen. Jede Sekunde leben wir in einem neuen und einzigen Augenblick des Universums, einem Augenblick, der niemals vorher war und niemals wieder sein wird.
Und was lehren wir unseren Kindern? Wir lehren sie, dass 2 x 2 = 4 ist und dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist. Wann werden wir sie auch lehren, was sie sind? Wir sollten zu jedem von ihnen sagen: „Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder! Du bist einmalig. In der ganzen Welt gibt es kein anderes Kind genauso wie Du. In den Millionen Jahren, die vergangen sind, hat es niemals ein Kind gegeben wie Dich.
Und sieh dir deinen Körper an – was für ein Wunder er ist! Deine Beine, Deine Arme, Deine schlauen Finger, die Art, in der du dich bewegst!
Du kannst ein Shakespeare, ein Michelangelo, ein Beethoven werden! Du hast die Fähigkeit für alles. Ja, du bist ein Wunder!
Und wenn du groß bist, kannst du dann einem anderen, der wie du ist, Leid zufügen, einem Wunder?
Ihr müsst einander pflegen!
Du musst arbeiten – um diese Welt würdig Ihrer Kinder zu machen.
(Pablo Casals im Alter von 93 Jahren)



Da die Philosophie wohl nicht in den Fächerkanon eines Studenten der Sonderpädagogik gehört, vermute ich, dass diese Interessen persönlicher Art sind. Das ist gut.
Wer glaubt, dass die Jahre an einer Universität sich darin erschöpfen, dass man seine Scheine und Abschlüsse macht, der hat ein Wesensmerkmal wissenschaftlicher Bildung übersehen.
Und wer glaubt, dass die Jahre an einer Universität sich so ausschöpfen, dass man alles Mögliche, aber nichts richtig macht, der hat eine Notwendigkeit wissenschaftlicher Bildung übersehen.
(Michael Westerburg)

Verdammt phantastisch, daß es überhaupt Seelen gibt, und dazu noch so viele. Aber auch wenn es nur einen Stein in dieser Welt gäbe, bliebe die Frage, wo kommt er her, dieser Stein?
Ich finde es auch lustig, daß wir in unserem Kopf die Welt sehen können, dort, wo sich die Dinge auch befinden! Die Schöpfung sieht sich selbst! Die Schöpfung läuft herum. Fast schon unheimlich, oder? Ob Gott darüber nicht selbst gestaunt hat, als er bemerkte, was er da angestellt hat?
(aus einem Brief von mir)

Ein Student in seinem schriftlichen Philosophieexamen wird mit Folgendem konfrontiert:
"Wenn das eine Frage ist, dann beantworten Sie sie!"
(was er geschrieben hat, steht weiter unten)



(Die folgenden Zitate sind jeweils aus: Jostein Gaarders "Das Kartengeheimnis")

"Weißt du, was Großmutter einmal gesagt hat? Sie sagte, sie hätte in der Bibel gelesen, daß Gott im Himmel sitzt und darüber lacht, daß die Menschen nicht an ihn glauben."
"Warum denn?" fragte ich. Fragen war immer einfacher als antworten.
"Okay", fing Vater an. "Wenn es einen Gott gibt, der uns geschaffen hat, dann sind wir in seinen Augen gewissermaßen künstlich. Wir quatschen, streiten und prügeln uns. Trennen uns und sterben. Verstehst du? Wir sind verflixt clever, bauen Atombomben und Mondraketen. Aber niemand von uns fragt, woher wir kommen. Wir sind einfach hier und stellen uns auf."
"Und dann lacht Gott einfach über uns?"
"Genau. Wenn wir einen künstlichen Menschen bauen könnten, Hans-Thomas, und wenn dieser künstliche Mensch dann einfach lossabbeln würde - über Börsenkurse oder Pferderennen -, ohne die allereinfachste und wichtigste aller Fragen zu stellen, nämlich wie er entstanden ist - ja, dann würden wir doch auch herzlich lachen."



"Du weißt, daß mich der Weltraum beschäftigt, Hans-Thomas. Ich interessiere mich für Planeten - vor allem für lebendige Planeten."
Ich gab keine Antwort. Wir wußten beide gut, daß ihn das interessierte. Er fuhr fort: "Hast du gewußt, daß soeben ein geheimnisvoller Planet entdeckt worden ist, auf dem einige Millionen intelligente Wesen wohnen, die auf zwei Beinen durch die Gegend laufen und ihren Planeten durch ein paar lebendige Linsen betrachten?"
Ich mußte zugeben, daß mir das neu war.
"Dieser kleine Planet wird durch ein kompliziertes Netz von Bahnen zusammengehalten, auf denen diese cleveren Kerlchen pausenlos in bunten Wagen herumkutschieren."
"Stimmt das wirklich?"
"Yes, Sir! Das rätselhafte Gewürm auf dem Planeten hat sogar riesige Gebäude mit über hundert Stockwerken errichtet. Und darunter - da haben sie lange Tunnels gegraben, in denen sie in elektrischen Apparaten herumsausen können, die sich auf Schienen bewegen."
"Bist du ganz sicher?" fragte ich.
"Ganz sicher, ja."
"Aber... warum hab ich dann noch nie von diesem Planeten gehört?"
"Nun ja", sagte Vater. "Zum einen ist er erst vor sehr kurzer Zeit entdeckt worden. Und zum anderen fürchte ich, daß ihn außer mir noch niemand kennt."
"Wo liegt er denn?"
Jetzt trat mein Vater auf die Bremse und fuhr an den Straßenrand.
"Hier!" sagte er und schlug mit der flachen Hand auf´s Armaturenbrett. "Das hier ist der seltsame Planet, Hans-Thomas. Und wir sind zwei von diesen intelligenten Kerlchen, zwei, die gerade in einem roten Fiat durch die Gegend rollen."
Einige Sekunden lang schmollte ich, weil er mich reingelegt hatte. Aber dann ging mir auf, daß er mir nur sagen wollte, wie unfaßbar unser Globus ist, und ich verzieh ihm sofort.
"Die Leute würden austicken, wenn Astronauten einen anderen lebenden Planeten entdeckten", sagte mein Vater schließlich. "Nur von ihrem eigenen lassen sie sich nicht aus der Fassung bringen."



Ein Joker ist ein kleiner Narr, der anders ist als alle anderen. Er ist nicht Kreuz oder Karo, nicht Herz oder Pik. Er ist nicht Acht oder Neun und nicht König oder Bube. Er steht außerhalb und gehört nicht wirklich zu den anderen. Er steckt im selben Packen wie die anderen Karten, aber er ist dort nicht zu Hause. Deshalb kann er auch entfernt werden, ohne daß irgendwer ihn vermisst.
Ich glaube, mein Vater fühlte sich wie ein Joker, als er als Deutschenkind in Arendal aufwuchs. Aber das war noch nicht alles: Auch als Philosoph war mein Vater eine Art Joker und glaubte immer, seltsame Dinge zu sehen, für die alle anderen blind waren.



Ziemlich bald erreichten wir einen Hügelkamm und blickten auf eine Ebene mit so üppigen Farben, daß ein armer Landschaftsmaler seinen ganzen Malkasten auf einmal hätte benutzen müssen, um ein wahrheitsgemäßes Bild zu bekommen.
Vater hielt an, sprang am Straßenrand aus dem Auto und rauchte eine Zigarette, während er seine Gedanken für einen seiner Minivorträge sortierte.
"Das alles sprießt hier Jahr für Jahr aus dem Boden, Hans-Thomas: Tomaten und Zitronen, Artischocken und Walnüsse - und tonnenweise Chlorophyll. Kannst du begreifen, wie die schwarze Erde das alles nach oben pumpen kann?"
Er blieb stehen und blickte auf das Wunder der Schöpfung.
"Was mich vor allem beeindruckt, ist, daß dies alles aus einer einzigen Zelle herstammt. Irgendwann vor mehreren Milliarden von Jahren ist ein kleines Samenkorn entstanden, das sich dann geteilt hat. Und im Laufe der Jahre verwandelte das kleine Samenkorn sich in Elefanten und Apfelbäume, Himbeeren und Orang-Utans. Verstehst du das, Hans-Thomas?"



Wir leben unser Leben in einem erstaunlichen Märchen, dachte ich. Trotzdem finden die allermeisten die Welt "normal". Zum Ausgleich sind sie ewig auf Jagd nach etwas Unnormalem - wie Engeln oder Marsmenschen. Aber das lag nur daran, daß ihnen die Welt nicht als Rätsel erschien. Ich selbst kam mir da ganz anders vor. Ich hielt die Welt für einen seltsamen Traum. Und ich machte gerade Jagd nach irgendeiner vernünftigen Erklärung dafür, was es mit diesem Traum auf sich hatte.



Ich fand es ein Rätsel, wie die Menschen einfach auf der Welt herumwuseln konnten, ohne sich immer wieder die Frage zu stellen, wer sie waren und woher sie kamen. Wie konnte man vor dem Leben auf diesem Planeten einfach die Augen verschließen oder es für selbstverständlich halten?



Ehe er aus dem Bett sprang, überlegte ich mir, daß es wichtig ist, für alles mögliche offene Augen zu haben, daß es aber nichts Wichtigeres gibt, als mit einem Menschen zusammenzusein, den wir lieben.



Ich fand es seltsam, daß wir Menschen, die in vieler Hinsicht so clever sind - und zum Beispiel den Weltraum und den Aufbau der Atome erforschen -, nicht mehr von uns selber wissen. Und mein Vater sagte etwas, das ich so klug fand, daß ich glaube, es hier wortwörtlich zitieren zu können: "Wenn unser Gehirn so einfach wäre, daß wir es verstehen könnten", sagte er und machte eine kleine Pause, "dann wären wir so dumm, daß wir es trotzdem nicht verstehen könnten."



"Wenn es wirklich einen Gott gibt" fuhr ich fort, "dann spielt er gern mit seinen Geschöpfen Verstecken."
Mein Vater lachte, aber ich wußte, daß er mir zustimmte.
"Vielleicht hat es ihm einen Schock versetzt, als er sah, was er da geschaffen hatte", sagte er. "Und dann ist er ganz schnell abgehauen. Du weißt schon - schwer zu sagen, wer den größeren Schrecken bekommen hat, Adam oder der Meister. Ich glaube eigentlich, daß so ein Schöpfungsakt auf beiden Seiten einen gleich großen Schrecken hervorruft. Aber ich finde, er hätte das Meisterwerk wenigstens noch schnell signieren können."
"Signieren?"
"Er hätte seinen Namen in einen Berg einritzen können oder so."



"Einen Philosophen nennen wir einen Menschen, der nach Weisheit sucht. Damit ist nicht gesagt, daß ein Philosoph besonders weise ist. Verstehst du den Unterschied?"



"Denn wenn man erst verstanden hat, daß man etwas nicht versteht, ist man im Grunde schon kurz davor, alles mögliche zu verstehen."



Du bist ein lebendiger Mensch. Im Moment befindest du dich in Schwäbisch Gmünd. Das ist ein Ort auf dem Erdball, der ein lebendiger Planet ist und derzeit um einen Stern in der Milchstraße kreist. Für eine Umlaufbahn um diesen Stern braucht dieser Planet etwa 365 Tage.



Jetzt können wir nur nicken und lächeln und Tausenden von Zeitgenossen guten Tag sagen: "He, du! Phantastisch, daß wir gleichzeitig leben!"



"Alle alten Menschen müssen sterben dürfen, mein Junge."



"Weißt du, warum die meisten Leute auf der Welt herumtrotten, ohne sich über alles zu wundern, was sie sehen?" fragte er. Ich schüttelte den Kopf. "Weil ihnen die Welt zur Gewohnheit wird!" Er streute sich Salz aufs Ei und fuhr fort:
"Wir alle brauchen viele, viele Jahre, um uns an die Welt zu gewöhnen. Das kann man bei kleinen Kindern leicht beobachten: Alles, was sie sehen, beeindruckt sie so sehr, daß sie ihren Augen nicht trauen. Deshalb zeigen sie nach allen Himmelsrichtungen und fragen nach allem, was sie entdecken.
Bei uns Erwachsenen ist das anders: Wir haben alles schon so oft gesehen, daß wir am Ende die ganze Wirklichkeit für selbstverständlich halten."



"Wir versprechen uns gegenseitig, daß wir diesen Planeten erst verlassen werden, wenn wir mehr darüber herausgefunden haben, wer wir sind und woher wir kommen." "Abgemacht!", sagte ich und gab ihm über dem Tisch die Hand.



Ich machte einen kleinen Spaziergang durch den Wald oberhalb des Hauses. Als sich der Sturm in meinem Innern allmählich legte, überkam mich ein Gefühl, das mich seither niemals verlassen hat: Als ich mich umdrehte und über das Dorf hinschaute, ging mir zum ersten Mal auf, was die Welt für ein unfaßbares Wunder ist.
Wie ist es zu erklären, fragte ich mich, daß wir Menschen sein dürfen? Es kam mir wie eine gänzlich neue Entdeckung vor - und doch hatte, was ich da entdeckte, seit meiner frühesten Kindheit offen zutage gelegen. Mir war, als hätte ich mein bisheriges Leben im Schlaf gelebt, als wäre es nur ein jahrelanger Schlummer gewesen. Ich existiere!! dachte ich. Ich bin eine springlebendige Person unter dem Himmel! Zum ersten Mal in meinem Leben begriff ich, was ein Mensch ist.



Jetzt begriff ich auch, warum das so gewesen war: Ich hatte mir keine Zeit gelassen, die Rehe zu erleben, eben weil ich schon so viele gesehen hatte.
So ist es mit allem, dachte ich, so ist es mit der ganzen Welt. Solange wir Kinder sind, haben wir noch die Fähigkeit, die Welt um uns herum zu erleben. Doch dann wird uns die ganze Welt zur Gewohnheit. Kind zu sein und aufzuwachsen, dachte ich, ist, wie sich an Empfindungen, an Sinneserlebnissen zu betrinken.



Jetzt wußte ich auch, was mit den Zwergen auf der magischen Insel geschehen war: Sie hatten sich dagegen gesperrt, die tiefsten Geheimnisse des Daseins zu erleben - vielleicht, weil sie niemals Kinder gewesen waren.



Diese Welt, dachte ich, ist ein so phantastisches Wunder, daß man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Man sollte vielleicht beides, aber es gleichzeitig zu tun ist nicht leicht.



...da ging mir auf, was das kleine Baby wohl gesagt hätte, wenn es hätte reden können: Es hätte gesagt, daß es in eine seltsame Welt gekommen sei. Ich hatte nicht vergessen, der jungen Mutter zu ihrem Kind zu gratulieren, doch im Grunde genommen hätte ich dem Kind gratulieren sollen. Wie man sich vor jedem einzelnen neuen Weltbürger verneigen sollte und sagen: "Willkommen auf der Welt, kleiner Freund! Du hast wirklich unglaubliches Glück, daß du herkommen darfst!"
Auf einmal fand ich es unendlich traurig, daß wir Menschen uns überhaupt an etwas so Unfaßbares wie das Leben gewöhnen. Eines Tages halten wir es für selbstverständlich, daß es uns gibt - und dann, ja, dann denken wir erst wieder darüber nach, wenn wir diese Welt wieder verlassen müssen.



Ich dachte an meine Freunde unten im Dorf. Wenn die wüßten! dachte ich. Bald würden sie wieder im "Schönen Waldemar" sitzen. Sie mußten über irgendetwas reden, und was lag da näher, als sich über den alten Bäcker das Maul zu zerreißen, der allein, weit weg von allen anderen, in seinem einsamen Häuschen lebte? Sie fanden ihn ein bißchen seltsam und erklärten ihn sicherheitshalber für verrückt.
Aber das größte Rätsel - davon waren sie selber ein Teil. Dieses größte Rätsel lag offen zutage, doch das sahen sie nicht. Vielleicht stimmte es, daß Albert ein großes Geheimnis hütete, aber das allergrößte Geheimnis war die Welt selber.



Aber wie alle Joker - in großen wie in kleinen Patiencen - müssen wir den Menschen erzählen, was die Welt für ein unbegreifliches Abenteuer ist. Wir wissen, daß es nicht leicht ist, den Menschen die Augen zu öffnen, damit sie sehen, daß die Welt groß und ziemlich unbegreiflich ist. Und solange sie nicht sehen, daß das, was offen zutage liegt, ein Rätsel ist, solange ist die Welt noch nicht reif, von Frodes Patiencekarten und der magischen Insel zu hören.



Ich könnte wie Sokrates sagen: Ich weiß, daß ich nichts weiß. Aber ich bin ganz sicher, daß noch immer ein Joker durch die Welt geistert. Er wird dafür sorgen, daß die Welt nie zur Ruhe kommt. Jederzeit - und überall - kann ein kleiner Narr mit Narrenkappe und klingenden Glöckchen auftauchen. Er blickt uns tief in die Augen und fragt: Wer sind wir? Woher kommen wir?
(jeweils aus: Jostein Gaarder, Das Kartengeheimnis)


Ein Student in seinem schriftlichen Philosophieexamen wird mit Folgendem konfrontiert:
"Wenn das eine Frage ist, dann beantworten Sie sie!"
Schreibt dieser aufs Papier:
"Wenn das eine Antwort ist, dann bewerten Sie sie!!"



"Sofie, entweder lebst du in einem wunderbaren Universum auf einem winzigen Fussel von einem Planeten in einer von Hunderten von Milliarden Galaxien - oder du bist einfach nur eine Handvoll elektromagnetischer Impulse im Bewusstsein eines Majors. Und angesichts dieser Situation redest du von einem Zeugnis! Du solltest dich schämen!"
"Tut mir leid."
(Alberto zu Sofie in "Sofies Welt")



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Eine alte Legende besagt, daß Gott bei der Erschaffung der Welt von vier Engeln angesprochen wurde.
Der erste fragte: "Wie machst du das?" Der zweite: "Warum machst du es?" Der dritte: "Kann ich helfen?" Der vierte: "Was ist es wert?"
Der erste war Wissenschaftler; der zweite Philosoph; der dritte Altruist; der vierte Immobilienhändler.
Ein fünfter Engel sah voller Staunen zu und klatschte aus reinem Entzücken Beifall. Das war der Mystiker.



Nicht die Verschiedenheit unserer Dogmen richtet Schaden an, sondern unser Dogmatismus.
Wenn also jeder von uns das täte, was nach seiner festen Überzeugung der Wille Gottes ist, wäre das Ergebnis ein absolutes Chaos.
Gewißheit ist von Übel.
Der geistliche Mensch kennt Ungewißheit - ein Geisteszustand, der dem religiösen Fanatiker unbekannt ist.



Die geistliche Suche ist eine Reise, die keine Entfernung überwindet.
Man reist von dort, wo man sich gerade befindet, dahin, wo man schon immer war.
Von Unwissenheit zur Erkenntnis, denn man sieht jetzt zum ersten Mal, was man schon immer vor Augen hatte.

Wer hörte je von einem Pfad, der dich zu dir selber führt,
oder einer Schule die dich so formt, wie du schon immer warst?
Spiritualität bedeutet schließlich nur, das zu werden, was du wirklich bist.



Trotzdem:


Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und
selbstbezogen.
Liebe sie trotzdem!

Wenn Du Gutes tust, werden sie Dir egoistische Motive
und Hintergedanken vorwerfen.
Tue trotzdem Gutes!



Wenn Du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde
und echte Feinde.
Sei trotzdem erfolgreich!

Das Gute, das Du tust, wird morgen vergessen sein.
Tue trotzdem Gutes!

Ehrlichkeit und Offenheit machen Dich verwundbar.
Sei trotzdem ehrlich und offen!

Was Du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über
Nacht zerstört werden.
Baue trotzdem!

Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute
greifen Dich vielleicht an, wenn Du ihnen hilfst.
Hilf ihnen trotzdem!

Gib der Welt Dein Bestes, und sie schlagen Dir die
Zähne ein.
Gib der Welt trotzdem Dein Bestes!
(Mutter Teresa)




Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN! ...

Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN! ...

Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den Mord segnen und den Krieg heiligsprechen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN! ...

Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine ... – Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!

Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann: ...

Dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend – und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos, letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch – all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht,
vielleicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn – wenn – wenn ihr nicht NEIN sagt.
(Wolfgang Borchert)



Ich fand es seltsam, daß wir Menschen, die in vieler Hinsicht so clever sind - und zum Beispiel den Weltraum und den Aufbau der Atome erforschen -, nicht mehr von uns selber wissen. Und mein Vater sagte etwas, das ich so klug fand, daß ich glaube, es hier wortwörtlich zitieren zu können: "Wenn unser Gehirn so einfach wäre, daß wir es verstehen könnten", sagte er und machte eine kleine Pause, "dann wären wir so dumm, daß wir es trotzdem nicht verstehen könnten."
(aus Jostein Gaarders Kartengeheimnis)



Die folgende Geschichte ist aus Anthony de Mellos Buch "Zeiten des Glücks"


"Ich war überzeugt, du würdest kommen"

"Mein Freund ist nicht vom Schlachtfeld zurückgekommen, Sir. Erbitte Erlaubnis, ihn zu suchen und hereinzuholen."
"Abgelehnt", sagte der Offizier, "ich möchte nicht, daß Sie Ihr Leben aufs Spiel setzen für einen Mann, der wahrscheinlich tot ist."
Der Soldat machte sich trotzdem auf die Suche und kam eine Stunde später tödlich verwundet zurück, in den Armen seinen toten Freund.
Der Offizier tobte. "Ich habe Ihnen gesagt, er sei tot. Nun habe ich Sie beide verloren. Was hat es nun gebracht, hinauszugehen, um eine Leiche zurückzubringen?"
Der sterbende Mann antwortete: "Es hat sich gelohnt, Sir. Als ich ihn fand, lebte er noch. Und er sagte zu mir: ´Ich wußte, Jack, daß du kommen würdest.´"



Vergnuegliches:


Nach den anerkannten flugmechanischen Gesetzen
kann die Hummel aufgrund ihrer Gestalt und ihres Gewichtes
im Vergleich zur Flügelfläche nicht fliegen.
Aber die Hummel weiß es nicht und fliegt trotzdem.
(Rolf Schneider)



Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt.
Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.
(Douglas Adams)

Fehler, die wir einsehen, können nicht mehr ins Auge gehen.
(Ernst Ferstl)

Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt worden, wie der Verstand.
Jeder glaubt, genug davon mitbekommen zu haben.
(Billy Graham)



Ein Diplomat ist jemand, der zweimal überlegt, bevor er nichts sagt.
(Winston Churchill)

Wenn man im Mittelpunkt einer Party stehen will,
darf man nicht hingehen.
(unbekannt)

Lächeln ist billiger als elektrischer Strom.
Und gibt mehr Licht!
(Schottisches Sprichwort)

Das Lächeln ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen.
(Henry Sokal)

Das Internet und das Fernsehen haben aus der Welt wieder eine Scheibe gemacht.
(unbekannt)



Der Bundesminister für Forschung und Technologie warnt:

- Achtung: Die grundlegenden Partikel dieses Monitors werden durch eine Gluonenkraft zusammengehalten, über die wenig bekannt ist. Sein fortdauernder Zusammenhalt unterliegt daher nicht der Garantie.

- Entsorgungshinweis der Industrie: Dieser Monitor besteht zu 100% aus Materie. Im unwahrscheinlichen Fall, dass er mit Antimaterie in Berührung kommen sollte, ist eine gewisse spontane Energieausschüttung (z. Bsp. in Form einer Explosion) unvermeidbar und kein Zeichen geringer Qualität.

- Vorsicht: Dieser Monitor zieht jeden anderen materiellen Gegenstand des gesamten bekannten Weltraums - unter Einschluss der Monitore anderer Hersteller - mit einer Kraft proportional dem Massenprodukt beider Gegenstände und umgekehrt proportional ihrer wechselseitigen Entfernung an.
(Susan Hewitt und Edward Subitzky)
(aus dem Englischen übersetzt von Fritz Jörn)





People are different from all other animals because we can laugh.
(Joseph Addison)

Den Friedensnobelpreis hätten eigentlich die Eskimos verdient.
Sie kennen den Krieg nicht einmal dem Namen nach.
(Svend Fleuron)

Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen;
aber sie haben keine Bedenken, dies mit leerem Kopf zu tun.
(Orson Welles)

Das Schicksal der Welt hängt heute in erster Linie
von den Staatsmännern ab, in zweiter Linie von den Dolmetschern.
(unbekannt)



Langeweile ist etwas, was die Natur nicht kennt,
sie ist eine Erfindung der Städter.
(Hermann Hesse)

Auch im Osten trägt man Westen.
(unbekannt)

Die Zukunft war früher auch besser.
(Karl Valentin)


Naheliegendes

Die wir lieben, liegen uns am Herzen.
Die wir nicht lieben, liegen uns auch,

allerdings etwas


tiefer.
(Ernst Ferstl)

Gerade weil wir alle in einem Boot sitzen,
sollten wir heilfroh darüber sein,
dass nicht alle auf unserer Seite stehen.
(Ernst Ferstl)



Bienheureux ceux qui savent rire d`eux-mêmes:
ils n´ont pas fini de s´amuser.
Glücklich diejenigen, die über sich selbst lachen können:
Sie werden nie aufhören, sich zu amüsieren.
(Joseph Folliet)


Ein elsäßischer Politiker war zu einer politischen Versammlung nach Paris eingeladen worden, wo auch er einen Vortrag halten sollte. Nun redeten manche Elsäßer nicht das beste Französisch und so kam es, dass der ganze Saal das Lachen anfing, als der gute Mann statt

"Mes projets sont détruits"
- was soviel wie "Meine Projekte sind zerstört" bedeutet -

"Mes brochets sont des truites"
- "Meine Hechte sind Forellen" -
sagte.




Alex reist nach Indien. Er entscheidet sich zu fliegen. Es ist das erste Mal für ihn und er hat ordentlich Respekt davor. Nachdem dann doch alles gutgegangen ist, wird er gefragt, wie sein erster Flug denn verlaufen sei.
"Es hat prima geklappt", antwortet er, "ich war sehr vorsichtig! Ehrlich gesagt hab´ ich es nicht gewagt, mich mit meinem ganzen Gewicht hinzusetzen."



Wer einmal ein Rind auf einer Wiese und die Teilnehmer eines Kongresses beim kalten Büfett beobachtet hat, wird erkennen, wo mehr Weisheit ist.
(Klaus Mohr)

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
(Kurt Tucholsky)

Die Mode ist das wichtigste Mittel der Textilindustrie gegen die zunehmende Haltbarkeit der Stoffe.
(Emilio Schuberth)

Niemand auf der Welt bekommt so viel dummes Zeug zu hören wie die Bilder in einem Museum.
(Jules de Goncourt)



Mit den Menschen ist es wie mit den Autos:
Laster sind schwer zu bremsen.
(Heinz Erhardt)

Vergib stets deinen Feinden. Nichts ärgert sie so.
(Oscar Wilde)

Ein Kongreß ist eine Sitzung, bei der viele hineingehen, und wenig herauskommt.
(Walter Finck)

Wer einen Orden nötig hat, beweist nur, daß er keinen verdient.
Und wer ihn verdient, hat ihn nicht nötig.
(Martin Keese)



Ein Masseur bekommt Geld für Dinge, für die jeder andere Ohrfeigen erhalten würde.
(unbekannt)

Die Stadt M. darf sich auf den Neubau eines "Medien-Erlebnis-Komplexes" freuen, kündigen die Stadtväter an.
Bisher hieß diese Einrichtung altmodisch Stadtbücherei.
(Zeitungsmeldung)

Ein Mitgiftjäger verdankt seiner ersten Frau sein Vermögen und seine zweite Frau seinem Vermögen.
(unbekannt)

Eine Familie ist ein steuerlich begünstigter Kleinbetrieb zur Herstellung von Steuerzahlern.
(Wolfram Weidner)

Ein Magen mit einem Lautsprecher auf der einen Seite und einem Auspuff auf der anderen nennt man Baby.
(Jerry Lewis)



Kinder sind das einzige, was in einem modernen Haushalt noch mit der Hand gewaschen werden muß.
(unbekannt)

Die Fahrt mit dem Fahrrad zum Büro ist eine echte Alternative zum Heimtrainer.
(Helmut Kleinhorst)

Ein HUP ist die Zeitspanne zwischen dem Aufleuchten des grünen Lichts einer Ampel und dem Beginn des Hupkonzerts hinter dem ersten Wagen.
(unbekannt)

Bei manchem ist eine Schraube locker, weil es mit der Mutter nicht stimmte.
(Werner Horand)



Lieblingsgericht von Indern in der Schweiz:
Butter-New Delhi (Butter-Nüdeli).
(Eriko Watanabe)

Es würde mir nicht im Traum einfallen, einem Club beizutreten, der bereit wäre, jemanden wie mich als Mitglied aufzunehmen.
(Groucho Marx)


Graffiti-Sprüche...

Gibt es intelligente Wesen auf der Erde?
JA, ABER ICH BIN NUR ZU BESUCH HIER.
... an einer Betonwand einer tristen Großstadt

Menschen, die ihr Wissen nur aus Büchern haben,
kann man getrost ins Regal stellen...
... und im Fahrstuhl einer Universität.

Theorie ist, was stimmt, aber nicht klappt...
(unbekannt)

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.
(Bastian Sick)



D´un écrivain africain anonyme:

Cher frère blanc,

Quand je suis né, j´étais noir.
Quand j´ai grandi, j´étais noir.
Quand je vais au soleil, je suis noir.
Quand j´ai froid, je reste noir.
Quand j´ai peur, je suis noir.
Quand je suis malade, je suis noir.
Quand je mourrai, je serais noir.

Tandis que toi, homme blanc...

Quand tu es né, tu étais rosé.
Quand tu as grandi, tu étais blanc.
Quand tu vas au soleil, tu es rouge.
Quand tu as froid, tu deviens bleu.
Quand tu as peur, tu es vert.
Quand tu es malade, tu es jaune.
Quand tu mourras, tu seras gris.

...et après ca, tu as le toupet de m´appeler
HOMME DE COULEUR!


Von einem anonymen afrikanischen Schreiber:

Lieber weißer Bruder,

Als ich geboren wurde, war ich schwarz.
Als ich aufgewachsen bin, war ich schwarz.
Wenn ich in die Sonne gehe, bin ich schwarz.
Wenn es mich friert, bleibe ich schwarz.
Wenn ich Angst habe, bin ich schwarz.
Wenn ich krank bin, bin ich schwarz.
Wenn ich sterben werde, werde ich schwarz sein.

Während du, weißer Mann...

Als du geboren wurdest, warst du rosa.
Als du aufgewachsen bist, warst du weiß.
Wenn du in die Sonne gehst, bist du rot.
Wenn es dich friert, wirst du blau.
Wenn du Angst hast, bist du grün.
Wenn du krank bist, bist du gelb.
Wenn du sterben wirst, wirst du grau sein.

...und nach all dem, hast du den Mut, mich FARBIGER zu nennen!



Thales von Milet wurde immer wieder von seiner Mutter und seinen Freunden zum Heiraten gedrängt. Ständig fragten sie ihn, wann er denn heirate. Er antwortete immer: "Noch ist nicht die Zeit dazu."
Als ihm die Fragerei eines Tages zu blöd wurde, versuchte er sich Abhilfe zu schaffen. Auf die Frage, wann er denn heirate, meinte er diesmal: "Nun ist die Zeit dazu vorüber."
(aus der "Philosophischen Hintertreppe")




Das Kursbuch

Ein Mensch ist der Bewundrung voll:
Nein, so ein Kursbuch - einfach toll!
Mit wieviel Hirn ist das gemacht!?
An jeden Anschluß ist gedacht!

Es ist der reinste Zauberschlüssel -
Ob München-Kassel, Bremen-Brüssel,
Ob Omnibus, ob Bahn, ob Schiff -
Man findet´s leicht - auf einen Griff!

Dabei sind auch noch Güterzüge
In das verwirrende Gefüge
Des Fahrplans ständig eingeschoben,
Die Bahn kann nicht genug man loben!

Der Mensch, in eitlem Selbstbespiegeln,
Rühmt sich, dies Buch mit sieben Siegeln
Zu lesen leicht, von vorn bis hinten,
Trotz seiner vielbesprochnen Finten.

Schon fährt der Mensch nach Osnabrück,
Und möcht am Abend noch zurück:
Und sieht, gedachten Zug betreffend,
Erst jetzt ein kleines f, ihn äffend;
Und ganz versteckt steht irgendwo:
„f) Zug fährt täglich, außer Mo.“

Der Mensch, der so die Bahn gelobt,
Sitzt jetzt im Wartesaal und tobt.
Und was er übers Kursbuch sagt,
Wird hier zu schreiben nicht gewagt.
(Eugen Roth)



Ein Großvater fährt mit seinem Enkel im Schnellzug. Das Abteil ist voll besetzt. Der Enkel, ein sehr lebhaftes Kind, hüpft unruhig hin und her und beschmutzt mit seinen Schuhen die Kleider der Fahrgäste, deren Empörung sich langsam dem Siedepunkt nähert ... Nur der Opa bewahrt die Ruhe und sagt hin und wieder: „Ruhe Michael ... !“ „Ruhe Michael ... !“ – Plötzlich platzt einem Gast der Kragenknopf und er herrscht den Opa an: „Merken Sie denn nicht, dass Ihr Michael überhaupt nicht auf Sie hört?!“ Da antwortet ruhig der Opa: „Sie missverstehen die Situation! Mein Enkel heißt nicht Michael. Ich heiße Michael!“ Opa hatte als Einziger die Zügel in der Hand behalten ... Er übte Selbstbeherrschung – RAJA-YOGA.
(Franz Krabichler)

Ein planmäßiges Leben ist – wie das Wort schon sagt – flach und mäßig.

Warum Strohköpfe nicht nachdenken? Ein Geistesblitz wäre brandgefährlich.

Die Intelligenz sitzt in den kleinen grauen Zellen – vor allem im Polizeistaat.

Was ist der Mensch? Ein heruntergekommener Baumbewohner.

Operation: einschneidendes Erlebnis.
(jeweils von Alexander Eilers)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Die Katze des Gurus

Jeden Abend, wenn der Guru sich zur Andacht niederließ, pflegte die Ashram-Katze herumzustreunen und die Beter abzulenken. Also ließ er die Katze während des Abendgottesdienstes anbinden.
Lange nach dem Tode des Gurus wurde die Katze stets während des Abendgottesdienstes angebunden. Und als die Katze schließlich starb, wurde eine andere Katze in den Ashram gebracht, so dass man sie ordnungsgemäß während des Abendgottesdienstes anbinden konnte.
Jahrhunderte später schrieben die Schüler des Gurus gelehrte Abhandlungen darüber, welche wichtige Rolle eine Katze in jedem ordentlich gestalteten Gottesdienst spielte.


Die Regentante

Es war zur festen Gewohnheit geworden, jedes Jahr ihre fromme Tante einzuladen, wenn sie ein Gartenfest veranstalteten. In diesem Jahr vergaßen sie es. Als die Einladung doch noch in letzter Minute eintraf, sagte sie: „Jetzt ist es zu spät. Ich habe schon um Regen gebetet.“



Beschränktheit mit erweitertem Horizont oder Reisen bildet

Der Prediger war in verschiedene fremde Länder unterwegs. Sagten die Schüler: „Glaubst du, dass Reisen den Geist weiter werden lässt?“
„Nein“, gab der Meister zur Antwort, „es weitet nur seine Beschränktheit auf ein größeres Gebiet aus.“


Der Zigeuner in uns

In einer kleinen Grenzstadt lebte ein alter Mann schon fünfzig Jahre im gleichen Haus.
Eines Tages zog er zum großen Erstaunen seiner Umgebung in das Nachbarhaus um. Reporter der Lokalzeitung sprachen bei ihm vor, um ihn nach dem Grund zu fragen.
„Ich glaube, das ist der Zigeuner in mir“, sagte er mit selbstzufriedenem Lächeln.“


Der tiefe Sinn des Walnussholzes

Wie Jesus vor Jahrhunderten, warnte der Meister die Leute vor der Religion, weil sie, sich selbst überlassen, blinden Gesetzesgehorsam rechtfertigt. Und so erklärte er dies: Ein Unteroffizier fragte während der Gewehrausbildung eine Gruppe Rekruten, warum für den Gewehrschaft Walnussholz verwendet wird.
„Weil es widerstandsfähiger ist“, antwortete einer.
„Falsch!“
„Weil es eine größere Elastizität hat“, sagte ein anderer.
„Auch falsch!“
„Vielleicht weil es glatter ist als andere Hölzer“, sagte ein dritter.
„Mach dich nicht lächerlich!“, sagte der Unteroffizier. „Walnussholz wird deshalb verwendet, weil es in den Vorschriften steht.“



Der Wassermelonenfall

Drei Jungen, die beschuldigt wurden, Wassermelonen gestohlen zu haben, wurden vor Gericht gebracht und schauten in schlimmer Erwartung unruhig auf den Richter, der als strenger Mann bekannt war.
Doch er war auch ein kluger Pädagoge. Er klopfte mit seinem Hammer auf den Tisch und sagte: „Jeder hier Anwesende, der als Junge nie eine Wassermelone gestohlen hat, möge bitte die Hand heben.“ Er wartete. Die Gerichtsbeamten, die Polizisten, die Zuschauer und der Richter selbst ließen ihre Hände vor sich auf den Bänken liegen.
Nachdem er sich überzeugt hatte, dass sich nicht eine einzige Hand erhoben hatte, sagte der Richter: „Fall abgewiesen.“


Vergiss und lach!

Als der Meister ein Schuljunge war, quälte ihn andauernd ein Klassenkamerad.
Älter geworden und reumütig, besuchte dieser das Kloster und wurde mit offenen Armen empfangen.
Eines Tages kam er auf das Thema seiner früheren Quälsucht zu sprechen, doch der Meister schien nichts mehr davon zu wissen.
Sagte der Besucher: „Erinnerst du dich nicht?“
Sagte der Meister: „Ich erinnere mich genau, dass ich es vergessen habe.“
Und beide schüttelten sich vor Lachen.



Absage chinesisch

Ablehnungsschreiben eines chinesischen Verlages, der dem Autor ein Manuskript zurückschickt. „Wir haben ihr Manuskript mit besonderem Genuss gelesen. Wir fürchten jedoch, sollten wir Ihre hervorragende Arbeit veröffentlichen, dass wir in Zukunft nicht mehr die Möglichkeit hätten, eine andere Arbeit, die nicht diesen von Ihnen gesetzten Standard erreicht, herausbringen zu können. Und wir können uns nicht vorstellen, wie in den nächsten hundert Jahren ein anderes Werk dem Ihren gleichkommen könnte. So sind wir zu unserem tiefsten Bedauern gezwungen, Ihr außerordentliches Essay zurückzuschicken. Zugleich bitten wir tausendmal um Entschuldigung für unsere Kurzsichtigkeit und Ängstlichkeit.“

Keine Probleme

Eine Religionsgemeinschaft pflegte ihre Veranstaltungen in einem Hotel abzuhalten, dessen Devise in großen Lettern an den Wänden der Empfangshalle stand: "Es gibt keine Probleme, nur Chancen."
Ein Mann trat an die Rezeption und sagte: "Entschuldigung, ich habe ein Problem."
Der Empfangschef erwiderte lächelnd: "Wir kennen keine Probleme, Sir, nur Chancen."
"Nennen Sie es, wie Sie wollen", sagte der Mann ungeduldig, "in dem mir zugewiesenen Zimmer ist eine Frau."




Die genaue Mischung

Wahrheit läßt sich im allgemeinen nicht in Statistiken finden

Nasrudin wurde verhaftet und unter der Beschuldigung vor Gericht gestellt, er hätte in seinem Restaurant Pferdefleisch unter die panierten Hühnerschnitzel gemengt.
Ehe der Richter sein Urteil sprach, wollte er wissen, in welchem Verhältnis er Pferde- mit Hühnerfleisch vermischt habe. Unter Eid bekannte Nasrudin: "50:50, Euer Ehren."
Nach der Verhandlung fragte ihn ein Freund, was genau 50:50 bedeute. Sagte Nasrudin: "Ein Pferd auf ein Huhn."


Genauso alt

Arzt: "Der Schmerz in Ihrem Bein ist auf Ihr hohes Alter zurückzuführen."
Patient: "Verkaufen Sie mich nicht für dumm! Das andere Bein ist genauso alt."


Zu seinem Wort stehen

Richter: "Wie alt sind Sie?"
Sträfling: "Zweiundzwanzig, Sir."
Richter: "Das erzählen Sie uns schon seit zehn Jahren."
Sträfling: "Das stimmt, Sir. Ich gehöre nicht zu denen, die heute so reden und morgen so."




Natürlich fahren Sie nach Kalkutta!

Manchmal verbirgt sich Wahrheit hinter Aufrichtigkeit...


Zwei Handelsvertreter treffen sich auf einem Bahnsteig.
"Hallo."
"Hallo."
Schweigen.
"Wohin fahren Sie?"
"Kalkutta."
Schweigen.
"Hören Sie! Wenn Sie sagen, Sie fahren nach Kalkutta, wissen Sie genau, daß ich denke, in Wirklichkeit fahren Sie nach Bombay. Aber nun weiß ich zufällig, daß Sie tatsächlich nach Kalkutta fahren. Warum sagen Sie also nicht die Wahrheit?"


In der Jauchegrube

...und manchmal wird sie durch Lügen enthüllt...

Ein Betrunkener, der nachts unterwegs war, fiel in eine Jauchegrube. Als er immer tiefer in die flüssige Masse sank, begann er "Feuer" zu schreien.
Mehrere Passanten hörten ihn und stürzten herbei, um ihm zu helfen. Als sie ihn herausgezogen hatten, fragten sie ihn, warum er "Feuer" geschrien habe, obwohl doch nichts gebrannt hatte.
Er gab ihnen die Antwort: "Wäre einer von Ihnen zu Hilfe gekommen, wenn ich ´Scheiße´ geschrien hätte?"




Glück gehabt!

Haben Sie je daran gedacht, daß Ihr Guru Ihnen vielleicht die Heilung von einer Krankheit versprechen könnte, die er selbst verursacht hat?

"Gott sei Dank hatten wir ein Maultier zum Picknick mitgenommen, denn als ein Junge sich verletzte, konnten wir ihn auf dem Maultier zurücktransportieren."
"Wie verletzte er sich?"
"Das Maultier versetzte ihm einen Tritt."


Rebhühner für einen Richter

Zwei Jäger hatten eine Klage gegeneinander auszufechten. Einer fragte seinen Rechtsanwalt, ob es nicht eine gute Idee wäre, dem Richter ein Paar Rebhühner zu schicken. Der Rechtsanwalt war entsetzt: "Dieser Richter ist stolz auf seine Unbestechlichkeit", sagte er, "eine solche Geste hätte genau die gegenteilige Wirkung der von Ihnen beabsichtigten."
Nachdem der Prozess vorüber - und gewonnen - war, lud der Mann seinen Rechtsanwalt zum Essen ein und dankte ihm für den Rat hinsichtlich der Rebhühner.
"Wissen Sie", sagte er, "ich habe sie dem Richter doch geschickt - im Namen unseres Gegners."

Moralische Empörung kann genauso blind machen wie Korruption.


Fachkundig

Irgendwann in den dreißiger Jahren exportierte eine Maschinenfabrik eine Maschine nach Japan.
Einen Monat später erhielt das Unternehmen ein Telegramm: MASCHINE FUNKTIONIERT NICHT: BITTE ZWECKS REGELUNG JEMANDEN SCHICKEN.
Die Firma schickte einen Mann nach Japan. Ehe er überhaupt Gelegenheit bekam, die Maschine zu überprüfen, erhielt das amerikanische Unternehmen ein zweites Telegramm: MANN ZU JUNG, BITTE ÄLTEREN SCHICKEN.
Die Antwort der Firma lautete: VORSCHLAGEN IHN EINZUSETZEN. ER IST ERFINDER DER MASCHINE.




Ich bekenne mich schuldig

"Angeklagter", sagte der Großinquisitor, "Ihnen wird vorgeworfen, Menschen ermutigt zu haben, Gesetze, Traditionen und Regeln unserer heiligen Religion zu brechen. Was haben Sie dazu zu sagen?"
"Ich bekenne mich schuldig, Euer Ehren."
"Sie werden beschuldigt, des öfteren in Gesellschaft von Ketzern, Prostituierten, gemeinen Sündern, wucherischen Steuereinnehmern, den kolonialen Eroberern unseres Volkes, kurz, dem Abschaum der Gesellschaft gesehen worden zu sein. Was sagen Sie dazu?"
"Ich bekenne mich schuldig, Euer Ehren."
"Man wirft Ihnen vor, öffentlich jene kritisiert und gebrandmarkt zu haben, die in der Kirche Gottes an oberste Stelle gesetzt wurden. Was sagen Sie dazu?"
"Schuldig, Euer Ehren."
"Schließlich sind Sie angeklagt, die heiligen Lehrsätze unseres Glaubens revidieren, korrigieren und in Frage stellen zu wollen. Was sagen Sie dazu?"
"Ich bekenne mich schuldig, Euer Ehren."
"Wie heißen Sie, Gefangener?"
"Jesus, Euer Ehren."



Als ein Schüler anmahnte, die geistliche Lehre des Meisters müsse auf den heutigen Stand gebracht werden, lachte der Meister laut auf. Dann erzählte er die Geschichte von einem Studenten, der sich in einer Buchhandlung beschwerte:
"Haben Sie keine neueren Bücher über Anatomie? Diese hier sind doch mindestens zehn Jahre alt."
Sagte der Buchhändler: "In den letzten zehn Jahren kamen zum menschlichen Skelett keine neuen Knochen hinzu, mein Lieber."



Ein junger Manager rief eines Tages seinen Auslandsvertreter an und sagte kurz angebunden: "Ich rufe an, weil ich Anweisungen geben will. Der Anruf wird nur drei Minuten dauern. Ich werde sprechen und bitte Sie, nicht zu unterbrechen. Irgendwelche Anmerkungen dazu oder Fragen kabeln Sie bitte später."
Dann begann er, seine Anweisungen durchzugeben. Er tat das so schnell, dass er schon vor der Zeit fertig war. "Wir haben noch zwanzig Sekunden übrig", sagte er dem Mann am anderen Ende. "Haben Sie etwas dazu zu sagen?"
"Ja", kam die Antwort, "Sie haben so schnell gesprochen, dass ich nicht ein Wort verstehen konnte."



Eine sehr religiös eingestellte alte Dame hatte an allen bestehenden Religionen etwas auszusetzen, also gründete sie eine eigene.
Eines Tages sagte ein Reporter zu ihr, der sich wirklich bemühte, ihre Ansicht zu verstehen: "Glauben Sie wirklich, wie man behauptet, daß niemand in den Himmel kommen wird außer Ihnen und Ihrem Hausmädchen?"
Die alte Dame dachte über die Frage nach und erwiderte dann: "Bei Mary bin ich nicht so sicher."




Hofetz Chaim

Im vorigen Jahrhundert besuchte ein Tourist aus den Vereinigten Staaten den berühmten polnischen Rabbi Hofetz Chaim.
Erstaunt sah er, dass der Rabbi nur in einem einfachen Zimmer voller Bücher wohnte. Das einzige Mobiliar waren ein Tisch und eine Bank.
"Rabbi, wo sind Ihre Möbel?" fragte der Tourist.
"Wo sind Ihre?" erwiderte Hofetz.
"Meine? Aber ich bin nur zu Besuch hier. Ich bin nur auf der Durchreise", sagte der Amerikaner.
"Genau wie ich", sagte der Rabbi.

Wenn ein Mensch beginnt, tiefer nach innen zu leben, lebt er einfacher nach außen. Aber leider bringt einfaches Leben nicht zwangsläufig Tiefe mit sich.


Villkommen!

Was Prediger und Priester anging, schärfte der Meister den Leuten ein, auf Kompetenz zu achten und nicht auf Ansprüche.

Zwei Touristen, erzählte er, waren im Anflug auf Honolulu und diskutierten darüber, wie "Hawaii" richtig auszusprechen sei. Der eine sagte, man müsse es mehr mit einem w aussprechen, der andere mehr mit einem v; wie Havaii.
Gleich nachdem sie gelandet waren, wandten sie sich an einen Einheimischen. "Aloha! Wie sprechen die Leute den Namen der Insel aus: Hawaii oder Havaii?"
"Havaii", sagte der Einheimische.
"Vielen Dank für Ihre Auskunft!"
"Vunderbar, villkommen auf unserer Insel, ihr beide", sagte der Einheimische.


Erfahrung

Der Präsident einer angesehenen Universität, der von des Meisters mystischer Einsicht überzeugt war, wollte ihn zum Direktor der Theologischen Fakultät machen.
Er unterbreitete diesen Vorschlag dem begabtesten Schüler. Der Schüler sagte: "Dem Meister kommt es darauf an, erleuchtet zu sein und nicht Erleuchtung zu lehren."
"Wäre er deswegen ungeeignet, Direktor der Theologischen Fakultät zu sein?"
"Im gleichen Maße wie ein Elefant ungeeignet wäre, Direktor der Zoologischen Fakultät zu sein."




Echtheit

Der Meister ließ sich nie von Diplomen und Examen beeindrucken. Er prüfte den Menschen, nicht das Zeugnis.
Man hörte ihn einmal sagen: "Wenn ihr Ohren habt, einen Vogel singen zu hören, braucht ihr seine Referenzen nicht anzusehen."


Gelassenheit

"Gibt es Wege, die eigene geistige Stärke zu messen?"
"Viele."
"Nennt uns einen."
"Findet heraus, wie oft ihr euch im Laufe eines einzigen Tages aufregt."


Unbekümmertheit

Der Meister bestand stets darauf, daß wir aus eigenem Antrieb lernen und uns weiterbilden sollten und uns nicht so sehr auf Weisungen anderer verlassen. Das habe natürlich seine Grenzen, so z. Bsp. wenn ein gescheiter junger Bursche überzeugt ist, Drogen seien ein Weg zur Mystik und man müsse eben "das Risiko eingehen, denn lernen könne man nur durch Ausprobieren".
Das veranlaßte den Meister, die alte Geschichte von Nagel und Schraube zu erzählen.
"Es gibt eine Möglichkeit, herauszufinden, ob man für ein Brett einen Nagel oder eine Schraube braucht: man schlage den Nagel ein, wenn das Brett zersplittert, weiß man, daß eine Schraube am Platz gewesen wäre."


Anspielung

Der Meister behauptete, er habe ein Buch, das alles enthielt, was man überhaupt von Gott wissen könnte.
Keiner hatte je das Buch gesehen, bis ein zu Besuch weilender Gelehrter mit seinen Bitten nicht nachließ und es dem Meister abrang. Er nahm es mit nach Hause und schlug es ungeduldig auf, um festzustellen, daß alle Seiten leer waren.
"Aber das Buch sagt ja gar nichts", jammerte der Gelehrte.
"Ich weiß", sagte der Meister befriedigt, "aber bedenkt, wieviel es andeutet!"




Frustration

Die Schüler konnten die scheinbar willkürliche Art nicht verstehen, in der einige Leute als Schüler angenommen und andere zurückgewiesen wurden.
Eines Tages bekamen sie einen Hinweis, als sie den Meister sagen hörten: "Versucht nicht, einem Schwein das Singen beizubringen. Ihr verschwendet eure Zeit, und das Schwein ärgert sich."


Untauglichkeit

Der Meister pflegte zu behaupten, Wort und Begriff ´Gott´ seien letzten Endes das Hindernis, daß wir Gott nicht erreichten.
Der örtliche Priester wurde darüber so wütend, daß er beleidigt zum Meister kam, um die Angelegenheit auszudiskutieren.
"Aber das Wort ´Gott´ kann uns doch wohl zu Gott hinführen?" sagte der Priester.
"Das kann es", sagte der Meister ruhig.
"Wie kann etwas helfen und doch Hindernis sein?"
Sagte der Meister: "Der Esel, der dich bis zur Tür bringt, taugt nicht, dich in das Innere des Hauses zu transportieren."


Manipulation

Der Meister hörte geduldig die Klagen einer Frau über ihren Mann an.
Schließlich sagte er: "Eure Ehe wäre glücklicher, meine Liebe, wenn du eine bessere Ehefrau wärest."
"Und wie könnte ich das sein?"
"Indem du dich nicht länger anstrengst, ihn zu einem besseren Ehemann zu machen."


Verstehen

"Jedes Wort, jedes Bild, das man für Gott gebraucht, dient eher der Verzerrung als einer Beschreibung."
"Wie spricht man also von Gott?"
"Durch Schweigen."
"Warum sprecht ihr dann in Worten?"
Darüber lachte der Meister lauthals. Er sagte: "Wenn ich spreche, mein Lieber, darfst du nicht auf die Worte hören. Höre auf das Schweigen."




Ernsthaft erkrankt

Der Meister legte seinen Schülern dar, daß Erleuchtung dann eintritt, wenn sie das nicht-deutende Sehen erlangt hätten.
Die Schüler wollten nun wissen, was deutendes Sehen sei. Der Meister erklärte es ihnen so:

Ein paar katholische Straßenarbeiter waren an einer Baustelle nicht weit weg von einem Bordell beschäftigt, als sie einen Rabbi in dem nicht gerade angesehenen Haus verschwinden sahen.
"Na ja, was kann man schon erwarten?" tuschelten sie einander zu.
Nach einer Weile schlüpfte ein Pastor durch die Tür. Nicht Überraschendes. "Was kann man schon erwarten?"
Daraufhin kam der katholische Pfarrer, der sein Gesicht mit dem Mantel bedeckte, bevor er in dem Haus verschwand. "Ist das nicht schrecklich? Eines dieser Mädchen muß ernsthaft erkrankt sein."


Mißverstanden

"Wenn du über die Wirklichkeit sprichst", sagte der Meister, "bist du versucht, das Nichtsagbare in Worte zu fassen, die mit Sicherheit mißverstanden werden. Daher werden Leute, die diesen Ausdruck der Wirklichkeit, welche ´die Schriften´ genannt werden, lesen, töricht und grausam, wenn sie nicht mehr ihrem gesunden Menschenverstand folgen, sondern sich an das halten, was ihnen ihre Schriften vermeintlich sagen." Der Meister hatte ein perfektes Beispiel bei der Hand, mit dem er dies verdeutlichen konnte.
"Ein Dorfschmied fand einen Lehrling, der bereit war, hart zu arbeiten bei geringer Bezahlung. Ohne lange Umschweife ging der Schmied mit dem jungen Burschen an die Arbeit und erklärte ihm: ´Wenn ich das Eisen aus dem Feuer nehme, werde ich es auf den Amboß legen, und sobald ich mit dem Kopf nicke, schlägst du mit dem Hammer drauf.´ Der Lehrling tat genau, was er meinte, daß ihm gesagt worden sei. Und am nächsten Tag war er der Dorfschmied."


Man kann es nie wissen

Der Meister und ein Schüler begegneten unterwegs einem Blinden, der am Straßenrand saß und bettelte. Sagte der Meister: "Gib dem Mann ein Almosen!"
Der Schüler warf eine Münze in den Hut des Bettlers.
Sagte der Meister: "Du hättest deinen Hut ziehen sollen als Zeichen des Respekts."
"Warum?" wollte der Schüler wissen.
"Man sollte es immer tun, wenn man ein Almosen gibt."
"Aber der Mann war doch blind!"
"Man kann es nie wissen", erwiderte der Meister, "vielleicht war er ein Schwindler."


Das Gesetz

"Das Gesetz ist ein Ausdruck von Gottes heiligem Willen und muß als solches in Ehren gehalten werden", führte der Prediger gottesfürchtig aus.
"Blödsinn", sagte der Meister. "Das Gesetz ist ein notwendiges Übel und muß als solches auf das Mindestmaß beschränkt werden. Zeige mir einen Gesetzesliebhaber, dann zeige ich dir einen schafsköpfigen Tyrannen."
Er erzählte einmal von seiner Schwester, die das Schieben des Kinderwagens, in dem ihre kleine Tochter lag, ermüdend fand und deshalb einen Motor daran anbringen ließ. Daraufhin schritt die Polizei ein. Als erstes wurde eingewendet, daß der motorgetriebene Kinderwagen drei Meilen in der Stunde zurücklegen könnte und deshalb als "Kraftfahrzeug" einzustufen sei, weshalb die Mutter für Nummernschilder, Beleuchtung und Bremsen sorgen müßte und, als Krönung des Ganzen, einen Führerschein bräuchte.




Programmiert

Der Meister hielt den Menschen immer wieder ihre roboterhafte Lebensweise vor Augen: "Wie kannst du dich Mensch nennen, wenn jedes Denken, jedes Fühlen und Handeln mechanisch vor sich geht und nicht aus dir selbst kommt, sondern deiner Beeinflussung oder deinem Programmiert-Sein entspringt?"
"Kann etwas dieses Programmiert-Sein durchbrechen und uns davon loslösen?" fragte ein Schüler.
"Ja, Bewußtheit."
Und nach kurzem Nachdenken fügte er hinzu: "Und eine Katastrophe."
"Eine Katastrophe?"
"Ja. Ein sehr englischer Engländer erzählte mir einmal, daß er nach einem Schiffsbruch mitten im Ozean mit einem anderen Engländer eine ganze Stunde lang im Meer geschwommen war, bis es ihm endlich gelang, sich von seinem Programmiert-Sein zu befreien und zu sprechen, ohne vorgestellt zu sein!"
"Was sagte er?"
"Er sagte: ´Entschuldigen Sie, daß ich Sie so anspreche, ohne vorgestellt worden zu sein, aber ist das die Richtung nach Southhampton?´"


Kein Zeichen

Um die Tatsache anschaulich zu machen, daß es einfach keine befriedigende Symbole für Gott gibt, erzählte der Meister, wie seine Frau ihn einmal im Auto durch eine sehr belebte Straße der Stadt fuhr.
Dabei stieß sie mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Der Fahrer drehte das Fenster herunter und brüllte: "Konnten Sie kein Zeichen geben für das, was Sie vorhatten?"
Darauf erwiderte die Frau trotzig: "Es gibt kein Zeichen für das, was ich vorhatte."



Echte Würde wird nicht durch Mißachtung gemindert.
Die Majestät der Niagara-Fälle wird nicht geringer, wenn man hineinspuckt.


Vermutungen

Einige Jäger charterten ein Flugzeug, das sie in ein Waldgebiet bringen sollte. Nach zwei Wochen kam der Pilot, um sie wieder abzuholen. Er warf einen Blick auf die erlegten Tiere und sagte: "Diese Maschine kann nicht mehr als einen Büffel transportieren. Die anderen müssen Sie zurücklassen."
"Aber im letzten Jahr erlaubte uns der Pilot, zwei Tiere in einer Maschine von dieser Größe mitzunehmen", protestierten die Jäger.
Der Pilot war skeptisch, sagte aber schließlich: "Wenn Sie es voriges Jahr so gemacht haben, können wir es vermutlich wieder tun."
Also hob die Maschine ab mit den drei Männern und zwei Büffeln an Bord. Doch sie konnte keine Höhe gewinnen und prallte gegen einen naheliegenden Berg. Die Männer kletterten heraus und blickten sich um. Ein Jäger sagte zu dem anderen: "Wo glaubst du, sind wir?" Der andere sah prüfend in die Runde und erwiderte: "Ich glaube, wir befinden uns ungefähr zwei Meilen südlich von der Stelle, an der wir im letzten Jahr abgestürzt sind."




Der Hippie mit einem Schuh

Ein Mann stieg in einen Bus und kam neben einem jungen Mann zu sitzen, der offensichtlich ein Hippie war. Er hatte nur einen Schuh an.
"Du hast wohl einen Schuh verloren, mein Junge."
"Nein, guter Mann", lautete die Antwort, "ich habe einen gefunden."

Wenn mir etwas klar ist, braucht es nicht unbedingt wahr zu sein.


Großmutters Schweigen

Großvater und Großmutter hatten sich gezankt, und Großmutter war so wütend, daß sie nicht mehr mit ihrem Mann sprach.
Am nächsten Tag hatte Großvater den ganzen Streit vergessen, aber Großmutter übersah ihn geflissentlich und machte den Mund nicht auf. Großvater konnte tun, was er wollte, nichts vermochte sie aus ihrem mißmutigen Schweigen zu reißen.
Schließlich begann er, in Schränken und Schubladen herumzuwühlen. Nach einigen Minuten konnte Großmutter es nicht mehr aushalten. "Was um Himmels willen suchst du denn?" fragte sie ärgerlich.
"Gelobt sei Gott, ich habe es gefunden", sagte der Großvater mit verschmitztem Lächeln: "Deine Stimme."


Dankend abgelehnt

Ein einflußreicher britischer Politiker drängte Disraeli immer wieder, ihm die Baronswürde zu verleihen. Der Premierminister sah keine Möglichkeit, den Wunsch des Mannes zu erfüllen, aber es gelang ihm, ihn abzuweisen, ohne seine Gefühle zu verletzen. Er sagte: "Es tut mir leid, Ihnen die Baronswürde nicht verleihen zu können, aber ich kann Ihnen etwas besseres geben: Sie können Ihren Freunden berichten, ich hätte Ihnen diese Würde angeboten, aber Sie haben sie abgelehnt."


Starke Worte

Ein Mann war zum Fischfang in den nördlichen Bergen unterwegs. Eines Tages begann ihm sein Bergführer Anekdoten vom Bischof zu erzählen, den er im letzten Sommer geführt hatte.
"Doch", sagte der Führer, "er ist ein guter Mann, wenn man von seiner Redeweise absieht."
"Wollen Sie damit sagen, daß der Bischof fluchte?" fragte der Mann.
"Aber natürlich, Sir", antwortete der Führer. "Einmal fing er einen prächtigen Lachs. Gerade als er ihn an Land ziehen wollte, riß er sich vom Haken los. Ich sagte zu dem Bischof: ´Verdammtes Pech ist das!´ Der Bischof sieht mich darauf an und sagt: ´Ja, das ist es wirklich.´ Aber das war auch das einzige Mal, daß er solch starke Worte brauchte."




Mutter oder Freundin

Eine Frau fühlte sich tief verletzt durch das Benehmen ihres fünfzehn Jahre alten Sohnes. Immer wenn sie zusammen ausgingen, lief er vor ihr her. Schämte er sich ihrer? Eines Tages fragte sie ihn.
"Aber nein, Mama, bestimmt nicht", lautete seine verlegene Antwort. "Du siehst jedoch so jung aus, daß ich fürchte, meine Freunde könnten denken, ich hätte eine neue Freundin."
Ihr Kummer war verflogen wie durch Zauberhand.


Sokrates auf dem Marktplatz

Als echter Philosoph, der er war, glaubte Sokrates, ein weiser Mensch würde instinktiv ein einfaches Leben führen. Er selbst pflegte noch nicht einmal Schuhe zu tragen. Und doch fühlte er sich immer wieder vom Marktplatz angezogen und besuchte ihn oft, um die dort angebotenen Waren zu betrachten.
Als einer seiner Freunde ihn fragte, warum er das täte, sagte Sokrates: "Ich gehe gerne hin, um festzustellen, wie viele Dinge es gibt, ohne die ich phantastisch auskomme."

Spiritualität bedeutet nicht, zu wissen, was man braucht, sondern einzusehen, was man nicht braucht.


Frauen - kein Thema

Ein Reporter sollte vom Mann auf der Straße erkunden, was er von der modernen Frau hält. Die erste Person, die er traf, war ein Mann, der gerade seinen 103. Geburtstag gefeiert hatte.
"Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen", sagte der alte Mann bedauernd. "Vor ungefähr zwei Jahren habe ich aufgegeben, über Frauen nachzudenken."


Woher kommt Arthritis?

Das Gespräch ist der Lebensnerv einer Beziehung, aber der Hindernisse gibt es viele, und nur wenige können sie überwinden.
Viel wäre schon gewonnen, wenn wir weniger redeten und mehr zuhörten...


Der ortsbekannte Trinker schwankte mit einer Zeitung in der Hand auf den Pfarrer zu und grüßte ihn höflich. Der Pfarrer, ärgerlich, weil der Mann leicht betrunken war, übersah den Gruß.
Der verfolgte jedoch etwas Bestimmtes. "Entschuldigen Sie, Father", sagte er, "könnten Sie mir sagen, wodurch Arthritis hervorgerufen wird?" Der Pfarrer wußte das auch nicht.
Aber als der Mann die Frage wiederholte, wandte sich der Pfarrer ihm ungeduldig zu und sagte: "Trinken verursacht Arthritis, genau das! Glücksspiel verursacht Arthritis! Leichten Frauen hinterherlaufen verursacht Arthritis..." Und erst jetzt, zu spät, fügte er hinzu: "Warum haben Sie gefragt?"
"Weil in der Zeitung steht, daß der Papst Arthritis hat!"

... und nicht die Antwort schon parat haben, noch ehe wir die Frage kennen...




Regen bestellt

...oder annehmen, wir wüßten, worüber der andere spricht

Ein Ladenbesitzer hörte einen seiner Verkäufer zu einer Kundin sagen: "Nein, Madam, seit einigen Wochen haben wir schon keinen mehr gehabt, und es sieht auch nicht danach aus, als wenn wir ihn bald bekämen."
Entsetzt über diese Worte stürzte er zu der hinausgehenden Kundin und sagte: "Das stimmt nicht, Madam. Bestimmt werden wir ihn bald bekommen. Tatsächlich haben wir ihn schon vor einigen Wochen bestellt."
Dann nahm er den Verkäufer beiseite und knurrte: "Nie, nie, niemals dürfen Sie sagen, daß wir etwas nicht haben. Wenn wir es nicht haben, sagen Sie, wir hätten es bestellt und es sei unterwegs. Was wollte Sie eigentlich?"
"Regen", sagte der Verkäufer.

...oder den Worten des anderen unsere Bedeutung unterlegen


Zuhören können

Frau zum Ehemann, der in die Zeitung vertieft ist: "Du brauchst nicht immer weiter ´Hm, hm´ zu sagen. Ich habe schon vor zehn Minuten aufgehört zu sprechen."


Der Zug hält sonnabends nicht

Ein Pendler sprang in New York auf einen Zug und sagte dem Schaffner, er fahre nach Fordham. "Sonnabends halten wir nicht in Fordham", sagte der Schaffner, "aber hören Sie zu. Wenn wir in Fordham die Fahrt verlangsamen, werde ich Ihnen die Tür öffnen, und Sie können hinausspringen. Aber achten Sie darauf, zunächst ein Stück in Fahrtrichtung mitzulaufen, oder Sie fallen platt aufs Gesicht."
In Fordham ging die Tür auf, und der Pendler, der abspring, lief vorwärts. Ein anderer Schaffner weiter hinten im Zug, der ihn erblickte, machte die Tür auf und zog ihn in den Zug, als dieser wieder schneller fuhr. "Da haben Sie aber Glück gehabt, Kumpel", sagte der Schaffner. "Dieser Zug hält sonnabends nämlich nicht in Fordham."

In den eigenen bescheidenen Grenzen kann man Menschen am besten helfen, wenn man ihnen aus dem Weg geht.
Dinge zu erledigen ist eine Kunst. Aber sie unerledigt liegen zu lassen ist auch eine Kunst.



Zu den "Fünf Glocken"

Es war einmal ein Gasthaus, das hieß "SILBERSTERN". Der Gastwirt kam auf keinen grünen Zweig, obgleich er alles tat, Gäste zu gewinnen: Er richtete das Haus gemütlich ein, sorgte für eine freundliche Bedienung und hielt die Preise in vernünftigen Grenzen. In seiner Verzweiflung fragte er einen Weisen um Rat.
Als er die jammervolle Geschichte des anderen gehört hatte, sagte der Weise: "Es ist sehr einfach. Du mußt den Namen deines Gasthauses ändern.
"Unmöglich!" sagte der Gastwirt. "Seit Generationen heißt es 'SILBERSTERN' und ist unter diesem Namen im ganzen Land bekannt.
"Nein", sagte der Weise bestimmt, "Du mußt es nun 'DIE FÜNF GLOCKEN' nennen und über dem Eingang sechs Glocken aufhängen."
"Sechs Glocken?" Das ist doch absurd. Was soll das bewirken?"
"Versuch es einmal, und sieh selbst", sagte der Weise lächelnd.
Also machte der Gastwirt einen Versuch, und folgendes geschah: Jeder Reisende, der an dem Gasthaus vorbeikam, ging hinein, um auf den Fehler aufmerksam zu machen, jeder in dem Glauben, außer ihm habe ihn noch keiner bemerkt. Und wenn sie erst einmal in der Gaststube waren, waren sie beeindruckt von der freundlichen Bedienung und blieben da, um eine Erfrischung zu bestellen. Und das war die Chance, auf die der Wirt so lange gewartet hatte.

Nichts entzückt das eigene Ich mehr, als die Fehler anderer korrigieren zu können.



Ich kenne eine Geschichte von einem kleinen Jungen, der Johnny hieß und wie man sagte, geistig zurückgeblieben war. Aber offensichtlich war er es doch nicht, wie folgende Geschichte zeigt.
Johnny ging in eine Modelliergruppe einer Sonderschule. Dort bekam er ein Stück Knetmasse und fing an, es zu formen. Er nahm ein Stückchen, ging in eine Ecke des Zimmers und spielte dort damit. Die Lehrerin ging zu ihm und sagte: „Hallo Johnny.“
„Hallo.“
„Was hast du denn in deiner Hand?“
Darauf sagte Johnny: „Das ist ein Stück Kuhfladen.“
Die Lehrerin fragte weiter: „Was willst du denn damit machen?“
„Ich mache eine Lehrerin.“
Die Lehrerin dachte sich: „Mit dem kleinen Johnny ist es wieder schlimmer geworden.“ Sie rief den Rektor, der gerade an der Tür vorbeiging, und sagte: „Mit Johnny ist es schlimmer geworden.“
So ging der Schulleiter zu Johnny und sagte: „Hallo, mein Junge.“
„Hallo!“
„Was hast du denn in deiner Hand?“
„Ein Stück Kuhfladen.“
„Was willst du denn damit machen?“
„Einen Rektor“, war die Antwort.“
Der Rektor war überzeugt, dass es sich hier um einen Fall für den Schulpsychologen handelte und sagte zur Lehrerin: „Lassen Sie den Psychologen kommen!“
Der Psychologe war ein schlauer Bursche. Er ging zu dem Jungen und sagte: „Ich weiß, was du in deiner Hand hast.“
„Was denn?“
„Ein Stück Kuhfladen.“
„Richtig.“
„Und ich weiß auch, was du daraus machst.“
„Was denn?“
„Einen Psychologen.“
„Falsch! Dafür reicht er nicht!“

Und diesen Jungen hielt man für geistig zurückgeblieben!



Kennen Sie die Geschichte vom Rechtsanwalt, dem der Klempner eine Rechnung ausgestellt hat? Er sagte zum Klempner: „Also hören Sie mal, Sie verlangen 200,- Mark für die Stunde. Soviel verdiene ich ja als Rechtsanwalt nicht.“
Darauf antwortete der Klempner: „Als ich noch Rechtsanwalt war, habe ich das auch nicht verdient!“



Kompetente Auskunft

Mein Tempelpriester sagt mir, daß der Tempel für mich der einzige Ort ist, um zu Gott zu beten. Was sagst du dazu?
„Dein Tempelpriester ist nicht die richtige Person, die du hier um Rat fragen solltest“, erwiderte der Meister.
„Aber er ist doch Experte, oder nicht?“

Darauf erzählte der Meister von einem Erlebnis, das er auf einer Reise im Ausland hatte: Als er in seinen zwei von zu Hause mitgebrachten Reiseführern blätterte, musterte sie sein Fremdenführer mit finsterer Miene und deutete dann auf das eine Buch: „Das da sehr schlechter Reiseführer, anderes Buch besser.“
„Warum? Enthält dieses mehr Informationen?“
Der Fremdenführer schüttelte den Kopf: „Dieses Buch sagt, Fremdenführer fünf Dollar geben, anderes sagt fünfzig Cent.“


Was tun?

„Gibt es wirklich nichts, womit Erleuchtung zu erlangen ist?“
„Schon“, sagte der Meister scherzhaft, „du kannst es wie die alte Frau machen, die sich gegen die Waggonwand stemmte, um die Geschwindigkeit des Zuges zu beschleunigen.“



Wir haben alle unsere Standpunkte, oder? Von diesen Standpunkten aus hören wir den anderen zu: "Hast du dich aber verändert, Henry! Du warst doch immer so groß, und jetzt kommst du mir so klein vor. Du warst doch immer so stattlich, und jetzt erscheinst du mir so schmal. Du warst doch immer so blaß, und jetzt bist du so braun. Was ist mit dir los, Henry?" Und Henry sagt: "Ich heiße gar nicht Henry, ich heiße John." - "Ach, deinen Namen hast du auch geändert!" - Wie will man solch einen Menschen zum Zuhören bekommen?


Noch mehr Worte

Von Mark Twain stammt der schöne Satz: "Es war sehr kalt, und wäre das Thermometer noch ein paar Zentimeter länger gewesen, wären wir erfroren."

Wir erfrieren an Wörtern. Nicht die Kälte draußen spielt eine Rolle, sondern das Thermometer. Nicht die Realität fällt ins Gewicht, sondern was man sich selbst über sie sagt.



Die Religion der alten Dame

Eine sehr religiös eingestellte alte Dame hatte an allen bestehenden Religionen etwas auszusetzen, also gründete sie eine eigene.
Eines Tages sagte ein Reporter zu ihr, der sich wirklich bemühte, ihre Ansicht zu verstehen: "Glauben Sie wirklich, wie man behauptet, daß niemand in den Himmel kommen wird außer Ihnen und Ihrem Hausmädchen?"
Die alte Dame dachte über die Frage nach und erwiderte dann: "Bei Mary bin ich nicht so sicher."


Auf der falschen Seite

Onkel Joe war übers Wochenende zu Besuch gekommen. Klein Jimmy war überglücklich, daß sein großer Held sein Zimmer und sein Bett teilen würde.
Kaum war das Licht gelöscht, fiel Jimmy etwas ein. "O je", rief er, "beinahe hätte ich was vergessen."
Er sprang aus dem Bett und kniete sich daneben hin. Da er dem Bürschlein kein schlechtes Beispiel geben wollte, hievte sich Onkel Joe aus dem Bett und kniete auf der anderen Seite nieder.
"Du", flüsterte Jimmy erschrocken: "Wenn Mama das morgen sieht, bist du dran! Der Nachttopf ist auf dieser Seite."



Von einem Heiligen wurde erzählt, daß er jedesmal, wenn er fortging, um seinen religiösen Pflichten nachzukommen, zu sagen pflegte : „Und nun, Herr, auf Wiedersehen ! Ich gehe in die Kirche.“



Heimkehr

„Es gibt drei Stufen in der geistigen Entwicklung eines Menschen“, sagte der Meister. „Die sinnliche, die geistige und die göttliche.“
„Was versteht man unter sinnlicher Stufe?“ fragten die interessierten Schüler.
„Das ist die Stufe, auf der Bäume als Bäume und Berge als Berge angeschaut werden.“
„Und die geistige?“
„Auf ihr sieht man tiefer in die Dinge hinein; dann sind Bäume nicht mehr Bäume und Berge nicht länger Berge.“
„Und die göttliche?“
„Nun, das ist die Erleuchtung“, sagte der Meister mit einem leisen Lächeln, „wenn Bäume wieder zu Bäumen und Berge wieder zu Bergen werden“.



Ein alter Mann konnte stundenlang still in der Kirche sitzen. Eines Tages fragte ihn ein Priester, worüber Gott mit ihm spräche.
„Gott spricht nicht. Er hört nur zu“, war die Antwort.
„Was redest du dann mit ihm?“
„Ich spreche auch nicht. Ich höre nur zu.“



Vom Leben:


Um ein Kind vernünftig großzuziehen, braucht man ein ganzes Dorf.
(Afrikanische Weisheit)

In jedem Augenblick hast Du eine Verabredung mit dem Leben.
Jeden Augenblick, den Du versäumst,
versäumst Du das Leben.
(Thich Nath Hanh)

Etwas Besonderes sein, das will jeder; das ist etwas sehr Gewöhnliches.
Etwas Gewöhnliches sein, das will fast keiner;
das ist in der Tat etwas Besonderes.
(Osho)



Jedes Leben ist des Lebens wert,
jede Seele ihres Seins;
jeder Mensch, geliebt zu werden.
(Andreas Born)

Ich wünsche keinem Menschen etwas Böses.
Ich kann das nicht, ich weiß nicht, wie man das macht...
(Janusz Korczak)

Ohne eine heitere und vollwertige Kindheit
verdirbt das ganze spätere Leben.
(Janusz Korczak)


Das Recht des Kindes auf seinen Tod

Aus Furcht, der Tod könnte uns das Kind entreißen,
entziehen wir es dem Leben.
Um seinen Tod zu verhindern,
lassen wir es nicht richtig leben.


Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag

Wir sollten auch die gegenwärtige Stunde achten, den heutigen Tag.
Wie soll es morgen leben können, wenn wir es heute nicht bewusst, verantwortungsvoll leben lassen?




Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist

Kinder werden nicht erst zu Menschen, sie sind es schon.
Ja! Sie sind Menschen, keine Puppen.
Man kann ihren Verstand ansprechen - sie antworten uns;
sprechen wir zu ihren Herzen - fühlen sie uns.
(Janusz Korczak)

Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird;
es kommt darauf an, wie man alt wird.
(unbekannt)

Mit dem Leben ist es wie mit einem Märchen:
nicht die Länge zählt, sondern die Qualität.
(Anthony de Mello)



Was zählt, ist nicht der Ordnungssinn, sondern das Fühlen;
die Gewissheit des Herzens.
(Josef Zeidler)

Werden kennt kein Ende,
der Strom fließt weiter.
Jeder Augenblick ist neu,
der Schmerz des Wachsens -
der Mühe wert!
(aus dem Buddhismus)

Mit den Idealen ist es wie mit den Sternen:
man kann sie nicht erreichen,
aber man kann sich an ihnen orientieren!
(unbekannt)

Ein großer Mensch ist der,
der sein Kinderherz nicht verloren hat.
(Mengtse)

Die Grundlage der Erziehung ist das leidenschaftliche Verhältnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen, und zwar um seiner selbst willen, dass er zu seinem Leben und seiner Form komme.
(Herman Nohl)

Leben ist das, was passiert,
während Du eifrig dabei bist,
andere Pläne zu machen.
(John Lennon)

Lieber blind auf beiden Augen,
als blind im Herzen.
(Rainer Bacher)



Wenn man nicht weiß, wohin man will,
kommt man am weitesten.
(William Shakespeare)

Medizin ist die Kunst, den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft.
(Voltaire)

Jede Stufe unseres Lebens hat ihre eigene Schönheit.
(unbekannt)

Das Leben des Menschen ist für das Universum nicht wichtiger
als das einer Auster.
(David Hume)



Träume nicht dein Leben,
lebe deinen Traum.
(unbekannt)

When we find a reason to live,
the way to do it will follow.
(Mahatma Gandhi)

We live life forward,
but we must understand it backwards.
(Sören Kierkegaard)

Handle stets nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz würde.
Handle also immer so, dass du dir gleichzeitig wünschen kannst, die Regel, nach der du handelst, würde allgemein gültig.
(Immanuel Kant)



Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat,
als die Realität zerstören kann.
(unbekannt)

Wer keinen Mut zum Träumen hat,
hat keine Kraft zum Kämpfen.
(unbekannt)

Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt.
Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht.
(Laurence J. Peter)

Die Seele geht zu Fuß.
(aus Persien)



Die Arbeit läuft Dir nicht davon,
wenn Du Deinem Kind den Regenbogen zeigen willst.
Aber der Regenbogen wartet nicht,
bis Du mit der Arbeit fertig bist.
(aus China)

Wie wenig Lärm machen die wirklichen Wunder.
(Antoine de St.-Exupéry)



Schade keinem und verletze niemanden;
sondern hilf allen, so gut Du kannst!
(Arthur Schopenhauer)

Genieße alles, was Du tust, Du könntest es zum letzten Mal tun.
(Eines Tages wirst Du recht haben!)
(unbekannt)



Worüber man nicht sprechen mag,
darüber kann man schweigen.
(Alexander Hölle, frei nach Ludwig Wittgenstein)

Derjenige, der ein Warum zum Leben hat,
kann fast jedes Wie ertragen.
(Friedrich Nietzsche)

In Dir muss brennen,
was Du in anderen entzünden möchtest.
(Augustinus)

An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch,
dass man besser wird als sie.
(Diogenes)

Ich sitze in freier Natur, am See.
Die Weißen möchten, dass ich wie sie arbeite, wie sie Geld verdiene, wie sie ein Auto kaufe und wie sie in freier Natur, an einem See, Urlaub mache und angle.
Ich sitze schon in freier Natur, am See....
(Kanadischer Indianer)



Sieh nicht, was andere tun,
der anderen sind so viel,
du kommst nur in ein Spiel,
das nimmermehr wird ruhn.
Geh´ einfach Gottes Pfad,
lass´ nichts sonst Führer sein,
so gehst Du recht und grad,
und gingst Du ganz allein.
(Christian Morgenstern)

Könnte ich mein Leben noch einmal von vorn beginnen, würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde alberner sein, würde ganz locker werden, nur noch ganz wenige Dinge ernst nehmen. Ich würde entschieden verrückter sein und weniger reinlich. Ich würde mehr Gelegenheiten beim Schopfe ergreifen und öfters auf Reisen gehen. Ich würde mehr Berge ersteigen, mehr Flüsse durchschwimmen und mehr Sonnenaufgänge auf mich wirken lassen. Ich würde mehr Schuhsohlen durchlaufen, mehr Eis und weniger Bohnen essen. Ich würde mehr echte Probleme und weniger eingebildete Nöte haben. Wie Sie bemerkt haben, bin ich eine von denen, die vorsorglich, vernünftig und gesund leben, Stunde für Stunde, Tag für Tag.

Nun, ich habe meine verrückten Augenblicke, aber wenn ich noch einmal von vorn anfangen könnte, würde ich mehr verrückte Augenblicke haben - genau gesagt: Augenblicke, einen nach dem andern, und nichts mehr von Plänen zehn Jahre voraus. Wissen Sie, ich bin eine von denen, die für alle Fälle Thermometer, Wärmflasche, Gurgelwasser, Regenmantel und Fallschirm bei sich haben. Hätte ich ein zweites Leben, ich würde sie zu Hause lassen.

Könnte ich mein Leben noch einmal von vorn beginnen, ich würde in aller Herrgottsfrühe barfuß in den Frühlingsmorgen laufen und als letzte sagen: Jetzt ist der Herbst dahin. Ich würde mehr Hockey spielen und vom Karussell würden sie mich nicht mehr herunterbringen.
(G. Wilkinson)




Vertrauen ist eine Oase des Herzens,
die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.
(Kahlil Gibran)

Kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Nacht am dunkelsten.
(Selma Lagerlöf)

Manchmal wird das Leben gerade dort besonders tief und wesentlich,
wo wir durch Krisen gehen.
(Hans-Martin Köbler)

Die Ruder ablegen und alle Pläne über Bord werfen.
Sich treiben lassen auf dem See der Ruhe in diesen stürmischen Zeiten.
(unbekannt)



Man kann einen seligen, seligsten Tag haben,
ohne etwas anderes dazu zu gebrauchen,
als blauer Himmel und grüne Erde.
(Jean Paul)

Wenn Du einen Schritt machst...............Und ich einen Schritt mache
könnten wir uns schon die Hände reichen.
(B. Maluche)

Lass Dich nicht anstecken. Gib keines anderen Meinung,
ehe du sie dir anpassend gefunden, für deine aus; meine lieber selbst.
(Lichtenberg)

Kluge Leute glauben zu machen, man sei, was man nicht ist,
ist in den meisten Fällen schwerer als wirklich zu werden, was man scheinen will.
(Lichtenberg)

Manchmal muss ich die Augen schließen,
um klarer sehen zu können.
(unbekannt)



Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann.
(unbekannt)

Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, wie man Kinder erzieht, sie machen dir sowieso alles nach.
Denke lieber darüber nach, welches Leben du für sie leben solltest.
(unbekannt)

Übervorsichtige und überängstliche Zeitgenossen kennen die Bandbreite des Lebens von A bis C.
(Ernst Ferstl)

Menschen, die nicht an sich selbst glauben, können anderen keinen Halt geben.
(Ernst Ferstl)

Begegnest du der Einsamkeit - hab´ keine Angst!
Sie ist eine kostbare Hilfe mit sich selbst Freundschaft zu schließen.
(Tibetanisches Sprichwort)

Was meine Schritte im praktischen Leben oft hemmt oder verlangsamt, was wie Zögern oder Unentschlossenheit aussieht, ist vielleicht bei mir Schwäche, ist aber das Gegenteil von Leichtsinn, beruht auf einem sehr gesteigerten Gefühl der Verantwortlichkeit des Menschen für jeden seiner Schritte.
(Hermann Hesse)




Vergiß es nie: Daß du lebst, war keine eigene Idee,
und daß du atmest, kein Entschluß von dir.
Vergiß es nie: Daß du lebst, war eines anderen Idee,
und daß du atmest, sein Geschenk an dich.

Vergiß es nie: Niemand denkt und fühlt und handelt so wie du,
und niemand lächelt so, wie du´s grad tust.
Vergiß es nie: Niemand sieht den Himmel ganz genau wie du,
und niemand hat je, was du weißt, gewußt.

Vergiß es nie: Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt,
und solche Augen hast alleine du.
Vergiß es nie: Du bist reich, ob mit, ob ohne Geld,
denn du kannst leben! Niemand lebt wie du.

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur,
ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder in Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.
Du bist du.
(Jürgen Werth)



Einen Regenbogen, der eine Viertelstunde steht, sieht man nicht mehr an.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie anderswo zu suchen.
(Rochefoucauld)




Einer der Bausteine zur Zufriedenheit:
so flexibel zu sein, dass man seine Pläne stets der Realität anpasst
und nicht umgekehrt: die Realität seinen Plänen anpasst.
(Alexander Hölle)

Mit Problemen ist es wie mit den Bergen:
Man kann sie nicht zur Seite schieben,
man muß sie überwinden.
(unbekannt)

An dem Tag, an dem du zu reisen aufhörst, wirst du angekommen sein.
(Japanisches Sprichwort)



Ihr bietet mir ein schöneres Haus, einen schöneren Garten, eine reinere Luft ...
Aber was für einen Menschen, der darin leben soll?
(Antoine de Saint-Exupéry)

Der Mensch ist um so größer, je mehr er er selbst ist.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Ich sage dir, es gibt keine göttliche Gnade, die es dir ersparte, zu werden. Du möchtest sein. Du wirst erst in Gott zum Sein gelangen. Er wird dich in seine Scheuer einbringen, wenn du langsam geworden bist, wenn du aus deinen Taten geformt wurdest, denn der Mensch, siehst du, bedarf einer langen Zeit für seine Geburt.
(Antoine de Saint-Exupéry)


Feuer – Wasser – Luft – Erde

Die vier Temperamente: „Feuer“ (cholerisch), „Wasser“ (phlegmatisch), „Luft“ (sanguinisch), „Erde“ (melancholisch) sind die vier Spannungszustände, die in allem, was lebt, auftreten. Es sind die „vier Temperamente“, die am Beispiel von vier Wanderern erläutert seien, die plötzlich vor sich auf dem Weg einen Stein (Stein des Anstoßes) sehen:

„Leicht springt über den Stein der S a n g u i n i k e r, keck und mit Anmut. Stolpert trotzdem er darob, macht er sich wenig daraus.

Grimmig stößt ihn beiseit´ des C h o l e r i k e r s kräftiger Fußtritt und sein funkelndes Auge freut sich des guten Erfolges.

Kommt der P h l e g m a t i k e r an, so hemmt er gemächlich den Schritt: Will er mir nicht aus dem Weg, geh ich eben herum.

Aber grübelnd vor ihm steht der M e l a n c h o l i k e r still. Unzufriedenen Gesichts über sein ewiges Pech.“
(Verfasser unbekannt)

Im richtigen Moment und am rechten Ort das richtige Temperament auf rechte Weise offenbaren: Das ist Lebenskunst. Das ist Yoga.
(Franz Krabichler)




Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt. Freue dich lieber darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt.
(Volksmund)

Instead of being angry that the rose bush has thorns, be happy that the thorny branches carry the rose.
(Anonymous)

Nimmst du jemanden, wie er ist, wird er bleiben, wie er ist,
aber gehst du mit ihm um, als ob er wäre, was er sein könnte, wird er zu dem werden, was er sein könnte.
(Goethe)



Gleichnisse und Geschichten

Der Meister lehrte meistens in Gleichnissen und Geschichten. Jemand fragte einen seiner Schüler, woher er sie habe.
"Von Gott", erwiderte er. "Wenn Gott dich zum Heiler bestimmt, schickt er dir Patienten; wenn er dich zum Lehrer macht, schickt er dir Schüler; wenn er dich zum Meister beruft, gibt er dir Geschichten."



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Wer von beiden?

Der Meister ging die Straße entlang, als ein Mann aus einem Hauseingang stürzte, so daß beide heftig zusammenprallten.
Der Mann war außer sich. Er tobte und warf mit beleidigenden Worten um sich. Der Meister machte eine kleine Verbeugung, lächelte freundlich und sagte: "Mein Freund, ich weiß nicht, wer von uns beiden an diesem Zusammenstoß schuld ist, doch bin ich nicht geneigt, Zeit zu vertun, um dies herauszufinden. Sollte ich an Sie gerannt sein, bitte ich um Entschuldigung; sollten Sie an mich gerannt sein, so können Sie es vergessen."
Nach erneutem Lächeln und kurzer Verbeugung ging er weiter.




Versucht nicht, Dinge zu besitzen, denn sie können nie wirklich besessen werden.
Achtet nur darauf, nicht von ihnen in Besitz genommen zu werden, dann seid ihr Herr der Schöpfung.



Wenn der Sperling im Wald sein Nest baut, braucht er dazu nur einen einzigen Ast.
Wenn das Wild am Fluß seinen Durst stillt, trinkt es nie mehr, als es vertragen kann.
Wir sammeln Dinge, weil unsere Herzen leer sind.



Wie glücklich oder unglücklich wir sind, hängt eher davon ab, wie wir die Ereignisse wahrnehmen und ihnen gegenübertreten, als von den Ereignissen an sich. Wenn du dein Leben nicht genießen kannst, stimmt etwas Grundlegendes mit dir nicht.


Vertrauen

Der Meister pflegte häufig zu behaupten, dass Heiligkeit weniger davon abhänge, was jemand TUE, als davon, was er GESCHEHEN LASSE.
Einer Gruppe von Schülern, die das nicht recht begreifen konnten, erzählte er die folgende Geschichte:
"Es war einmal ein einbeiniger Drache, der sagte zu dem Tausendfüßler: ´Wie dirigierst du bloß alle diese Beine? Ich werde gerade so mit einem fertig.´
´Die Wahrheit ist´, antwortete der Tausendfüßler, ´ich dirigiere sie überhaupt nicht.´"


Kooperation

"Was ist das Geheimnis deiner Ruhe und Gelassenheit?" fragten die Schüler.
Sagte der Meister: "Aus dem Herzen kommendes, uneingeschränktes Kooperieren mit dem Unvermeidlichen."


Ein schöner Tag

Als der Meister mit einer Gruppe von Lehrern zusammentraf, unterhielt er sich lange und angeregt mit ihnen, denn er war selbst einmal Lehrer gewesen.
"Das Schlimme bei den Lehrern ist, daß sie immer wieder vergessen, was das Ziel der Erziehung ist, nämlich nicht das Lernen, sondern das Leben."
Und er erzählte, wie er einmal einen Jungen, der eigentlich in der Schule sein sollte, beim Fischen erwischte.
"Hallo, ein schöner Tag zum Fischen!" sagte er zu dem Kerl.
"Ja", kam es kurz und bündig zurück.
Nach einer Weile fragte der Meister: "Warum bist du heute nicht in der Schule?"
"Nun, wie Sie ja eben selbst gesagt haben - es ist ein schöner Tag zum Fischen."

Dann erzählte der Meister vom Schulzeugnis seiner kleinen Tochter, in dem als Bemerkung stand:
"Meena ist eine gute Schülerin. Sie könnte noch bessere Noten erreichen, wenn ihre pure Lebensfreude nicht ihren Lernerfolg behindern würde."




Lieber Steine sammeln

Einer der wenigen Menschen, die bisher auf dem Mond herumgelaufen sind, erzählt, daß er dort oben seine Empfindungen für das Schöne verdrängen mußte.
Er erinnerte sich, daß er auf die Erde hinuntersah und von dem Anblick hingerissen war. Eine Weile wäre er wie angewurzelt stehengeblieben und hätte nur denken können: "Wie schön ist das!"
Dann habe er schnell diese Stimmung abgeschüttelt und sich gesagt:
"Hör auf, deine Zeit zu vergeuden, und sammle lieber Steine."

Es gibt zwei Arten von Erziehung: die eine lehrt, den Lebensunterhalt zu verdienen, die andere lehrt zu leben.


Wie man´s sieht

Ein Frosch hatte sein Leben lang in einem Brunnen gewohnt. Eines Tages sah er zu seinem Erstaunen einen anderen Frosch.
"Woher kommst du?" fragte er.
"Aus dem Meer, dort lebe ich", sagte der andere.
"Wie ist das Meer? Ist es so groß wie mein Brunnen?"
Der Meeresfrosch lachte. "Das ist nicht zu vergleichen", sagte er.
Der Brunnenfrosch tat so, als sei er daran interessiert, was sein Besucher über das Meer zu berichten habe. Aber er dachte insgeheim: "Unter all den Lügnern, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, ist dieser hier zweifellos der größte und unverschämteste."

Wie soll man einem Frosch im Brunnen vom Ozean erzählen oder einem Ideologen von der Wahrheit?




Das Leben ist schrecklich

"Ach, das Leben ist schrecklich!" klagt ein Freund einem anderen sein Leid. "Es wäre besser, nicht geboren worden zu sein."
"Ja", meint sein Freund mit einem Lächeln auf dem Mund, "aber wieviele haben diese Art von Glück? Einer unter zehntausend vielleicht."


Die Aufgabe

Was ist die Aufgabe eines Meisters?" fragte ein Besucher mit feierlicher Miene.
"Die Leute lachen zu lehren", erwiderte der Meister ernst.


Macht

Ein andermal erklärte er:
"Wenn du imstande bist, dem Leben ins Gesicht zu lachen, erhältst du Macht über die Welt - genau wie derjenige, der darauf vorbereitet ist zu sterben."



Ich kenne einen außergewöhnlichen Mann, der gelähmt ist. Er sagte mir einmal: "Wissen Sie, eigentlich begann ich erst wirklich zu leben, nachdem ich gelähmt war. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Zeit, mich selbst zu beobachten, mein Leben zu betrachten, meine Reaktionen und Gedanken. Mein Leben wurde viel tiefer, reicher und viel interessanter als vorher."
Ist es nicht bemerkenswert, dass ein gelähmter Mann das Leben entdeckte, während viele andere sich frei bewegen können und es doch nicht finden, weil sie innerlich gelähmt sind?



Die besten Dinge des Lebens sind uns geschenkt. Dinge wie das Sehvermögen, Gesundheit, Liebe, Freiheit und das Leben selbst. Schade nur, dass wir uns an ihnen nicht recht erfreuen. Wir sind zu sehr von dem Gedanken belastet, dass wir nicht genug von sehr nebensächlichen Dingen besitzen: wie Geld, gute Kleider und Ruhm.
Als ich einmal zurück in meine Heimat flog, hatte das Flugzeug Verspätung, und ich war verärgert. Als es dann den Flughafen erreicht hatte, kreiste es fast eine halbe Stunde wegen "technischer Schwierigkeiten", wie es diskret hieß, über dem Flughafen, was uns noch mehr verspätete. Diese halbe Stunde war voller Spannung und Sorgen. Du kannst dir unsere Erleichterung vorstellen, als wir landeten. Was war mit meinem Ärger geschehen? Der war verflogen. Wir waren sehr froh, sicher auf der Erde zu sein. Die Verspätung war nun eine dumme Kleinigkeit. Doch erst die Möglichkeit eines schweren Unfalls führte uns das vor Augen.



Es gibt keine größere Freude als die, keinen Grund zur Sorge zu haben;
keinen größeren Reichtum als die Zufriedenheit mit dem, was man hat.


Ich hacke Holz!

Als der Zen-Meister Erleuchtung erlangte, schrieb er zur Feier der Stunde: "Welch außerordentliches Wunder: Ich hacke Holz! Ich schöpfe Wasser aus dem Brunnen!"
Für die meisten Menschen ist nichts Wunderbares an so prosaischen Tätigkeiten wie dem Schöpfen des Wassers aus einem Brunnen oder dem Holzhacken. Nach der Erleuchtung ändert sich im Grunde nichts. Alles bleibt dasselbe. Nur das eigene Herz ist jetzt voller Staunen. Der Baum ist derselbe Baum; und die Menschen sind die gleichen wie zuvor; und du selbst auch; und das Leben verläuft nicht anders als vorher. Du bist vielleicht genauso übellaunig oder gelassen, genauso weise oder töricht wie zuvor. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied: Du siehst nun alle Dinge mit anderen Augen an. Du stehst darüber. Und dein Herz ist voller Staunen.
Das ist die Essenz der Kontemplation: das Gefühl des Staunens.
Kontemplation unterscheidet sich von Ekstase insofern, als Ekstase zum Rückzug auf sich selbst führt. Der erleuchtete Kontemplative hackt weiter Holz und schöpft Wasser aus dem Brunnen. Kontemplation unterscheidet sich von Wahrnehmung des Schönen dadurch, dass letzteres ästhetisches Entzücken hervorruft (bei der Betrachtung eines Gemäldes oder eines Sonnenunterganges), während Kontemplation Staunen bewirkt - gleichgültig, ob es sich um einen Sonnenuntergang oder die Betrachtung eines Steines handelt.

Das ist das Vorrecht des Kindes. Es ist immer wieder von neuem erstaunt. Also fühlt es sich wie selbstverständlich im himmlischen Königreich zu Hause.




Illusion

"Wie soll ich ewiges Leben erlangen?"
"Ewiges Leben ist heute und jetzt. Lebe in der Gegenwart."
"Aber ich bin in der Gegenwart, oder nicht?"
"Nein."
"Warum nicht?"
"Weil du deine Vergangenheit nicht abgeworfen hast."
"Warum soll ich meine Vergangenheit abwerfen? Nicht alles an ihr ist schlecht."
"Die Vergangenheit muß abgeworfen werden, nicht weil sie schlecht ist, sondern weil sie tot ist."


Rede

Der Schüler konnte es kaum erwarten, dem Meister das Gerücht zu erzählen, das er auf dem Markt gehört hatte.
"Warte einen Augenblick", sagte der Meister.
"Was du uns da erzählen willst, ist es auch wahr?"
"Das glaube ich nicht."
"Ist es nützlich?"
"Nein, das ist es nicht."
"Ist es witzig?"
"Nein."
"Warum sollten wir es dann erfahren?"


Gefangenschaft

"Du bist so stolz auf deine Intelligenz", sagte der Meister zu einem Jünger. "Du bist wie der Verurteilte, der stolz ist auf die Größe seiner Gefängniszelle."




Entdeckung

"Helft uns, Gott zu finden."
"Keiner kann euch dabei helfen."
"Warum nicht?"
"Aus dem gleichen Grund, aus dem einem Fisch nicht geholfen werden kann, den Ozean zu finden."


Kausalität

Jeder war überrascht von des Meisters supermoderner Metapher: "Das Leben ist wie ein Auto."
Sie warteten schweigend, wohl wissend, daß eine Erklärung nicht lange auf sich warten lassen würde.
"Oh ja", sagte er schließlich, "ein Auto kann dazu dienen, Höhen zu erreichen."
Wieder Stille.
"Aber die meisten Menschen legen sich vor den Wagen, lassen sich überrollen und machen ihn dann für den Unfall verantwortlich."


Nebensächlichkeit

An jenem Tag ging es während der öffentlichen Versammlung bei allen Fragen um das Leben jenseits des Grabes.
Der Meister lachte nur und gab keine einzige Antwort.
Seinen Schülern, die wissen wollten, warum er auswich, sagte er später: „Habt ihr nicht bemerkt, dass es ausgerechnet diejenigen sind, die nichts mit diesem Leben anzufangen wissen, die ein weiteres, ewig währendes wollen?“
„Aber gibt es nun Leben nach dem Tode oder nicht?“ beharrte ein Schüler.
„Ist da Leben vor dem Tod – das ist die Frage!“ sagte der Meister hintergründig.




Wörter

Die Schüler waren in eine Diskussion vertieft über den Ausspruch Lao-Tses:
„Der Wissende redet nicht,
der Redende weiß nicht.“
Als der Meister dazukam, fragten sie ihn, was die Worte genau bedeuteten.
Sagte der Meister: „Wer von euch kennt den Duft einer Rose?“
Alle kannten ihn.
Dann sagte er: „Kleidet ihn in Worte.“
Alle schwiegen.


Mäßigung

Immer wieder ließ es sich der Meister angelegen sein, seinen Schülern zu raten, sich nicht von ihm abhängig zu machen, denn dadurch würden sie gehindert, die innere Quelle zu entdecken.
Oft hörte man ihn sagen: „Es gibt drei Dinge, die in zu großer Nähe schädlich und wenn zu weit entfernt nutzlos sind, und die man am besten in angemessenem Abstand hält: Feuer, die Regierung und den Guru.“


Verheimlichung

Der Meister erzählte einmal von einer kostbaren antiken Schale, die bei einer öffentlichen Versteigerung ein Vermögen einbrachte. Ein Landstreicher, der in Armut gestorben war, hatte damit um Almosen gebettelt, ohne ihren Wert zu ahnen.
Als ein Schüler den Meister fragte, was die Schale bedeuten sollte, sagte der Meister: „Dein Selbst.“
Man bat ihn, das näher zu erklären. Er sagte: „Ihr verschwendet eure Aufmerksamkeit auf Kleinkram, den ihr als Wissen bei Lehrern und aus Büchern sammelt. Ihr tätet besser, die Schale zu beachten, in der ihr dieses Wissen aufnehmt.“




Vorrang

Der Meister begrüßte die technologischen Fortschritte, war sich aber durchaus ihrer Grenzen bewußt.
Als ihn ein Industrieller fragte, was er arbeite, antwortete er: "Ich bin in der Menschen-Industrie tätig."
"Und was bitte ist das?" fragte der Industrielle.
"Nehmt Euch selbst", sagte der Meister. "Ihr bemüht Euch um die Herstellung besserer Dinge, ich bemühe mich, bessere Menschen hervorzubringen."
Zu seinen Schülern sagte er später: "Ziel des Lebens ist es, Menschen zum Erblühen zu bringen. Heute scheint man mehr damit beschäftigt, Sachen zu perfektionieren."


Verwundbarkeit

Der Meister bot einem verheirateten Paar, das sich ständig stritt, die vollkommene Lösung an.
Er sagte: "Hört einfach auf, etwas als Recht zu fordern, was ihr als Gefälligkeit erbitten könnt."
Die Streithähne hörten unverzüglich auf.


Größe

"Das Problem mit dieser Welt ist", sagte der Meister seufzend, "daß die Menschen sich weigern, erwachsen zu werden."
"Wann kann man von einem Menschen sagen, er sei erwachsen?" fragte ein Schüler.
"An dem Tag, an dem man ihm keine Lüge mehr aufzutischen braucht."




Manifestation

Wenn ein neuer Schüler zum Meister kam, wurde er gewöhnlich folgendem Verhör unterworfen:
"Weißt du, wer der einzige Mensch ist, der dich im ganzen Leben nie verlassen wird?"
"Wer ist es?"
"Du."
"Und kennst du die Antwort auf jede Frage, die dir je einfallen könnte?"
"Wie lautet sie?"
"Du."
"Und kannst du die Lösung aller deiner Probleme erahnen?"
"Ich gebe auf."
"Du."


Schau

Als einer der Schüler seine Absicht kundtat, andere Wahrheit zu lehren, schlug der Meister einen Test vor: "Halte einen Vortrag, bei dem ich anwesend sein werde, um zu beurteilen, ob du schon so weit bist."
Der Vortrag war anregend. Gegen Ende kam ein Bettler zu dem Redner, der sich erhob und dem Mann seinen Mantel gab - zur Erbauung der Versammlung.
Später sagte der Meister: "Deine Worte waren voller Inbrunst, Sohn, aber du bist noch nicht so weit."
"Warum nicht?" fragte der deprimierte Schüler.
"Aus zwei Gründen: du gabst dem Mann keine Gelegenheit, sein Anliegen zum Ausdruck zu bringen. Und du willst immer noch andere mit deiner Tugendhaftigkeit beeindrucken.


Eitelkeit

Der Meister erinnerte seine Schüler des öfteren, dass Heiligkeit genau wie Schönheit nur echt sei, wenn sie unbefangen ist. Er zitierte gerne den Vers:
Sie blüht, weil sie blüht, die Rose;
fragt nicht warum, putzt sich auch nicht heraus, um meinen Blick auf sich zu ziehen.
Und das Sprichwort: "Ein Heiliger ist ein Heiliger, bis er weiß, dass er einer ist."




Unglück

"Unglück kann Reifung und Erleuchtung bewirken", sagte der Meister.
Und er erklärte das so:
"Ein Vogel suchte jeden Tag Schutz in den dürren Zweigen eines Baumes mitten auf einer weiten, verlassenen Ebene. Eines Tages wurde der Baum von einem Sturm entwurzelt, so daß der arme Vogel gezwungen war, hunderte von Meilen zu fliegen, um Unterschlupf zu finden, bis er schließlich zu einem Wald früchteschwerer Bäume kam."
Und er schloß: "Wäre der verdorrte Baum stehen geblieben, hätte den Vogel nichts bewogen, seine Sicherheit aufzugeben und loszufliegen."



Der Tag, an dem du für jede Kleinigkeit in deinem Leben Dankbarkeit empfinden kannst - für den fahrenden Zug; für das Wasser, das aus einem geöffneten Wasserhahn fließt; für das Licht, das das Zimmer erhellt, sobald du den Schalter drehst; für die reinen Laken auf deinem Bett - an diesem Tag wird dein Herz mit einer tiefen Zufriedenheit erfüllt sein und beinahe beständige Freude wird dein sein.

Der Ton macht´s

Der Meister konnte sehr kritisch sein, wenn er glaubte, daß Kritik angebracht war.
Doch zum Erstaunen aller nahm ihm niemand seine Rügen übel. Als er einmal darauf angesprochen wurde, sagte er: „Es hängt davon ab, wie man es macht. Menschliche Wesen sind Blüten: offen und empfänglich für sanft fallenden Tau, verschlossen für kräftigen Regen.


Heiße Luft

Der Meister nahm es mit der Etikette und gepflegten Manieren gewiß nicht übertrieben genau, doch seinen Umgang mit anderen kennzeichneten immer eine natürliche Höflichkeit und Takt.
Einmal fuhr ein junger Schüler einen Verkehrspolizisten sehr grob an, als er den Meister eines Abends heimfuhr. Zu seiner Rechtfertigung sagte er: „Ich möchte lieber ehrlich sein und den Leuten genau zu verstehen geben, was ich meine. Höflichkeit ist nichts als eine Menge heißer Luft.“
„Ganz recht“, sagte der Meister freundlich, „doch eben die haben wir in unseren Autoreifen, und sehen Sie, wie sie die Stöße dämpft.“




Selbstmitleid

Der Meister schonte niemanden, der in Selbstmitleid und Groll schwelgte.
„Unrecht erlitten zu haben“, sagte er, „ist nichts, es sei denn, du bist erpicht, dich daran zu erinnern.


Fehler

Einem Schüler, der sich schrecklich fürchtete, Fehler zu machen, sagte der Meister:
„Diejenigen, die keine Fehler machen, machen den größten aller Fehler: sie versuchen nichts Neues.“


Keine Erklärung

Wie erklärt der Meister die Existenz des Bösen in der Welt?“ fragte ein Besucher.
Ein Schüler erwiderte: „Er erklärt es nicht. Er ist zu beschäftigt, um sich damit aufzuhalten.“
Und ein anderer sagte: „Die Menschen liegen ständig im Kampf mit der Welt oder langweilen sich mit ihr. Der Meister ist entzückt von dem, was er an Staunenswertem, Erhabenem und Unfaßbarem sieht.“




Unerreichbar

Nenn mir einen praktischen, hier auf Erden greifbaren Nutzen der Spiritualität“, sagte der Skeptiker, der Lust auf einen Disput hatte.
„Zum Beispiel diesen“, sagte der Meister. „Wenn dich jemand beleidigt, kannst du deinen Geist in Höhen erheben, wohin Beleidigungen nicht gelangen können.“


Lerne Befehle erteilen

Fragte der Herrscher: „Hast du mich auf etwas hinzuweisen, das ich bei der Ausübung meines Amtes befolgen sollte?“
„Ja, lerne, wie Befehle zu erteilen sind.“
„Wie?“
„So, daß andere sie entgegennehmen können, ohne sich untergeordnet zu fühlen“, sagte der Meister.


Mit seinem ganzen Sein

„Was mich bedrückt, ist die völlige Mittelmäßigkeit meines Daseins. Ich habe in meinem Leben nicht eine einzige Tat vollbracht, von der die Welt Notiz nehmen könnte.“
„Du irrst dich, wenn du glaubst, daß es die Beachtung durch die Welt ist, was einer Tat Bedeutung verleiht“, erwiderte der Meister. Eine lange Pause trat ein.
„Ja, dann habe ich gar nichts getan, um auch nur einen einzigen zum Guten oder zum Schlechten zu beeinflussen.“
„Du irrst dich, wenn du glaubst, daß es an der Einflußnahme auf andere liegt, was einer Tat Bedeutung verleiht.“ „Ja, was verleiht denn einer Tat Bedeutung?“
„Sie um ihrer selbst willen mit seinem ganzen Sein zu tun. Dann ist es uneigennütziges, gott-ähnliches Handeln.“




Die Perspektive

In einer sternenklaren Nacht ließ der Meister die Schüler in den Genuß seiner astronomischen Kenntnisse kommen:
„Das ist das Sternensystem des Andromeda-Nebels“, erklärte er. „Es ist so groß wie unsere Milchstraße und sendet Lichtstrahlen aus, die mit einer Geschwindigkeit von 300 000 Kilometern in der Sekunde zweieinhalb Millionen Jahre zu uns auf die Erde brauchen. Der Andromeda-Nebel besteht aus hunderttausend Millionen Sonnen, die viel größer sind als unsere Sonne.“
Nach einer Weile des Schweigens sagte er mit einem Lächeln: „Nachdem wir nun die richtige Perspektive haben, laßt uns zu Bett gehen.“


Das Geheimnis

Wenn der Teich austrocknet,
und die Fische auf dem Trockenen liegen,
genügt es nicht, sie mit dem eigenen Atem zu befeuchten
oder mit Speichel zu benetzen,
man muß sie zurückwerfen in den See.
Versucht nicht,
Menschen zu beleben durch Lehrmeinungen,
werft sie zurück in die Wirklichkeit.
Denn das Geheimnis des Lebens
findet man im Leben selbst,
nicht in Lehren über das Leben.


Schwierigkeiten

Jemand sagte einmal: „Die drei schwierigsten Dinge für einen Menschen sind nicht körperliche Glanzleistungen oder intellektuelle Meisterstücke, sondern erstens: Haß mit Liebe zu vergelten, zweitens: das Ausgeschlossene mit einzuschließen, drittens: zuzugeben, daß man unrecht hatte.


Sehr gut, sehr gut

In einem Fischerdorf bekam ein Mädchen ein uneheliches Kind, und nach vielen Schlägen gab sie endlich den Namen des Kindesvaters preis: der Zen-Meister, der den ganzen Tag im Tempel außerhalb des Dorfes meditierte.
Die Eltern des Mädchens, begleitet von vielen Dorfbewohnern, begaben sich zu dem Tempel, unterbrachen rücksichtslos des Meisters Meditation, beschimpften ihn wegen seiner Heuchelei und erklärten, da er der Vater des Kindes war, sollte er nun auch die Last der Erziehung tragen. Der Meister antwortete nur: „Sehr gut, sehr gut.”
Als die Menge abgezogen war, hob er das Baby auf und vereinbarte mit einer Frau aus dem Dorf, das Kind auf seine Kosten zu nähren und zu kleiden.
Der Ruf des Meisters war ruiniert. Niemand kam mehr zu ihm, um sich unterweisen zu lassen.
Als schließlich ein ganzes Jahr vergangen war, konnte es das Mädchen, das das Kind geboren hatte, nicht mehr länger aushalten und bekannte, daß sie gelogen hatte. Der Vater des Kindes war der Nachbarjunge.
Die Eltern und Dorfbewohner waren sehr zerknirscht. Sie warfen sich dem Meister zu Füßen, um seine Vergebung zu erhalten, und baten, ihnen das Kind zurückzugeben. Und er sagte nichts weiter als: „Sehr gut, sehr gut.”

Der erweckte Mensch!

Seinen Ruf verlieren! Kein großer Unterschied zu dem Verlust jenes Vertrages, den man gerade im Traum unterzeichnen wollte.


Spiegelung

„Warum ist hier jeder glücklich außer mir?“
„Weil sie gelernt haben, überall Güte und Schönheit zu sehen“, sagte der Meister.
„Warum sehe ich nicht überall Güte und Schönheit?“
„Weil du draußen nicht etwas sehen kannst, was du in deinem Inneren nicht siehst.“



Vom Tod:


Warum sollte man Angst vor dem Tod haben?
Denn solange wir sind, ist der Tod nicht da,
und sobald er da ist, sind wir nicht mehr.
(So gesehen hat es eigentlich keinen Menschen
je gequält, tot zu sein)
(Epikur)



Niemand von uns weiß, was der Tod ist;
vielleicht ist er ja das höchste Gut auf Erden?
(Platon)

Angst vor dem Tod?

Da werde ich - vielleicht - eines Tages 80 oder 90 Jahre alt sein,
und habe mein ganzes Leben nichts weiter getan,
als Angst davor zu haben, frühzeitig zu sterben.
(Kristiane Allert-Wybranietz)

Ich habe so vielen Menschen etwas gegeben;
eine andere Unsterblichkeit braucht man wohl nicht.
(Hans-Georg Gadamer kurz vor seinem "Tod")



Aus Furcht, der Tod könnte uns das Kind entreißen,
entziehen wir es dem Leben;
um seinen Tod zu verhindern,
lassen wir es nicht richtig leben.
(Janusz Korczak)

Es fallen so viele für das Regime,
es müssen auch einmal einige dagegen fallen.
(Sophie Scholl)

Dying does not take a smart person by surprise.
(Jean de la Fontaine)

Truth sits on the lips of dying people.
(Matthew Arnold)




Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise,
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
(Hermann Hesse)


Niemand, der über Leichen geht, kann den Weg Jesu gehen

Gewalt soll das Ende aller Gewalt erzwingen. Blut nur noch deshalb fließen, damit nie mehr Blut vergossen werde. Aber wer bürgt für die Gewissheit? Schöne Fahnen sind sie, leuchtend im Wind, die Ideen, aber entsetzlich, sobald stürmenden Regimentern vorangetragen. Keine Idee ist eine ganze Wahrheit, aber jeder einzelne Mensch ist eine ganze Wahrheit. Dies, nur dies, scheint mir ins Bewusstsein der verwirrten Menschheit einzuhämmern wichtig, diese eine Umwertung im Gefühl der Menschheit zu befördern: die Entwertung der Ideen, die Höherwertung des einzelnen Menschen.
(Stefan Zweig)

Erst wenn wir die Bereitschaft zu jedem Krieg, gleich zu welchem Ziel und aus welchen Gründen, endgültig aufgeben, werden wir das Irrenhaus der menschlichen Geschichte verlassen. Kriege sind, was sie sind: das vorsätzliche Töten von Menschen auf Befehl und das Verdrängen aller Schuldgefühle für das Ende der Menschlichkeit. Doch noch leben wir nicht in George Orwells 1984. Noch ist Krieg keine Friedensmaßnahme. Noch ist das Töten von Menschen nicht das Retten von Menschen. Noch ist die Lüge nicht Voraussetzung der Wahrheit.
Es war am 26. Mai 1999, als in Athen Patriarch Bartholomaios I., das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirche, erklärte: „Der Krieg ist nicht das Werk vernünftig denkender, verantwortlich handelnder Menschen, sondern das Werk von geistig Gestörten.“
Doch diese „Geistesstörung“ rechtfertigt sich immer noch als „Pflicht“, „Verantwortung“, „Mut“, „Treue“ und „Gehorsam“.
(Eugen Drewermann)


Wir Menschen geben einander keine Chance

Wenn wir das Ding zünden, müssen wir die japanischen Generäle dazu einladen, damit sie sehen, was ihnen bevorsteht.
(Albert Einstein, 1942 beim Bau der Atombombe)

... Man hat es nicht getan




Unter diesen Umständen ist es überaus wichtig, jetzt und für alle Zeit eine alte Wahrheit wieder zu lernen: Mit Gewalt dient man nicht der Gerechtigkeit, mit Krieg dient man nicht dem Frieden, und mit dem Töten von Menschen dient man nicht dem Leben. Nicht der Pazifismus Gandhischer Prägung ist tot, tödlich ist der Stahlhelmpazifismus deutscher Politiker im Dienste der NATO.
Der Weg in den Krieg ist psychologisch immer derselbe: In einer komplizierten geschichtlichen Situation vereinfacht man die Wirklichkeit in dem simplen Schema von Gut und Böse, dann ordnet man die Schuld einseitig einer Seite zu, und dann personifiziert man das Böse in einer einzigen Person. Die muss man dann bekämpfen wie Sankt Michael den Teufel.
(Eugen Drewermann)

Bei Völkermord drückt man gerne beide Augen zu, und zwar den Opfern.
(Alexander Eilers)

Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Leichter gemacht

Ein Schüler mußte rasch wieder heim, als ihn die Nachricht erreichte, daß sein Haus abgebrannt war.
Er war ein alter Mann, und alle bedauerten ihn.
Alles, was der Meister ihm sagte, war: "Es wird das Sterben leichter machen."




Bei den meisten

Manche Leute behaupten, es gäbe kein Leben nach dem Tod", sagte ein Schüler.
"Tun sie das?" fragte der Meister unverbindlich.
"Wäre es nicht furchtbar zu sterben, ohne jemals wieder zu sehen, zu hören, zu lieben oder sich zu bewegen?"
"Findest du das furchtbar?" erwiderte der Meister. "Das ist doch bei den meisten Menschen so, noch bevor sie gestorben sind."


Wie ein Kind

Eine Schülerin entschloß sich, dem Meister persönlichere und direktere Fragen zu stellen.
"Glaubst du eigentlich an ein Leben nach dem Tod?" wollte sie von ihm wissen.
"Merkwürdig, daß du dich an dieses Thema so anklammerst" sagte der Meister.
"Warum soll das merkwürdig sein?"
"Hier hast du diesen strahlenden Maientag vor dir", erwiderte der Meister und zeigte aus dem Fenster. --- "Wie ein Kind, das sich heute zu essen weigert, weil es weiß, was morgen kommt. Du hast Hunger. Iß dein tägliches Brot!"


Vater, ich bin zurück

Ein Soldat wurde eilends von der Front zurückgerufen, weil sein Vater im Sterben lag. Er erhielt eine Sondergenehmigung, denn außer ihm hatte der Vater keine Familienangehörigen mehr.
Als er die Intensivstation betrat, erkannte er sofort, daß dieser halb bewußtlose Mann mit Schläuchen in Mund und Nase nicht sein Vater war. Irgend jemand hatte sich geirrt und den falschen Soldaten von der Front geholt.
"Wie lange wird er noch leben?" fragte er den Arzt.
"Nur noch ein paar Stunden. Sie haben es gerade noch geschafft."
Der Soldat dachte an den Sohn des sterbenden Mannes, der, Gott weiß wo, Tausende von Meilen entfernt an der Front war. Er dachte an den alten Mann, der nur in der Hoffnung am Leben geblieben war, daß er seinen Sohn noch einmal sehen würde, ehe er starb. Das bestimmte seinen Entschluß. Er beugte sich vor, ergriff die Hand des alten Mannes und sagte leise:
"Vater, ich bin da. Ich bin zurück."
Der Sterbende umklammerte die hingestreckte Hand; seine leeren Augen öffneten sich und blickten umher; ein zufriedenes Lächeln ging über sein Gesicht und blieb dort, bis er etwa eine Stunde später starb.




"Ich war überzeugt, du würdest kommen"

"Mein Freund ist nicht vom Schlachtfeld zurückgekommen, Sir. Erbitte Erlaubnis, ihn zu suchen und hereinzuholen."
"Abgelehnt", sagte der Offizier, "ich möchte nicht, daß Sie Ihr Leben aufs Spiel setzen für einen Mann, der wahrscheinlich tot ist."
Der Soldat machte sich trotzdem auf die Suche und kam eine Stunde später tödlich verwundet zurück, in den Armen seinen toten Freund.
Der Offizier tobte. "Ich habe Ihnen gesagt, er sei tot. Nun habe ich Sie beide verloren. Was hat es nun gebracht, hinauszugehen, um eine Leiche zurückzubringen?"
Der sterbende Mann antwortete: "Es hat sich gelohnt, Sir. Als ich ihn fand, lebte er noch. Und er sagte zu mir: ´Ich wußte, Jack, daß du kommen würdest.´"


Neu austeilen

Der Meister spielte gerne Karten und verbrachte einmal mit einigen seiner Schüler während eines Luftangriffs die ganze Nacht beim Pokern. Als sie eine Pause einlegten, um etwas zu trinken, kamen sie auf den Tod zu sprechen.
"Wenn ich mitten in diesem Spiel tot umfallen würde, was würdet ihr dann tun?" fragte der Meister.
"Was möchtest du, daß wir tun sollten?"
"Zwei Dinge. Zuerst die Leiche fortschaffen."
"Und dann?"
"Die Karten neu austeilen", sagte der Meister.



Noch etwas ist notwendig, um lebendig zu sein: jetzt zu sein. Was heißt das? Es heißt in erster Linie, etwas zu verstehen, was die wenigsten verstehen, nämlich: dass die Vergangenheit nicht die Wirklichkeit ist, ebensowenig wie die Zukunft, und dass in der Vergangenheit und in der Zukunft zu leben bedeutet, tot zu sein. Mir ist durchaus klar, dass es in der Vergangenheit viele wunderbare Dinge gibt, aus denen wir auch etwas lernen können, und dass die Vergangenheit uns beeinflusst und formt. Gut! Aber sie ist nicht die Wirklichkeit.



Prioritäten

Nach einer Legende schickte Gott einen Engel mit folgender Botschaft zu dem Meister: "Bitte um eine Million Lebensjahre, und sie werden dir gegeben werden, ja auch abermillionen Jahre. Wie lange möchtest du leben?"
"Achtzig Jahre", erwiderte der Meister, ohne das geringste Zögern.
Die Schüler waren bestürzt. "Aber Meister, wenn Ihr eine Million Jahre leben könntet, bedenkt wieviel Generationen von Eurer Weisheit profitieren könnten."
"Wenn ich eine Million Jahre lebte, wären die Menschen mehr darauf bedacht, ihr Leben zu verlängern als Weisheit zu entwickeln."


Papierleben und Papiertod

„Wann werde ich erleuchtet?“
„Wenn du siehst“, sagte der Meister.
„Was sehen?“
„Bäume und Blumen, Mond und Sterne.“
„Aber die sehe ich jeden Tag.“
„Nein, was du siehst, sind Papierbäume, Papierblumen, Papiermonde und Papiersterne. Denn du lebst nicht in der Wirklichkeit, sondern in deinen Worten und Gedanken.“
Und um ganz genau zu sein, fügte er noch hinzu: „Du lebst leider ein Papierleben und wirst einen Papiertod sterben.“



Gegenwart

Als die Schüler baten, ihnen ein Modell von Spiritualität zu geben, das sie nachahmen könnten, sagte der Meister nur: "Still, lauscht!"
Und als sie auf die Laute der Nacht draußen lauschten, begann der Meister leise den berühmten Haiku zu sprechen:
"Von einem frühen Tod,
zeigt die Zikade sich unbeeindruckt.
Sie singt."


Wirklichkeit

Obgleich der Meister das Leben zu genießen und voll auszuschöpfen schien, wußte man doch, daß er auch großes Risiko nicht scheute. So, wenn er die Tyrannei der Regierung verurteilte und damit Verhaftung und Tod herausforderte. Oder wenn er mit einer Gruppe seiner Schüler in einem pestverseuchten Dorf Hilfe leistete.
"Die Weisen kennen keine Todesangst", pflegte er zu sagen.
"Warum sollte ein Mensch sein Leben so leichtfertig aufs Spiel setzen?" wurde er einmal gefragt.
"Warum berührt es einen Menschen so wenig, wenn eine Kerze nach Tagesanbruch verlöscht?"




Erkennen

Als der Meister alt und krank wurde, baten ihn die Schüler, nicht zu sterben. Sagte der Meister: "Wenn ich nicht ginge, wie würdet ihr je sehen lernen?"
"Was sehen wir denn nicht, wenn Ihr bei uns seid?" fragten sie.
Aber der Meister wollte es nicht sagen.
Als der Augenblick seines Todes nahe war, sagten sie: "Was werden wir sehen, wenn Ihr gegangen seid?"
Mit einem Lächeln in den Augen sagte der Meister: "Ich tat nichts weiter als am Ufer des Flusses zu sitzen und Wasser austeilen. Wenn ich gegangen bin, hoffe ich, daß ihr den Fluß sehen werdet."




Sokrates war im Gefängnis und wartete auf die Vollstreckung seines Urteils. Eines Tages hörte er, wie ein Mitgefangener ein schwieriges lyrisches Lied des Dichters Stesichoros sang.
Sokrates bat den Mann, ihn dieses Gedicht zu lehren.
"Warum?" fragte der Sänger.
"Daß ich in dem Bewußtsein sterben kann, noch etwas dazu gelernt zu haben", lautete die Antwort des großen Mannes.

Schüler: "Warum sollte man eine Woche vor dem Tod noch etwas Neues lernen?"
Meister: "Aus dem gleichen Grund, aus dem du fünfzig Jahre vor deinem Tod etwas Neues lernen würdest."



Der Held

„Mein Freund“, sagte der Meister zum Freiheitskämpfer in seiner Gefängniszelle, „du wirst deiner Hinrichtung morgen tapfer entgegengehen. Nur eines hält dich zurück, den Tod mit Freude zu begehen.“
„Was ist das?“
„Der Wunsch, daß deine Heldentaten in Erinnerung bleiben. Das Verlangen, daß künftige Generationen deinem heroischen Kampf Anerkennung zollen.“
„Ist daran etwas falsch?“ fragte der zum Tode Verurteilte.
„Ist es dir schon einmal in den Sinn gekommen, daß nicht du es bist, mit dem die Nachwelt deine Taten verbindet, sondern dein Name?“
„Ist nicht beides dasselbe?“
„O nein, mein Freund! Dein Name ist der Klang, auf den du reagierst. Dein Aushängeschild, dein Kennzeichen. Wer bist du?“
Das war alles, was der Mann brauchte, um im Dunkel dieser Nacht zu „sterben“ - noch bevor das Vollstreckungskommando beim Morgendämmern vor seiner Tür stand.



Von der Liebe:


Vorwort

Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdient habe;
denn dann brauche ich es am meisten.
(gehört von Eugen Drewermann)


Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Es ist Unglück, sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.
Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Es ist lächerlich, sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
(Erich Fried)

Das Leben wäre vielleicht einfacher,
wenn ich dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben.
(Erich Fried)



Ein Lächeln, aufgesetzt und berechnend,
ist ein "Nichts".
Ein Hallo, Grüß Gott, Guten Tag und Guten Abend als bloße Worthülse,
ist ein "Nichts".
Ein Händedruck, ohne Empfinden für den anderen,
ist ein "Nichts".
Eine Umarmung, ohne dem anderen nahe sein zu wollen,
ist ein "Nichts".
Ein Kuß, ohne die Seele des anderen zu küssen,
ist ein "Nichts".
Ein Beischlaf aus Pflichtbewußtsein
ist ein "Nichts".
Tue dies alles nicht aus Berechnung und Höflichkeit,
sondern aus Liebe.
(Rainer Bacher)




Über die Liebe

Wir bräuchten wenig,
wenn wir Liebe hätten.
Nicht die Liebe,
die wir mit
Ringen und roten Rosen
auszudrücken meinen.
Nein,
Liebe,
die sich überträgt,
ohne Worte,
wie ein Lächeln im Wind.
(Kristiane Allert-Wybranietz)

Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können,
so sollten wir es in jedem Fall tun.
(Hermann Hesse)

Die Leute wollen nicht gern mit Vertrauen und Liebe bezahlen,
sondern lieber mit Geld und Ware.
(Hermann Hesse)

Liebe ist das Einzige,
was nicht weniger wird,
wenn wir es verschwenden.
(Albert Schweitzer)

Wer liebt, erschafft die Liebe.
(Anthony de Mello)




Liebe zu wem?

Von der Schauspielerin Z hieß es, sie habe sich aus unglücklicher Liebe umgebracht. Herr Keuner sagte: "Sie hat sich aus Liebe zu sich selbst umgebracht. Den X kann sie jedenfalls nicht geliebt haben. Denn sonst hätte sie ihm das wohl kaum angetan.
Liebe ist der Wunsch, etwas zu geben, nicht zu erhalten. Liebe ist die Kunst, etwas zu produzieren mit den Fähigkeiten des anderen. Dazu braucht man von dem anderen Achtung und Zuneigung. Das kann man sich immer verschaffen. Der übermäßige Wunsch, geliebt zu werden, hat wenig mit echter Liebe zu tun. Selbstliebe hat immer etwas Selbstmörderisches."
(Bert Brecht)

Drei schlichte, aber überwältigend starke Leidenschaften
haben mein Leben bestimmt:
das Verlangen nach Liebe,
das Streben nach Wissen
und das unerträgliche Mitgefühl
für die Leiden der Menschheit.
(Bertrand Russell)

Auf die Frage, warum er keine Kinder haben wolle, antwortete Thales von Milet:
"Aus Liebe zu den Kindern."
(aus der "Philosophischen Hintertreppe")



The place to be happy is here.
The time to be happy is now.
The way to be happy
is to make others happy.
(Ma Yogashakti Saraswati)

I will travel through this life but one time.
Any good thing that I can do or any kind act that I can show to any other person, I must do now.
I must not put it off, or choose not to do it, for I will not come this way again.
(Stephen Grellet)

The best parts of a good person´s life
are the little secret acts of love that no one remembers.
(William Wordsworth)

If you help others, forget it.
If others help you, remember it.
(Chilon)



Forced to choose between turning against my country or turning against my friend,
I pray that I would have the strength to turn against my country.
(E. M. Forster)

We have enough religion to make us hate,
but not enough to make us love each other.
(Jonathan Swift)

The living need love more than the dead.
(George Arnold)



If you build love on good looks,
it will die as quickly as the good looks die.
(John Donne)

Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
(Antoine de St.-Exupéry)

Mit der Liebe und der Entfernung
ist es wie mit dem Feuer und dem Wind:
Ist das Feuer zu schwach, bläßt es der Wind aus.
Ist es aber groß, so wird es noch größer.
(unbekannt)

Gefühle kann man nicht beschreiben, nur geben...
und auch das nicht immer, denn man kann sie auch zurückhalten -
aus Scheu,
aus Angst,
aus Rücksichtnahme,
aus Trotz
und Unsicherheit.
Wenn ich könnte würde ich dir meine per Post schicken,
als Einschreiben - streng vertraulich - und mit Rückporto...
man kann ja nie wissen.
(Kristiane Allert-Wybranietz)


Liebevolle Gedanken an dich

In deinen Armen liegen und wissen, nicht bleiben zu können.
In deinen Augen versinken und wissen, wieder auftauchen zu müssen.
In deiner Nähe ertrinken und wissen, doch nicht daran zu sterben.
Sich dir öffnen können und wissen, nicht ausgeraubt zu werden.
Das mag wohl Liebe sein.
(Kristiane Allert-Wybranietz)



Om

Obwohl er nahe der Vollendung war, und an seiner letzten Wunde trug, schien ihm doch, diese Kindermenschen seien seine Brüder, ihre Eitelkeiten, Begehrlichkeiten und Lächerlichkeiten verloren das Lächerliche für ihn, wurden begreiflich, wurden liebenswert, wurden ihm sogar verehrungswürdig. Die blinde Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, den dummen, blinden Stolz eines eingebildeten Vaters auf sein einziges Söhnlein, das blinde, wilde Streben nach Schmuck und nach bewundernden Männeraugen bei einem jungen, eitlen Weibe, alle diese Triebe, alle diese Kindereien, alle diese einfachen, törichten, aber ungeheuer starken, stark lebenden, stark sich durchsetzenden Triebe und Begehrlichkeiten waren für Siddhartha jetzt keine Kindereien mehr, er sah um ihretwillen die Menschen leben, sah sie um ihretwillen Unendliches leisten, Reisen tun, Kriege führen, Unendliches leiden, Unendliches ertragen, und er konnte sie dafür lieben, er sah das Leben, das Lebendige, das Unzerstörbare, das Brahman in jeder ihrer Leidenschaften, jeder ihrer Taten. Liebenswert und bewundernswert waren diese Menschen in ihrer blinden Treue, ihrer blinden Stärke und Zähigkeit.
(aus Hermann Hesse: Siddhartha)

Hört auf, das Böse überwinden zu wollen durch das Böse. Bekämpft nicht ewig die eine Hölle, indem ihr die andere öffnet. Setzt die Kraft der Liebe gegen alles, was zerstört; sie ist das einzig Konstruktive.
(Ein Mann aus Nazareth im Angesicht seines eigenen Todes)


Finger weg!

Vom Standpunkt eines Konsumenten aus gesehen ist das Produkt Liebe äußerst bedenklich:
kein Ablaufdatum,
keine Garantie,
keine Beschreibung möglicher Nebenwirkungen,
kein durchschaubares Preis-Leistungs-Verhältnis,
keine Qualitätskriterien,
kein Rückgabe- und Umtauschrecht,
keine Versicherungsmöglichkeit.

Also: Finger weg!
(Ernst Ferstl)



Gesetzlosigkeit

Für Liebende gelten die Gesetze der Schwerkraft nicht.
Wenn sie sich in die Arme schließen, öffnen sie sich -
wenn sie loslassen, finden sie festen Halt -
wenn sie sich fallen lassen, schweben sie Richtung Himmel.
(Ernst Ferstl)

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind. Weil der Einzelne das nur unvollkommen vermag, hat man in den Religionen und Philosophien versucht, die Frage tröstend zu beantworten.
Diese Antworten laufen alle auf das Gleiche hinaus: den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.
(Hermann Hesse)

Man muß ein halbes Leben daranwenden, um einzusehen, daß sich die Waage des Daseins nur im Gleichgewicht halten lässt, wenn man zweierlei in die Schalen legt: Geduld und Liebe.
(K. H. Waggerl)

Nur ein anderer Mensch mit seiner Liebe kann dir sagen: Dich müsste man erfinden, wenn es dich nicht gäbe!
(Eugen Drewermann)

Es gibt nicht ein Reich der Lebenden und ein Reich der Toten.
Es gibt nur ein einziges Reich der Liebe, in dem wir auf immer gemeinsam sind.
(Georges Bernanos in seinem Roman ´Tagebuch eines Landpfarrers´)



VERMEHRUNG

Begonnen
hat unsere Beziehung
mit einem herzlichen Lächeln.

Hast du
schon bemerkt,
was daraus
geworden ist?

Es sind
zwei lachende Herzen.
(Ernst Ferstl)

Güte in den Worten erzeugt Vertrauen;
Güte im Denken erzeugt Tiefe;
Güte beim Verschenken erzeugt Liebe.
(Lao-tse)


Eine Bhakti-Yoga-Legende
(Bhakti-Yoga ist der Weg der selbstlosen Liebe)


Ein reicher Mann, dem alles Glück der Erde beschieden war, wurde plötzlich vom Unglück verfolgt. Seine Frau wurde ihm genommen, seine Kinder verließen ihn, er verlor allen Besitz und allen Reichtum. Auch seine Freunde verließen ihn.
Nur sein treuer Hund begleitete ihn bis zum Lebensende. Er blieb seinem Herrn in Liebe zugetan, selbst als beide Bettler waren und Hunger leiden mussten.
Mit Fassung trugen sie ihr Elend und landeten schließlich vor der Himmelspforte. Der Pförtner schaute im Buch des Lebens nach und fand den Namen des Mannes. „Komm herein!“ sagte er und aller Glanz des Himmels wurde beim Öffnen der Türe sichtbar. „Aber ohne Hund! Tiere haben im Himmel keinen Zutritt!“
Da antwortete der Mann ohne Zögern: „Mein Hund ist auch ein Geschöpf Gottes. Es ist das einzige Wesen, das mir ein Leben lang selbst in bitterster Not in Liebe ergeben war. Ich werde ihn nicht verlassen. Lieber verzichte ich auf den Himmel.“ Er drehte sich um und wollte gehen.
Im selben Moment erschien Gott persönlich und sprach: „Du hast soeben deine letzte Prüfung bestanden. Du hättest aus Liebe zu einem Tier sogar auf den Himmel verzichtet. Kommt beide herein!“



Was die Bibel mit der Geburt Jesu in Bethlehem meint, hat indessen noch einen deutlich anderen Akzent. Im Grunde erzählt die Legende von der Geburt Jesu davon, dass ein Kontrast vorhanden ist. Man bewundert in den Tagen Jesu Kaiser Augustus. Das ist ein Programm, das wir heute noch in der amerikanischen Philosophie vom Frieden, in der Nato-Philosophie von Verantwortung etabliert finden: Friede wird sein, wenn überall römische Legionen dafür sorgen, dass die Völker Untertanen Roms bleiben. Man hat ein einheitliches Recht, eine einheitliche Sprache, man legt Wasserleitungen und entwickelt die Kultur, und im Übrigen hat man ein Recht, die Welt für sich zu nutzen. Friede ist Zentralismus von Herrschaft und Gewalt. Das ist die Definition: Du hast den Frieden, wenn du stark genug bist, gegen jeden Feind, der diese Art von definierter Regierungsform stören könnte, brutal mit Krieg vorzugehen. Genau gegen das, was das Römische Reich und eigentlich die ganze abendländische Politik und Kultur entwickelt haben, setzt das Bild von Bethlehem den wirklichen König. Das Neue Testament möchte sagen, die Vorstellung von dem wahren König hat nichts mehr zu tun mit König David, hat nichts zu tun mit Kaiser Augustus. Wenn Gott im menschlichen Herzen wirklich Macht ergreift, dann lehrt er, die Welt aus der Perspektive der Notleidenden zu betrachten, nicht der Regierenden. Dann ist die Frage nicht mehr, wie kann man Stimmen einfangen, wie kann man Geld aufhäufen, wie kann man Macht akkumulieren. Dann ist die wirkliche Frage, was brauchen die Menschen, die nicht ein noch aus wissen? Wie hilft man den moralisch Entrechteten, wie hilft man den sozial Ausgegrenzten, wie hilft man den psychisch am Rande Stehenden? Das wir die Frage sein. Und wer ihr folgt mit ganzem Herzen, wird eine unglaubliche Macht haben, einfach weil er sie gar nicht haben will. Es ist in dieser Welt nur nötig, ein wenig die Sprache der Liebe zu reden. Und das hat eine enorme Sogkraft.
(Eugen Drewermann)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?", "Warum der Vogel singt" und "Zeiten des Glücks"


Der einzige Fortschritt

Der Meister klagte über die Übel des Konkurrenzkampfes.
"Holen Wettbewerb und Konkurrenzkampf nicht das Beste aus uns heraus?" fragte jemand.
"Sie holen das Schlimmste aus uns heraus, denn sie lehren dich das Hassen."
"Was hassen?"
"Dich selbst - denn du läßt zu, daß deine Aktivität von deinem Konkurrenten bestimmt wird und nicht von deinen Erfordernissen und Grenzen. Andere - denn du versuchst, auf ihre Kosten vorwärtszukommen."
"Das hieße dann aber, alle Veränderung und allen Fortschritt zu Grabe zu tragen", erhob einer Widerspruch.
Sagte der Meister: "Der einzige Fortschritt, den es gibt, ist der Fortschritt der Liebe. Die einzige Veränderung, die wert ist, erstrebt zu werden, ist die Veränderung des Herzens."




Die Weißen oder die Schwarzen?

Ein Schäfer weidete seine Schafe, als ihn ein Spaziergänger ansprach.
"Sie haben aber eine schöne Schafherde. Darf ich Sie etwas in bezug auf die Schafe fragen?" - "Natürlich", sagte der Schäfer. Sagte der Mann: "Wie weit laufen ihre Schafe ungefähr am Tag?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Die weißen laufen ungefähr vier Meilen täglich." - "Und die schwarzen?" - "Die Schwarzen genausoviel."
"Und wieviel Gras fressen sie täglich?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Die weißen fressen ungefähr vier Pfund Gras täglich." - "Und die schwarzen?" - "Die schwarzen auch."
"Und wieviel Wolle geben sie ungefähr jedes Jahr?" - "Welche, die weißen oder die schwarzen?" - "Die weißen." - "Nun ja, ich würde sagen, die weißen geben jedes Jahr ungefähr sechs Pfund Wolle zur Schurzeit." - "Und die schwarzen?" - "Die schwarzen genausoviel."
Der Spaziergänger war erstaunt. "Darf ich Sie fragen, warum Sie die eigenartige Gewohnheit haben, Ihre Schafe bei jeder Frage in schwarze und weiße aufzuteilen?" - "Das ist doch ganz natürlich", erwiderte der Schäfer, "die weißen gehören mir, müssen Sie wissen." - "Ach so! Und die schwarzen?" - "Die schwarzen auch", sagte der Schäfer.

Der menschliche Verstand schafft törichte Kategorien, wo Liebe nur eine sieht.



Möchtest du wirklich gerne leben? Genieße deine Sinne, deinen Geist. Lerne deine Arbeit schätzen, die Natur, erlebe die Berge und den Wald, eine sternenklare Nacht. Meide große Menschenansammlungen. Lerne, allein zu sein. In der Einsamkeit wird die Liebe entstehen.



Die vollkommene Liebe vertreibt unsere Angst, denn sie hat keine Wünsche, keine Ansprüche, sie schachert nicht, sie beurteilt nicht, hat keine negativen Befürchtungen. Die Liebe ist einfach, ist da, sieht und handelt.



Löwenzahn

Ein Mann, der sehr stolz auf seinen Rasen war, stand plötzlich vor einer mit Löwenzahn übersäten Wiese. Er versuchte alles nur Denkbare, um den Löwenzahn loszuwerden, aber der kam immer wieder.
Schließlich schrieb er an das Landwirtschaftsministerium. Er zählte auf, was er alles versucht hatte, und schloss mit der Frage: "Was soll ich jetzt tun?" Zu gegebener Zeit kam die Antwort: "Wie wär´s, wenn Sie versuchten, ihn schön zu finden und den Löwenzahn zu lieben?"

Auch ich hatte einen Rasen, auf den ich stolz war, und auch ich wurde von Löwenzahn heimgesucht, den ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln beseitigen wollte. Es war also nicht leicht, ihn schön zu finden.
Ich begann, jeden Tag mit dem Löwenzahn zu reden, herzlich, freundlich. Er antwortete nur mit verdrossenem Schweigen. Die Pflanzen litten noch unter dem Krieg, den ich gegen sie geführt hatte. Wahrscheinlich kamen ihnen meine Beweggründe auch etwas verdächtig vor.
Aber nicht lange, dann lächelten sie zurück, und entspannten sich. Und antworteten sogar auf das, was ich ihnen sagte. Bald waren wir gute Freunde.
Mein Rasen war natürlich verdorben. Aber wie schön wurde mein Garten!

Er wurde nach und nach blind. Und er kämpfte dagegen mit allen in seiner Macht stehenden Mitteln. Und als die Medizin nichts mehr ausrichten konnte, wehrte er sich mit Emotionen. Ich brauchte Mut, ihm zu sagen: "Ich schlage vor, du lernst deine Blindheit zu lieben."
Es war ein Kampf. Zunächst weigerte er sich, sich auf irgendetwas einzulassen, auch nur ein einziges Wort dazu zu sagen. Und als er sich schließlich überwand, mit seiner Blindheit zu sprechen, waren seine Worte böse und bitter. Aber er sprach weiter, und langsam änderten sich seine Worte und drückten nun Resignation, Toleranz und Einwilligung aus. Und eines Tages wurden sie zu seinem großen Erstaunen freundlich und liebevoll. Dann kam der Tag, als er seine Blindheit umarmen und sagen konnte: "Ich liebe dich." An diesem Tag sah ich ihn wieder lächeln, und wie anziehend war dieses Lächeln!
Seine Sehkraft war natürlich für immer verloren. Aber wie schön wurde sein Gesicht, viel schöner als zuvor, ehe Blindheit sein Leben teilte.


Revolution

Es gab Regeln im Kloster, aber der Meister rief immer zur Vorsicht gegenüber der Tyrannei des Gesetzes auf.
"Gehorsam hält die Regeln ein", pflegte er zu sagen, "Liebe weiß, wann sie zu brechen sind."


Offenbarung

Die Mönche eines Nachbarklosters baten den Meister um Hilfe in einem Streit, der unter ihnen ausgebrochen war. Sie hatten den Meister sagen hören, seine Technik garantiere jeder Gruppe Liebe und Harmonie.
Bei dieser Gelegenheit gab er sie preis: "Jedes Mal, wenn ihr mit irgendjemand zusammen seid oder an jemand denkt, müßt ihr euch sagen: ich sterbe und diese Person stirbt auch, und dabei versuchen, die Wahrheit dieser Worte, die ihr sprecht, wirklich zu erfassen. Wenn jeder von euch dazu bereit ist, wird jede Gereiztheit vergehen und Harmonie sich ausbreiten."
Nach diesen Worten ging er.



Je mehr du die anderen liebst, desto besser kommst du ohne sie aus.
Je mehr du die anderen liebst, desto besser kommst du mit ihnen aus.



Von der Zeit:


Dinge zu besitzen kostet Zeit.
Auf Dinge zu verzichten,
die wir nicht brauchen,
bringt Zeit -
eine andere Art von Reichtum!
(gehört von Brigitte Guber)

Manche Leute halten einen vollen Terminkalender
für ein erfülltes Leben.
(Uhlenbruck)



Es ist nicht wenig Zeit, die wir zur Verfügung haben.
Es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen!
(Seneca)

Wir könnten Menschen sein.
Einst waren wir schon Kinder.
Wir sahen Schmetterlinge.
Wir standen unterm silbernen Wasserfall.
Wir sahen alles.
Wir hielten die Muscheln ans Ohr.
Wir hörten das Meer.
Wir hatten Zeit.
(Max Frisch)


Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag

Wir sollten auch die gegenwärtige Stunde achten, den heutigen Tag.
Wie soll es morgen leben können, wenn wir es heute nicht bewusst, verantwortungsvoll leben lassen?
(Janusz Korczak)



Hier und Jetzt

Laufe nicht der Vergangenheit nach,
verliere dich nicht in der Zukunft.
Die Vergangenheit ist nicht mehr.
Die Zukunft ist noch nicht gekommen.
Das Leben ist hier und jetzt.
(Buddha)

Es nutzt nichts, auch wenn Du tausend Mal an der Olive zupfst -
sie wird deshalb doch nicht früher reif.
(aus der Toscana)

Die modernste Form menschlicher Armut ist das Keine-Zeit-Haben.
(Ernst Ferstl)

Wer nach der Uhr lebt, muss damit rechnen, dass ihm sein Leben mit der Zeit auf den Wecker geht.
(Ernst Ferstl)

ZEIT ist keine Schnellstraße zwischen Wiege und Grab,
sondern Platz zum Parken in der SONNE.
(Phil Bosmans)

Mit Uhren kennen wir uns nicht aus.
Wir tun die Dinge dann, wenn wir bereit sind.
(Irokesen Sachem)



Ein Mann fährt zu ´nem Blitzbesuch
zu seinem Vater auf das Dorf,
der Vater füttert grade Katzen.
Der Mann sagt: "Tag, ich bleib nicht lang,
hab eigentlich gar keine Zeit,
ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

Ich hetz mich ab und schaffe nichts,
ich bin nur noch ein Nervenwrack,
woher nimmst du nur deine Ruhe?"
Der Alte kratzt sein linkes Ohr,
und sagt: "Mein Lieber, hör gut hin,
ich mach es so, es ist ganz einfach:

Wenn ich schlafe, schlafe ich,
wenn ich aufsteh´, steh ich auf,
wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich esse, ess´ ich,
wenn ich schaffe, schaffe ich,
wenn ich plane, plane ich,
wenn ich spreche, spreche ich,
wenn ich höre, hör´ ich."

Der Mann fragt: "Was soll dieser Quatsch,
das alles mache ich doch auch,
und trotzdem find´ ich keine Ruhe?"
Der Alte kratzt sein linkes Ohr,
und sagt: "Mein Lieber, hör gut hin,
du machst es alles etwas anders:

Wenn du schläfst, stehst du schon auf,
wenn du aufstehst, gehst du schon,
wenn du gehst, dann isst du schon,
wenn du isst, dann schaffst du,
wenn du schaffst, dann planst du schon,
wenn du planst, dann sprichst du schon,
wenn du sprichst, dann hörst du schon,
wenn du hörst, dann schläfst du!"

"Wenn ich schlafe, schlafe ich,
wenn ich aufsteh´, steh ich auf,
wenn ich gehe, gehe ich,
wenn ich esse, ess´ ich,
wenn ich schaffe, schaffe ich,
wenn ich plane, plane ich,
wenn ich spreche, spreche ich,
wenn ich höre, hör´ ich."
(Gerhard Schöne)



Wenn es irgendetwas geben sollte, das ich gerade
jetzt für die Zukunft tun kann, dann werde ich es auch tun.
Dabei lasse ich es dann bewenden und erfreue mich
an dem jetzigen Augenblick, denn meine Lebenserfahrung
hat mir gezeigt, dass ich mich einer Situation
nur dann stellen kann, wenn sie tatsächlich da ist,
nicht bevor sie eintritt. Immer noch hat mir die Gegenwart
die Möglichkeiten und die Energie gegeben, die ich brauche,
um mit ihr fertig zu werden.
(Anthony de Mello)

Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein!
Und nehm ich den in acht,
so ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.
(Andreas Gryphius)

Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, d a s würde L e b e n heißen.
(Friedrich Hebbel)

Meine mangelnde Schnelligkeit nennst du Langsamkeit.
Meine Langsamkeit ist dein Problem. Hör endlich auf,
mich mit DEINEN Problemen zu behelligen.
(Äußerung von einem behinderten Kind)

Die Zukunft ist eine "undankbare" Person,
die grad nur diejenigen quält, die sich sorgsam um sie kümmern.
(Johann Nestroy)

Die Menschen, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.
(Lichtenberg)

Zeit haben nur diejenigen, die es zu nichts gebracht haben.
Und damit haben sie es weiter gebracht als alle anderen.
(Giovanni Guareschi)



Die meiste Zeit verliert man damit, dass man Zeit gewinnen will.
(John Steinbeck)


"Siehst du, Momo", sagte Beppo Straßenkehrer dann zum Beispiel, "es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: "Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen."
Er dachte einige Zeit nach, dann sprach er weiter: "Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer nur an den nächsten."
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: "Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein."
Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: "Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste."
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: "Das ist wichtig."
(aus: Michael Ende, Momo)


Von roten Ampeln ...

Hält mich eine rote Ampel auf, so frage ich mich sofort: „Wird die Ampel schneller grün, wenn ich mich jetzt ärgere, wenn ich jetzt ungeduldig werde?“
Wozu also sinnlos wertvolle Energien verschleudern?

Wer auf dem Weg zur Sonne ist,
kommt durch ein paar hektische Luftsprünge
auch nicht schneller voran.
(Peter Ustinov)




Am Strassenrand

Sauerampfer färbt das Feld rotscheinend.
Farben fließen ineinander, ergeben Harmonie von weiten Wiesen.
Und wir zerschneiden diese Landschaften mit grauen Straßenbändern,
auf denen wir - zu schnell für unser Auge - dahin rasen in unseren Autos.
Wohin so eilig, Mensch?
(Kristiane Allert-Wybranietz)

Ein HUP ist die Zeitspanne zwischen dem Aufleuchten des grünen Lichts einer Ampel und dem Beginn des Hupkonzerts hinter dem ersten Wagen.
(unbekannt)

Ich habe meinen Emile nicht erzogen, damit er etwas wünsche und erwarte, sondern damit er sich freue; ... daß er mit seinen Gedanken immer mehr beim Gegenwärtigen als beim Zukünftigen weilt...
Was soll man von jener barbarischen Erziehung halten, die die Gegenwart einer ungewissen Zukunft opfert, die also das Kind mit allerlei Fesseln belastet und von vornherein unglücklich macht, um es auf irgendein in weiter Ferne liegendes Glück vorzubereiten, das es vielleicht nie erreicht?
(Jean-Jacques Rousseau in seinem Erziehungsroman „Emile“)



Die ganze Kunst des Lebens steckt wohl darin, in jedem Augenblick immer das Nächste, immer nur den Anfang zu wollen und das Ende Gott befohlen sein zu lassen (im redensartlichen und im ernsthaften Sinne der Redensart)... Das rächt sich immer, wenn man sich das Nächste, was vor einem steht, zum bloßen Mittel für das, was nachher kommen soll, erniedrigt. Man muß das Nächste so tun, als gäbe es weiter gar nichts. Es gibt auch weiter gar nichts. Schon das Übernächste geht uns nicht mehr an.
(Franz Rosenzweig)

Ich bin verantwortlich für den heutigen Tag meines Zöglings, es ist mir kein Recht gegeben, sein zukünftiges Schicksal zu beeinflussen und mich da einzumischen...
Der Erzieher ist nicht verpflichtet, Verantwortung für die entfernte Zukunft auf sich zu nehmen – aber er ist voll verantwortlich für den heutigen Tag. Ich weiß, daß dieser Satz Mißverständnisse wecken wird. Man denkt es gerade umgekehrt, meiner Überzeugung nach falsch, wenn es ehrlich gemeint ist. Aber ehrlich? Vielleicht verlogen. Es ist leichter, die Verantwortung hinauszuschieben, sie in ein nebelhaftes Morgen zu übertragen, als schon heute über jede Stunde Rechenschaft abzulegen. Der Erzieher ist mittelbar auch für die Zukunft vor der Gesellschaft verantwortlich, aber unmittelbar trägt er Verantwortung in erster Linie vor seinem Zögling für die Gegenwart.
(Janusz Korczak)



Wir sollten Achtung haben vor den Geheimnissen und Schwankungen der schweren Arbeit des Wachsens!
Wir sollten auch die gegenwärtige Stunde achten, den heutigen Tag. Wie soll es morgen leben können, wenn wir es heute nicht bewußt, verantwortungsvoll leben lassen? Wir sollten jeden einzelnen Augenblick achten, denn er stirbt und wiederholt sich nicht, und immer sollten wir ihn ernst nehmen; wird er verletzt, so bleibt eine offene Wunde zurück, wird er getötet, so erschreckt er uns als ein Gespenst böser Erinnerungen.
Lassen wir das Kind doch unbeschwert die Freude des frühen Morgens genießen und vertrauen. Das Kind will es eben so. Die Zeit ist ihm nicht zu schade für ein Märchen, für ein Gespräch mit seinem Hund, fürs Ballspielen, fürs genaue Betrachten eines Bildes, fürs Nachzeichnen eines Buchstabens – aber all das mit Freude. Es hat recht. In unserer Naivität fürchten wir den Tod und wissen nicht, daß das Leben ein Reigen vergehender und wieder neu entstehender Augenblicke ist...
Unbeholfen teilen wir die Jahre in mehr oder weniger reife auf; es gibt gar kein unreifes Heute, keine Hierarchie des Alters, keinen höheren oder tieferen Rang des Schmerzes und der Freude, der Hoffnung und Enttäuschung. Wenn ich mit einem Kinde spiele oder spreche, dann haben sich zwei gleichwertig reife Augenblicke in meinem und in seinem Leben verbunden; wenn ich mit einer Kinderschar zusammen bin, dann begrüße oder verabschiede ich immer ein einzelnes einen Augenblick lang mit einem Blick oder einem Lächeln. Wenn ich in Gegenwart eines Kindes ärgerlich bin, dann vergewaltigt und vergiftet nur mein böser, rachsüchtiger Augenblick den reifen und wichtigen Augenblick in seinem Leben.
(Janusz Korczak)


Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Zeitlos

Sagte der Tourist: "Die Leute in Ihrem Land sind arm. Doch sie scheinen sich nie Sorgen im voraus zu machen."
Sagte der Meister: "Das liegt daran, daß sie nie auf die Uhr schauen."




Keine Zeit

Die Besucher waren immer wieder von der Ruhe und Muße des Meisters beeindruckt.
"Ich habe gar nicht die Zeit, um in Eile zu sein", konnte er sagen.



"Mein Leiden ist unerträglich."
Sagte der Meister: "Der gegenwärtige Augenblick ist niemals unerträglich, vielmehr, was du in den nächsten fünf Minuten oder in den nächsten fünf Tagen auf dich hereinbrechen siehst, ist es, was dich verzweifeln lässt. Mit dem Körper hier zu sein, um acht Uhr abends, und in Gedanken auf halb elf zu stehen, das bringt Probleme. Hör auf, in die Zukunft zu leben."


Genießen

Von einer Reise zurückgekehrt, erzählte der Meister von einer Begebenheit, die er für ein Gleichnis des Lebens hielt.
Während eines kurzen Aufenthalts ging er an einen einladend aussehenden Essensstand, an dem köstliche Suppen, heißer Curry und alle möglichen verlockenden Gerichte angeboten wurden.
Er bestellte eine Suppe.
"Gehören Sie zu dem Bus?" fragte fürsorgend die Bedienung. Der Meister nickte.
"Es gibt keine Suppe."
"Heißen Curry mit gedämpftem Reis?" fragte der Meister irritiert.
"Nein, wenn Sie zum Bus gehören. Sie können belegte Brote haben. Ich habe den ganzen Morgen gebraucht, um diese Speisen zuzubereiten, und Sie haben kaum zehn Minuten Zeit zum Essen. Ich möchte Sie kein Gericht verzehren lassen, für das Sie nicht die Zeit haben, es zu genießen."


Wer bringt das Pferd zum Fliegen?

Im alten Indien verurteilte ein König einen Mann zum Tode.
Der Mann bat den König, das Urteil aufzuheben, und fügte hinzu: "Wenn der König gnädig ist und mein Leben schont, werde ich seinem Pferd innerhalb eines Jahres das Fliegen beibringen."
"Es sei", sagte der König, "aber wenn das Pferd in dieser Zeit nicht fliegen lernt, wirst du dein Leben verlieren."
Als seine Familie voll Sorge den Mann später fragte, wie er sein Versprechen einlösen wolle, sagte er: "Im Lauf eines Jahres kann der König sterben. Oder das Pferd kann sterben, oder es kann fliegen lernen. Wer weiß das schon?"




Gesichtspunkte

Im Kloster gab es keine Uhren. Als sich ein Geschäftsmann über mangelnde Pünktlichkeit beklagte, sagte der Meister: "Bei uns herrscht eine kosmische Pünktlichkeit und keine geschäftliche Pünktlichkeit."
Der Geschäftsmann sah darin keinen Sinn. Und so fügte der Meister hinzu: "Alles hängt vom Gesichtspunkt ab. Was bedeutet aus der Sicht des Waldes der Verlust eines Blattes? Was bedeutet aus der Sicht des Kosmos der Verlust deines Terminkalenders?"



Die besten Dinge des Lebens sind uns geschenkt. Dinge wie das Sehvermögen, Gesundheit, Liebe, Freiheit und das Leben selbst. Schade nur, dass wir uns an ihnen nicht recht erfreuen. Wir sind zu sehr von dem Gedanken belastet, dass wir nicht genug von sehr nebensächlichen Dingen besitzen: wie Geld, gute Kleider und Ruhm.
Als ich einmal zurück in meine Heimat flog, hatte das Flugzeug Verspätung, und ich war verärgert. Als es dann den Flughafen erreicht hatte, kreiste es fast eine halbe Stunde wegen "technischer Schwierigkeiten", wie es diskret hieß, über dem Flughafen, was uns noch mehr verspätete. Diese halbe Stunde war voller Spannung und Sorgen. Du kannst dir unsere Erleichterung vorstellen, als wir landeten. Was war mit meinem Ärger geschehen? Der war verflogen. Wir waren sehr froh, sicher auf der Erde zu sein. Die Verspätung war nun eine dumme Kleinigkeit. Doch erst die Möglichkeit eines schweren Unfalls führte uns das vor Augen.



Noch etwas ist notwendig, um lebendig zu sein: jetzt zu sein. Was heißt das? Es heißt in erster Linie, etwas zu verstehen, was die wenigsten verstehen, nämlich: dass die Vergangenheit nicht die Wirklichkeit ist, ebensowenig wie die Zukunft, und dass in der Vergangenheit und in der Zukunft zu leben bedeutet, tot zu sein. Mir ist durchaus klar, dass es in der Vergangenheit viele wunderbare Dinge gibt, aus denen wir auch etwas lernen können, und dass die Vergangenheit uns beeinflusst und formt. Gut! Aber sie ist nicht die Wirklichkeit.



Ein junger Manager rief eines Tages seinen Auslandsvertreter an und sagte kurz angebunden: "Ich rufe an, weil ich Anweisungen geben will. Der Anruf wird nur drei Minuten dauern. Ich werde sprechen und bitte Sie, nicht zu unterbrechen. Irgendwelche Anmerkungen dazu oder Fragen kabeln Sie bitte später."
Dann begann er, seine Anweisungen durchzugeben. Er tat das so schnell, dass er schon vor der Zeit fertig war. "Wir haben noch zwanzig Sekunden übrig", sagte er dem Mann am anderen Ende. "Haben Sie etwas dazu zu sagen?"
"Ja", kam die Antwort, "Sie haben so schnell gesprochen, dass ich nicht ein Wort verstehen konnte."



Unser Hund Brownie saß in perfekter Habachtstellung mit gespitzten Ohren, nervös mit dem Schwanz wedelnd, und blickte aufmerksam hinauf in einen Baum. Er hatte es auf einen Affen abgesehen. Nur eine Sache beschäftigte ihn: der Affe. Und da er nicht denken kann, störte kein einziger Gedanke seine völlige Versenkung: kein Gedanke daran etwa, was er abends fressen würde, ob es überhaupt etwas zum Fressen geben oder wo er schlafen würde. Ich habe noch kein Wesen gesehen, das dem Inbegriff von Kontemplation so nahe kam wie Brownie. Vielleicht hast du selbst schon einmal Ähnliches erfahren, z. B. bei der Beobachtung eines spielenden Kätzchens, das dich völlig in Anspruch nahm. Das ist ein Weg, um einen Zustand der Versenkung zu erreichen, der auch nicht schlechter ist als andere, die ich kenne: sich völlig der Gegenwart hingeben.
Ein bisschen viel verlangt, in der Tat: jeden Gedanken an die Zukunft fallen zu lassen, desgleichen jeden Gedanken an die Vergangenheit - im Grunde jeden Gedanken überhaupt -, auch jede Zeitrechnung und völlig in der Gegenwart leben. Dann wird man Versenkung erleben!


So schnell es geht

Der Meister wurde gefragt, was er von den Errungenschaften der modernen Technik halte. Seine Antwort war:
Einem zerstreuten Professor fiel in letzter Minute ein, dass er eine Vorlesung halten musste. Er sprang in ein Taxi und rief: "Los, fahren Sie, so schnell Sie können!"
Als das Taxi in voller Fahrt war, merkte der Professor, dass er dem Fahrer gar nicht das Ziel angegeben hatte. "Wissen Sie denn, wohin ich möchte?" rief er ihm zu.
"Nein, mein Herr", sagte der Taxifahrer, "aber ich fahre, so schnell ich kann."



Antreiben

Stets überließ der Meister jedem, das Tempo der eigenen Entwicklung zu bestimmen. Man wußte, daß er nie "antrieb". Er erklärte das mit folgendem Gleichnis:
Ein Mensch sah zu, wie ein Schmetterling sich anstrengte, aus seiner Puppe zu schlüpfen. Es ging ihm nicht schnell genug, also begann er, sanft darauf zu blasen. Sein warmer Atem beschleunigte tatsächlich den Prozeß. Aber was herauskroch, war kein Schmetterling, sondern eine Kreatur mit übel zugerichteten Flügeln.
"Einen Wachstumsprozeß", schloß der Meister, "kann man nicht beschleunigen, man kann ihn nur abbrechen."



Um Frieden zu finden, gibt es kein Sofortrezept.
Man muß ihn mit Ruhe suchen.


Die Gelegenheit

Ein junger Mann beschrieb voller Ungeduld, was für die Armen zu tun ihm vorschwebte.
Sagte der Meister: "Wann möchtest du deinen Traum wahr machen?"
"Sobald die Gelegenheit dafür kommt."
"Die Gelegenheit kommt nie", sagte der Meister, "sie ist da."



Was die Schnecke hat

Die Tiere hielten ein Versammlung ab und begannen, sich darüber zu beklagen, dass die Menschen ihnen immer wieder Dinge wegnehmen.
„Sie nehmen meine Milch“, sagte die Kuh.
„Sie nehmen meine Eier“, sagte die Henne.
„Sie nehmen mein Fleisch und machen Speck daraus“, sagte das Schwein.
„Sie machen Jagd auf mich wegen meines Öls“, sagte der Wal.
Und so ging es fort.
Schließlich sprach die Schnecke. „Ich habe etwas, was sie gerne hätten, und zwar mehr als alles andere. Etwas, was sie mir gerne wegnähmen, wenn sie könnten. Ich habe Zeit.“



Von ehemaligen KZ-Insassen:


"Herr, gedenke nicht nur der Männer und Frauen guten Willens,
sondern auch aller böswilligen.
Gedenke nicht nur all der Leiden,
die wir unter ihrem Joch zu erdulden haben.
Gedenke auch der Früchte,
die wir dank dieser Leiden hervorgebracht haben
- unserer Kameradschaft, unserer Treue,
unserer Demut, unserer Tapferkeit und Hochherzigkeit,
der Herzensgröße, die das alles inspirierte.
Und wenn sie dann vor den Richter treten,
lass all diese Früchte, die wir hervorgebracht haben,
ihnen zur Vergeltung und zur Vergebung gereichen."
(Hierbei handelt es sich um ein Gebet, das auf ein Stück Packpapier aufgeschrieben und im Konzentrationslager Ravensbrück gefunden worden war.)



Es gibt erfülltes Leben
trotz vieler unerfüllter Wünsche.
(Dietrich Bonhoeffer)

Man muss sich durch die kleinen Gedanken,
die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden
zu den großen Gedanken, die einen stärken.
(Dietrich Bonhoeffer)

Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alles zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es ihm nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube, daß er kein zeitloses Faktum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gespräche mit ihm und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
(Dietrich Bonhoeffer)

Es hat oberstes Ziel aller Erziehung zu sein, dass Auschwitz nicht noch einmal ist.
(Theodor W. Adorno)


First they came for the Jews
and I did not speak out -
because I was not a Jew.

Then they came for the communists
and I did not speak out -
because I was not a communist.

Then they came for the trade unionists
and I did not speak out -
because I was not a trade unionist.

Then they came for me -
and there was no one left
to speak out for me.
(Pastor Niemoeller, victim of the Nazis)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Musik der Unsterblichkeit

In einem Konzentrationslager lebte einmal ein Gefangener, der, obwohl er zum Tode verurteilt, furchtlos und frei war. Eines Tages sah man ihn mitten auf dem Gefängnisplatz Gitarre spielen. Eine große Menge versammelte sich um ihn, denn unter dem Zauber der Musik wurden alle genauso furchtlos wie er. Als die Gefängnisbeamten das merkten, verboten sie dem Mann zu spielen.

Aber am nächsten Tag war er wieder da, sang und spielte auf seiner Gitarre, und die Menge um ihn war größer als zuvor. Wütend schleppten ihn die Wärter weg und hackten seine Finger ab.

Am nächsten Tag war er wieder da, sang und spielte, so gut er mit seinen blutenden Fingern konnte. Dieses Mal jubelten ihm die Menschen zu. Die Wärter schleppten ihn fort und zerschlugen seine Gitarre.

Am nächsten Tag sang er aus ganzem Herzen. Was für ein Lied! So rein und beglückend! Die Menge fiel ein, und während des Singens wurden ihre Herzen so rein wie seines und ihr Geist genauso unbesiegbar. Dieses Mal waren die Wärter so wütend, daß sie ihm die Zunge ausrissen. Stille breitete sich über dem Lager aus, eine Ahnung von Unsterblichkeit.

Zu jedermanns Erstaunen war er am nächsten Tag wieder da und wiegte sich tanzend zu einer tonlosen Musik, die nur er hören konnte. Und bald faßten sich alle an den Händen und tanzten um diese blutende, zerbrochene Gestalt in der Mitte, während die Wärter wie angewurzelt dastanden.




Ein Strafgefangener in einem sibirischen Konzentrationslager wurde um vier Uhr morgens geweckt und erhielt ein Stück Brot, als Ration für den ganzen Tag. So gerne er dieses Stück Brot auf einmal gegessen hätte, sagte er sich: "Besser, ich hebe mir einen Teil auf, vielleicht brauche ich es heute nacht, wenn ich vor Hunger nicht schlafen kann. Wenn ich dann etwas zu essen habe, werde ich vielleicht wieder einschlafen können."
Nach einem langen Tag harter Arbeit streckte er sich müde auf seinem Lager aus, zog die Decke über sich, die ihn kaum wärmte, und sprach zu sich: "Heute war ein guter Tag. Ich musste nicht im eisigen Nordostwind arbeiten. Und wenn mich heute nacht der Hunger weckt, kann ich ein Stückchen Brot essen und weiterschlafen."
Kannst du dir die Freude und das Glück dieses Mannes vorstellen?
Freude findet man nicht in Äußerlichkeiten. Lös dich von dieser irrigen Ansicht, sonst findest du die Freude nie.


Kleine Dinge können einen sehr glücklich machen

Dies ist die Geschichte eines Gefangenen in einem Nazi-Gefängnis: Der Verhaftete wurde Tag und Nacht gepeinigt und gefoltert. Eines Tages wurde er in eine andere Zelle verlegt, die ein Dachfenster besaß, durch das er am Tag ein Stückchen blauen Himmel sehen konnte und nachts ein paar Sterne. Er war entzückt und schrieb über sein großes Glück nach Hause an seine Familie. So groß war seine Freude.

Ich las diese Geschichte und blickte aus meinem Fenster. Allen Überfluß der Natur sah ich vor mir. Und ich war frei und kein Gefangener, konnte gehen, wohin ich wollte! Ein Gebet der Freude erhob sich in mir, ausgelöst durch diesen armen Gefangenen.



Vom Glauben:


Wenn nicht geschieht, was wir wollen,
so wird geschehen, was besser ist.
(Martin Luther)

Gott stirbt nicht an dem Tag, an dem wir nicht mehr
an einen personalen Gott glauben.
Vielmehr sterben wir an dem Tag,
an dem unser Leben nicht mehr vom beständigen
Glanz der täglich erneuerten Wunder erhellt wird,
deren Quellen jenseits aller Vernunft liegen.
(Dag Hammarskjöld)



Nichts ist vorher zu berechnen;
alles ist Glück, Bestimmung oder,
richtiger ausgedrückt, Gottes Wille.
(Theodor Fontane)

Man sollte nicht ängstlich fragen:
"Was wird und kann noch kommen?"
Sondern sagen:
"Ich bin gespannt, was Gott jetzt noch mit mir vor hat!"
(Selma Lagerlöf)


"Was für ein Schöpfer? Wir sind einfach Produkte des Zufalls, haben uns von selbst zu immer größerer Vollkommenheit entwickelt."

Im Stillen schmunzeln und auf Gottes Plan vertrauen...
(Alexander Hölle)

Der Zufall ist der gebräuchlichste Deckname von Gottes Plan.
(Alexander Hölle)

Es ist moralisch notwendig, das Dasein Gottes anzunehmen.
(Immanuel Kant)



Ein gesundes Gottesbild ist Voraussetzung für wirkliches Leben.
(Anselm Grün)

Es ist etwas in unserem Herzen, was über die Welt hinausweist.
Wir erfahren es in unserer Sehnsucht.
(Anselm Grün)

Wer Glauben hat, der zittert nicht.
Er überstürzt nicht die Ereignisse, er ist nicht pessimistisch eingestellt.
Er verliert nicht die Nerven.
Glauben - das ist die Heiterkeit, die von innen kommt.
(frei nach Johannes XXIII.)



Der philosophische Glaube ist der Ursprung allen echten Philosophierens. Durch Nachdenken über Gott wird Gottes Sein nur immer fragwürdiger. Dass Gott ist, ist genug! Das wahre Wissen in diesem Felde ist darum ein "Wissen des Nichtwissens". Philosophische Existenz erträgt es, dem verborgenen Gotte nie direkt zu nahen.
(Karl Jaspers)

Ich halte es nicht für das Wichtigste, welchen Glauben
ein Mensch habe, sondern daß er überhaupt einen habe.
(Hermann Hesse)

Ich glaube, dass trotz des offensichtlichen Unsinns das Leben dennoch einen Sinn hat, ich ergebe mich darein, diesen letzten Sinn mit dem Verstand nicht erfassen zu können, bin aber bereit, ihm zu dienen, auch wenn ich mich dabei opfern muss.
Diesen Glauben kann man nicht befehlen und sich nicht zu ihm zwingen. Man kann ihn nur erleben. Wer es nicht kann, der sucht seinen Glauben dann bei der Kirche oder bei der Wissenschaft oder bei den Patrioten oder Sozialisten oder irgendwo, wo es fertige Moralen, Programme und Rezepte gibt.
(Hermann Hesse)



"Hoff, o du arme Seele,
und sei unverzagt.
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken.
Erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn´, der schönsten Freud.

Auf, auf, gib allem Schmerze
und Sorgen Gute Nacht.
Laß fahren was dein Herze
betrübt und traurig macht.
Ihn, ihn laß tun und walten,
er ist ein weiser Fürst,
und wird sich so verhalten,
daß du dich wundern wirst.
Wenn er - wie ihm gebühret -
mit wunderbarem Rat,
das Werk hinausgeführet,
das dich bekümmert hat.

Er wird dein Herze lösen,
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast."
(Paul Gerhart)

Dem Menschen einen Glauben schenken heißt,
seine Kraft verzehnfachen.
(unbekannt)



My country is the earth,
and my religion is to do good.
(Thomas Paine)

Über den Glauben eines anderen zu sprechen ist taktlos.
Über seinen eigenen Glauben zu sprechen verrät nur, dass man keinen hat.
(Hans Erich Nosack)

Alles, was ich bisher erlebt habe, lehrt mich, dem Schöpfer in all dem zu vertrauen, was ich noch nicht erlebt habe.
(frei nach Ralph Waldo Emerson)

"Das, was der Mensch braucht, steckt in ihm. Gott ist in jedem, man muss Gott nicht erst zu den Menschen tragen."
(aus einem Brief Josef Zeidlers)

"Aber ich habe noch einen Helfer gefunden: Die innere Stimme - oder das Gefühl. Es spielt keine Rolle, wie man es nennt.
Nur eines muss ich noch lernen - und Du weißt schon was: Den allgemeinen Lärm und die Hektik zu meiden, damit die innere Stimme nicht übertönt wird."
(aus einem Brief Josef Zeidlers)





Über Nacht

Noch glauben die Augen nicht, was sie da sehen,
das Ohr meint, es hat sich verhört.
Wir kneifen uns, denn der Verstand bleibt uns stehen,
begeistert, verwundert, verstört.

Über Nacht kann sich alles ändern,
alte Lehren melden den Bankrott,
die Gedanken tasten nach Geländern,
wohl dem, der einen Halt hat ...

Über Nacht rosten blanke Orden
und das Lob von gestern wird zum Spott,
mancher Ruhm ist zur Last geworden,
wohl dem, der einen Halt hat ...

Wir hatten schon lange vergessen zu hoffen,
der Griff der Gewalt machte lahm.
Jetzt sehen wir Fäuste und Herzen weit offen,
wir seh´n es mit Freude und Scham.

Über Nacht geh´n die kurzen Beine
langer Lügen plötzlich nicht mehr flott,
und die Wahrheit reißt sich von der Leine,
wohl dem, der einen Halt hat ...

Über Nacht können Gräber sprechen
und die Henker schleift man zum Schafott,
was einst Recht schien zeigt sich als Verbrechen,
wohl dem, der einen Halt hat ...

Und jubeln wir auch, wenn sich Völker befreien,
und müh´n wir uns, daß es gelingt,
steh´n wir doch auch ratlos und scheu vor dem Neuen
und fragen uns, was es wohl bringt.

Über Nacht können Sockel wanken,
und die Helden wandern auf den Schrott,
und mit ihnen wandern die Gedanken,
wohl dem, der einen Halt hat ...

Über Nacht können Völker beben,
droht nicht irgendwo schon ein Komplott?
Und wer weiß, wie wir morgen leben?
Wohl dem, der einen Halt hat ...
(Liedtext eines gläubigen Lehrers)





KARMA-YOGA

„So schön und einfach ist mein Leben: Geben, immer nur geben.“
(Inschrift eines alten Dorfbrunnens)

Karma-Yoga ist selbstloses Tun, selbstlose Arbeit.

Meine Großmutter war Bäuerin, Mutter von 12 Kindern. Ihr Leben erschöpfte sich in Arbeit von früh bis spät. In ihrem 86jährigen Leben kannte sie weder materiellen Lohn noch Urlaub. Selbst an Sonn- und Feiertagen stopften und strickten ihre Hände. Trotzdem strahlte sie immer Ruhe, Harmonie und heitere Gelassenheit aus.
Was macht ein solches Leben lebenswert?

Befragt darüber, gab sie zur Antwort: „Ich denke mir eben: In Gottes Namen“.

„In Gottes Namen“ etwas tun, heißt: In Einheit mit sich selbst und seiner Umgebung sein; in Selbstlosigkeit zum Wohle aller wirken.
Das ist Karma-Yoga.

Großmutter hatte einmal einem Pfarrer gebeichtet, dass ihre „täglichen Gebete“ wegen der vielen Arbeit viel zu kurz kämen. Der Geistliche, ein weiser Mann, gab ihr zur Antwort: „Deine selbstlose Arbeit ist das beste Gebet!“
(Franz Krabichler)

Es ist die belehrendste und erhabenste Lektüre, die auf der Welt möglich ist; sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens sein.
(Arthur Schopenhauer über die BHAGAVAD GITA)





Wir wissen, dass es sich bei der Religion um eine Sprache der Bilder und Gleichnisse handeln muss, die nie genau das darstellen können, was gemeint ist. Es bleibt die Aufgabe gestellt, diesen Sinn zu verstehen, da er offenbar einen entscheidenden Teil unserer Wirklichkeit bedeutet, oder ihn vielleicht in einer neuen Sprache auszudrücken, wenn er in der alten nicht mehr ausgesprochen werden kann.
Auch in der Atomphysik reden wir letztlich in Bildern und Gleichnissen, dass ein Elektron so und so läuft ..., das sind alles Gleichnisse und Bilder, die gar nicht genau stimmen. Aber wir wissen, dass dahinter eine Wirklichkeit steht, die wir in absoluter mathematischer Präzision ausdrücken können und die wir dann durch Experimente auch verifizieren können. Also einfach als Denkmodell schien uns da die Quantentheorie, also die mathematische Formulierung in der modernen Atomphysik außerordentlich nützlich, um auch die Denksituation der Religion besser zu verstehen.
(Werner Heisenberg)

Das Schönste, das wir in unserem Leben erfahren können, ist das Mystische, Geheimnisvolle. Hier liegt die Quelle jeder wahren Kunst und jeden echten Wissens. Derjenige, der dieses Gefühl nicht kennt, der nicht von Ehrfurcht ergriffen werden kann, ist so gut wie tot. Seine Augen sind blind. Dieser nach innen gerichtete Blick auf das Mysterium des Lebens ist gleichzeitig, auch wenn er sich mit der Furcht paart, der Ursprung der Religion.
Zu wissen, dass jenes, was für uns unerforschlich ist, wirklich besteht und sich uns in der höchsten Weisheit und Schönheit offenbart, die wir in unserem Menschenverstande nur in ihrer primitivsten Form erfassen können – dieses Wissen, dieses Gefühl liegt im Mittelpunkt jeder wahren Religiosität.
(Albert Einstein)



Friedrich Schiller hat vor 200 Jahren mal in den „Xenien“ sich die Frage vorgelegt: Warum hast du keine Religion?, und seine Antwort war: Aus Religion! Er wollte sagen: Wer begreift, wovon er spricht, wenn er sagt „Gott“, der muss doch von alleine darauf kommen, dass Gott nicht eingekerkert werden kann im Vatikan oder in der Kaaba in Mekka oder an der Tempelmauer oder in der Grabeskirche in Jerusalem. Gehört denn Gott nicht die ganze Welt und bedeutet nicht ihn anzubeten, die Universalität der Menschlichkeit zu begreifen? Schaut man genau hin, ist es das, was alle Religionsstifter wirklich wollten, wenn man sie beim Wort nähme, so begrenzt auch ihre historischen Ausgangspunkte sein mögen. Jesus reduziert seine Botschaft ganz und gar auf Judäa, auf Israel. Aber was er dabei lehrt, ist eine Menschlichkeit, die allen gilt, und ein Gott, der so weit ist wie der Himmel für die Wolken und die Schwalben. Er bekommt es fertig, bei Lukas im 10. Kapitel einen Samariter zum Vorbild zu erheben, wie man Gott findet, also jemanden, den ein Jude hassen muss, weil er orthodox genau das Gegenteil von dem denkt und sagt, was man als richtiger Jude denken und sagen muss. Dieser Samariter hasst den Tempel, will die Priester nicht, aber er hat plötzlich die Fähigkeit, in das Leid eines anderen Menschen hineinzugehen. Und Jesus sagt: Ich halte nicht nur für möglich, ich bin mir sicher: ein Priester, der an einem Menschen am Wegesrand vorbeigeht, im Wahn, er finde Gott im Tempel, indem er pünktlich seinen Dienst verrichtet, der verpasst Gott. Aber das ist die Religion der Priester, das sagen sie euch: Ihr findet Gott, wenn ihr Opfer bringt, wenn ihr pünktlich den Ritualdienst leistet, wenn ihr den Tempel heilig haltet. Wer hat euch je gesagt, dass ihr Gott überhaupt nur findet, wenn ihr mit Mitleid in das Leid eines Menschen geht! Nur da ist Gott, und ein leidender Mensch – man schaue sich um – ist überall zu finden. Also gehört doch Gott niemandem außer einem Herzen, das sich öffnet für einen anderen. Gelebte Menschlichkeit ist Religion.
(Eugen Drewermann)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Der verbrannte Buddha

In einer kalten Winternacht bat ein Asket um Unterkunft in einem Tempel. Der arme Mann stand zitternd im Schnee, so dass der Tempelpriester, wenn auch ungern, sagte: "Gut, du kannst hier bleiben, aber nur eine Nacht. Das ist ein Gotteshaus und kein Hospiz. Morgen musst Du weiterziehen."
Mitten in der Nacht hörte der Priester ein seltsames knisterndes Geräusch. Er stürzte in den Tempel, und was er sah, war unglaublich. Der Fremde wärmte sich an einem Feuer, das er in der Kirche entfacht hatte. Eine hölzerne Buddha-Statue fehlte. Der Priester fragte: "Wo ist die Statue?"
Der Wanderer zeigte auf das Feuer und sagte: "Ich dachte, ich würde erfrieren."
Der Priester schrie: "Bist du verrückt? Weißt du, was du getan hast? Das war eine Buddha-Statue. Du hast den Buddha verbrannt!"
Das Feuer verlöschte langsam. Der Pilger starrte hinein und stocherte in der Glut.
"Was machst du jetzt?" schrie der Priester.
"Ich suche die Knochen des Buddha, den ich verbrannt haben soll."

Der Priester erzählte den Vorfall später einem Zen Meister, der sagte: "Du musst ein schlechter Priester sein, wenn dir ein toter Buddha mehr gilt ist als ein lebendiger Mensch."



Wir vergessen allzu leicht eine der großen Lehren der Menschwerdung, nämlich dass Gott sich im Gewöhnlichen mitteilt.
Willst du Gott sehen? Blicke das Gesicht deines Nachbarn an.
Möchtest du ihn hören? Lausche auf das Weinen eines Kindes, das laute Gelächter einer Party, auf das Rascheln der Bäume im Wind.
Möchtest du ihn berühren? Fasse jemanden bei der Hand. Oder berühre den Stuhl, auf dem du sitzt, oder das Buch, das du liest. Oder werde nur still, werde dir deiner Körperempfindungen bewusst, spüre, wie seine Allmacht in dir am Werk ist und wie nahe er dir ist.



Identifikation

"Ich möchte Gott sehen."
"Du blickst ihn jetzt gerade an", sagte der Meister.
"Warum sehe ich ihn dann nicht?"
"Warum sieht das Auge nicht sich selbst", sagte der Meister.
Später erklärte er: "Genau so wenig, wie ein Messer sich selbst schneiden kann oder ein Zahn sich selbst beißen, kann man verlangen, daß Gott sich selbst offenbare."


Der kleine Fisch

„Entschuldigung”, sagte ein Fisch aus dem Ozean zu einem anderen. „Du bist älter und erfahrener als ich und kannst mir wahrscheinlich helfen. Sag mir, wo kann ich die Sache finden, die man Ozean nennt? Ich habe vergeblich überall danach gesucht.”
„Der Ozean”, sagte der ältere Fisch, „ist das, worin du jetzt schwimmst.”
„Das? Aber das ist ja nur Wasser. Ich suche den Ozean”, sagte der jüngere Fisch sehr enttäuscht und schwamm davon, um anderswo zu suchen.

Der Schüler kam zu dem Meister im Sannyasi-Gewand. Und er sprach in der Sprache der Sannyasi: „Jahrelang habe ich nun nach Gott gesucht. Ich bin von zu Hause weggegangen und habe überall nach ihm Ausschau gehalten, wo er angeblich sein soll: auf Bergesgipfeln, im Herzen der Wüste, in der Stille der Klöster und in den Behausungen der Armen.”
„Hast du ihn gefunden?” fragte der Meister.
„Ich wäre ein eitler Lügner, sagte ich ja. Nein, ich habe ihn nicht gefunden. Und ihr?”
Was konnte ihm der Meister antworten? Die Abendsonne sandte goldene Strahlen in den Raum. Hunderte von Sperlingen tschilpten vergnügt auf einem nahen Feigenbaum. In der Ferne konnte man Straßenlärm hören. Ein Moskito summte warnend am Ohr, daß er gleich zustechen würde... und doch konnte dieser gute Mann dasitzen und sagen, er hätte Gott nicht gefunden, er würde immer noch nach ihm suchen.
Nach einer Weile verließ er enttäuscht das Zimmer des Meisters, um anderswo weiterzusuchen.

Hör auf zu suchen, es gibt nichts zu suchen. Sei einfach still, öffne die Augen und sieh dich um. Du kannst es nicht übersehen.



Um das Glück zu erlangen, müssen Sie gar nichts tun

Gott lässt sich nicht dadurch erreichen, dass man seiner Seele etwas hinzufügt, sondern indem man etwas abzieht.
(Meister Eckhart)

Niemand hat mir in der Schule beigebracht, wie ich leben soll, wieviel anderes ich auch gelernt haben mag. So sagte jemand: „Ich habe eine hervorragende Ausbildung genossen. Ich brauchte Jahre, um darüber hinwegzukommen.“
Darum geht es bei dem, was ich Spiritualität nenne: verlernen. Verlernen Sie den vielen Unsinn, den man Ihnen beigebracht hat.



Von Gott können wir nicht sagen, was er ist, sondern nur, was er nicht ist. Deshalb können wir keine Aussage darüber treffen, wie er ist, sondern nur darüber, wie er nicht ist.
(Thomas von Aquin)

Ich muss Dir in aller Ehrlichkeit gestehen, dass Gott für mich das Geheimnis schlechthin ist und immer war. Ich verstehe nicht, was Gott ist, niemand kann das. Wir haben Ahnungen und Andeutungen, wir machen stümperhafte und unzulängliche Versuche, das Geheimnis in Worte zu fassen. Aber es gibt kein Wort und keinen Ausdruck dafür.
(Jesuitenpater Karl Rahner)



Die Aufgabe des Theologen besteht darin, alles durch Gott zu erklären und Gott als den Unerklärbaren zu erklären.
(Jesuitenpater Karl Rahner)


Ist Gott ein liebender Vater, oder ist Gott der große Peiniger?

Für beides lassen sich Belege finden. Ich erinnere mich, wie mich meine Schwester fragte, als meine Mutter an Krebs erkrankte: "Toni, warum lässt Gott unsere Mutter leiden?"
Ich antwortete ihr: "Meine Liebe, letztes Jahr mussten in China wegen einer Dürrekatastrophe eine Million Menschen verhungern, ohne dass du so eine Frage gestellt hättest."



Jedes Kind hat einen Gott in sich. Unser Bemühen, das Kind zu formen, wird aus dem Gott einen kleinen Teufel machen. Die Kinder kommen in meine Schule, kleine Teufel, die die Welt hassen: sie sind destruktiv, haben keine Manieren, sie lügen, sie stehlen, sind unbeherrscht. Nach sechs Monaten sind sie glückliche, gesunde Kinder, die nichts Böses tun...
Kommen Sie nach Summerhill, und Sie werden sehen, dass die Bäume voller Früchte hängen; niemand pflückt die Früchte; niemand strebt danach, die Autorität anzugreifen; sie sind gut ernährt und kennen keine Ablehnung und keinen Ärger. Kommen Sie nach Summerhill, und Sie werden kein behindertes Kind mit einem Spitznamen finden (Sie wissen, wie grausam Kinder sein können, wenn jemand zum Beispiel stottert). Sie werden niemanden finden, der einen Stotterer hänselt, niemals.
In diesen Kindern ist keine Gewalttätigkeit, denn niemand gebraucht Gewalt, das ist alles.
(A. S. Neill, der eine Art Einzelgängerschule in England für Jungen und Mädchen leitete und die Kinder einfach frei sein ließ)


Nicht eins, nicht zwei

"Wie sucht man Einheit mit Gott?"
"Je mehr du suchst, um so größer wird die Entfernung zwischen Ihm und dir."
"Wie überwindet man diese Entfernung?"
"Begreife, dass sie nicht wirklich vorhanden ist."
"Bedeutet das, Gott und ich sind eins?"
"Nicht eins, nicht zwei."
"Wie ist das möglich?"
"Die Sonne und ihr Licht,
der Ozean und die Welle,
der Sänger und sein Lied -
nicht eins, nicht zwei ..."



Dumme Frage

Auf der Straße traf ich ein kleines Mädchen, zitternd in einem dünnen Kleid, ohne Hoffnung, etwas Warmes zu essen zu bekommen. Ich wurde zornig und sagte zu Gott: „Wie kannst du das zulassen? Warum tust du nichts dagegen?“
Eine Zeit lang sagte Gott nichts. Aber in der Nacht antwortete er ganz plötzlich: „Ich habe wohl etwas dagegen getan. Ich habe dich geschaffen.“


Gott ohne Bart

Gott beschloss, der Erde einen Besuch abzustatten, also schickte er zuvor einen Engel hinunter, um zu sehen, wie dort die Lage war.
Der Engel kehrte zurück und berichtete: „Die meisten haben nicht genug zu essen und sehr viele sind arbeitslos.“
Gott sagte: „Dann werde ich in der Form von Nahrung für die Hungernden erscheinen und als Arbeit für die Arbeitslosen.“


Bomben von der alten Dame

Eine fromme alte Dame nach dem Krieg: „Gott meinte es gut mit uns. Wir beteten unablässig, so fielen alle Bomben auf die andere Seite der Stadt.“



Wuensche:


"Wenn ich dir was wünschen dürfte, mein liebes Kind,
wünscht´ ich dir die sieben Gaben, die nicht leicht zu haben sind.

Die Geduld der Weinbergschnecke, ruhig zieht sie ihre Bahn,
und kommt unbemerkt von allen, still bei ihren Zielen an.

Und den Stolz von meiner Katze, kein Befehl bricht ihren Sinn,
sie streicht nur um meine Füße, wenn ich sanft zu ihr bin.



Die Balance des Steh-auf-Männchens, es schwankt etwas hin und her,
wenn man es zu Boden drückte, und steht dann wie vorher.

Und die Frechheit eines Flohes, der die großen Tiere dreist,
dort wo sie am meisten stinken, nicht hineinkriecht - nein - beißt!

Das Geheimnis eines Steines, außen grau und unscheinbar,
weiß er doch in seinem Innern, ein Kristall, sternenklar.



Und den Traum des Samenkornes, das sich in die Erde legt,
das die Blätter und Blüten, Raum und Frucht in sich trägt.

Und zuletzt den Mut der Rose, die noch einmal roter blüht,
wenn schon Rauhreif und Neuschnee, ihr das Fell überzieht."
(Gerhard Schöne)


Möge dann und wann...

Möge dann und wann
deine Seele aufleuchten
im Festkleid der Freude.

Möge dann und wann
deine Last leichter werden
und dein Schritt beschwingt wie im Tanz.

Möge dann und wann
ein Lied aufsteigen vom Grunde deines Herzens,
das Leben zu grüßen wie die Amsel den Morgen.

Möge dann und wann
der Himmel über deine Schwelle treten.
(Antje Sabine Naegeli)

Und möge dann und wann
ein ruhiger See dir begegnen,
Dein Spiegelbild Dich anlächeln
und ein glücklicher Fisch
Dir phantastische Geschichten erzählen.
(Katrin Schwarz)


Rausschmiss aus Cuba - Visum abgelaufen - Verlängerung unmöglich

"Laß mich Dir noch etwas wünschen: Daß Dein Leben ordentlich lebendig sein möge. Und vor allem, daß Du Dich nicht so schnell von äußeren Umständen ausbremsen läßt, wie ich mich von den Behörden in den letzten Wochen habe ausbremsen lassen. Im Augenblick glaube ich recht gut nachvollziehen zu können, daß das Leben in Strukturen genau das Gegenteil ist vom echten Leben. So scheint es egal zu sein, ob die Struktur sozialistisch ist oder kapitalistisch. Struktur ist umso ´schlechter´, je stärker sie die Menschen strukturiert. Struktur scheint das Gegenteil von Freiheit zu sein. Und Freiheit ist doch ein bißchen mehr als Freizügigkeit. Ein paar gute Beispiele dafür konnte ich in den letzten Wochen sehen. Damit laß mich Dir eine gute Distanz zur Struktur wünschen."
(aus einem Brief Josef Zeidlers)



Ich wünsche Ihnen also nur eines - das Glück, an einem Ort zu sein, wo Sie die Freiheit haben, Ihre Integrität zu wahren und wo Sie sich nicht durch die Notwendigkeit, Ihre Position in einem Unternehmen zu behaupten, den Erhalt finanzieller Unterstützung oder dergleichen genötigt fühlen, Ihre Integrität aufzugeben. Mögen Sie diese Freiheit haben.
(aus: Richard Feynman, "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!")


Auf einem Baum ein Vogel saß,
ein blau-schwarz-grünlich-gelber.
Er saß da oben so zum Spaß
und fühlte nur sich selber.

Nein, keine Elster, auch kein Habicht,
kein Kuckuck, auch kein Zeisig.
Der Vogel, der im Baume saß,
war männlich, um die dreißig.

Er hatte bei sich ein Piano,
und spielte Schubert, Franz in Moll.
Ihr werdet fragen, was ein Vogel,
der Schubert spielt, im Baume soll?

Das ist, als würd´ ein Nilpferd singen,
oder ein Hamster dirigieren,
oder ein Sparschwein Rücken schwimmen,
oder ein Haus den Kopf verlieren.

Es ist einfach nicht zu glauben.
Erfunden - so was gibt es nicht!
Ein Vogel - und das ist bewiesen -
kann fliegen, doch Klavierspielen - NICHT!


Auf einem Baum ein Vogel saß.
Da sitzt er auch noch heute,
und spielt für sich nur so zum Spaß,
und für die kleinen Leute.

Die Kinder und die Älteren,
die Starken und die Schwachen,
die Hohen und die Niederen,
die traurig sind und lachen.

Für alle, die noch Bilder sehen,
und fähig sind zu träumen,
sitzt irgendwo ein Vogel rum,
spielt Schubert in den Bäumen.
(Dieter Huthmacher)


Werde wieder wie ein staunendes Kind,
das die Welt entdeckt -
jeden Augenblick neu!
(Tibetisches Sprichwort)




DESIDERATA

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.

Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist.

Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du bitter werden, Dir nichtig vorkommen, denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als Du.

Freue Dich Deiner eigenen Leistungen wie auch Deiner Pläne.

Bleibe weiter an Deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer, sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

In Deinen geschäftlichen Angelegenheiten laß´ Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll Dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.



Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voller Heldentum. Sei Du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung, noch sei zynisch, was die Liebe betrifft. Denn auch angesichts aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschluß der Jahre. Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.

Stärke die Kraft des Geistes, damit sie Dich in plötzlich hereinbrechendem Unheil schütze. Aber beunruhige Dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit.

Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu Dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und Sterne. Du hast ein Recht, hier zu sein.

Und ob es Dir nun bewußt ist oder nicht, zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen. Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung Du auch von ihm hast, und was immer Dein Mühen und Sehnen ist.

In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte Dir den Frieden mit Deiner Seele. Trotz all ihrem Schein der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.

Sei vorsichtig. Strebe danach, glücklich zu sein.
(aus der alten St. Pauls Kirche in Baltimore von 1692)




The Ten Indian Commandments

Remain close to the great spirit

Show great respect for your fellow beings

Give assistance and kindness wherever needed

Be truthful and honest at all times

Do what you know to be right

Look after the well being of mind and body

Treat the earth and all that dwell there on with respect

Take full responsibility for your actions

Dedicate a share of your efforts to the greater good

Work together for the benefit of all mankind



Das letzte Glück liegt in der Wunschlosigkeit

Ich bat Gott um Kraft,
um etwas zu leisten.
Ich wurde schwach, auf dass ich
in Demut gehorchen lerne.

Ich bat Gott um Gesundheit,
um Größeres zu tun.
Ich erhielt Krankheit,
auf dass ich Besseres tue.

Ich bat um Reichtum,
um glücklich zu werden.
Ich erhielt Arbeit,
auf dass ich weise werde.

Ich bat um Macht,
um Menschenruhm zu ernten.
Ich erhielt Schwäche,
auf dass ich Gottes Hilfe suche.

Ich erbat alles,
um mich des Lebens zu erfreuen.
Ich erhielt das Leben,
um mich an allem zu erfreuen.

Ich bekam nichts von dem,
was ich erbat.
Und doch alles,
was ich erhofft hatte.

Fast gegen mein Wollen fand
unausgesprochenes Beten Erfüllung.
Unter allen Menschen
bin ich sehr reich gesegnet.
(Verse eines unbekannten Soldaten)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Der Lebenswunsch

Die Geburt seines ersten Kindes erfüllte den Meister mit Freude. Staunend blickte er das Neugeborene immer wieder an.
"Was wünscht du ihm, einmal zu sein, wenn es groß geworden ist?" fragte ihn jemand.
"Maßlos glücklich", antwortete der Meister.



Warum der Schäfer jedes Wetter liebt

Ein Wanderer: "Wie wird das Wetter heute?" Der Schäfer: "So, wie ich es gerne habe." "Woher wißt Ihr, dass das Wetter so sein wird, wie Ihr es liebt?"
"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag."

Was immer geschieht, an uns liegt es, Glück oder Unglück darin zu sehen.



Viele Menschen sind nicht glücklich, weil sie an ihr Glück Bedingungen knüpfen.
Finde heraus, ob sich diese Einstellung in deinem Herzen eingenistet hat, und wirf sie hinaus.



Ehrgeiz ist eine Art Gehirnwäsche, der wir unterzogen wurden. Es wurde uns eingeschärft, dass nie etwas aus uns werden würde, wenn wir keinen Ehrgeiz hätten. Dabei erwähnte niemand die Energie und Freude, die in der Arbeit liegen können.
Von Tranxu, dem großen chinesischen Weisen, stammt der Satz: "Wenn der Bogenschütze schießt, ohne einen besonderen Preis zu bekommen, kann er seine ganze Kunst entfalten; schießt er, um eine Bronzemedaille zu erringen, fängt er an, unruhig zu werden. Schießt er um den Goldpokal, wird er blind, sieht zwei Ziele und gerät aus der Fassung. Sein Können ist dasselbe, aber der Preis spaltet ihn, er ist ihm wichtig. Er denkt mehr ans Gewinnen als an das Schießen. Und der Erfolgsdruck schwächt ihn."




Ein Mädchen

„Wie erlangt man das Glück?“
„Durch Erlernen, mit allem, was man erhält, zufrieden zu sein.“
„Dann kann man sich nie etwas wünschen?“
„Doch, man kann“, sagte der Meister, „vorausgesetzt, man tut dies in der Einstellung jenes Vaters, den ich einmal in einer Entbindungsstation traf. Als die Hebamme sagte: ´Sie haben sich bestimmt einen Jungen gewünscht, es ist aber ein Mädchen´, erwiderte der Mann: ´Ach, das macht wirklich nichts, denn ich habe mir ein Mädchen gewünscht, falls es kein Junge ist´.“


Schmetterlingslehre

„Das Glück ist ein Schmetterling“, sagte der Meister. „Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“
„Was soll ich tun, um das Glück zu erlangen?“
„Hör auf, hinter ihm her zu sein.“
„Aber gibt es nichts, was ich tun kann?“
„Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst.“



Leela – Das Spiel Gottes

Einmal bezog sich der Meister auf die hinduistische Auffassung, wonach die ganze Schöpfung „leela“, ein Spiel Gottes sei und das Universum sein Spielplatz. Das Ziel der Spiritualität bestehe darin, so behauptete er, alles Leben zu einem Spiel zu machen.
Dies erschien einem strengen Besucher zu frivol. „Ist denn kein Raum zum Arbeiten da?“, fragte er.
„Selbstverständlich ist einer da. Aber Arbeit wird nur dann spirituell, wenn sie sich in Spiel verwandelt.“

Samen statt Früchte

Eine Frau träumte, sie beträte einen ganz neuen Laden am Markt, und zu ihrem Erstaunen stand Gott hinter dem Ladentisch.
„Was verkaufst du hier?“ fragte sie.
„Alles, was dein Herz begehrt“, sagte Gott.
Die Frau wagte kaum zu glauben, was sie hörte, beschloss aber das Beste zu verlangen, was ein Mensch sich nur wünschen konnte. „Ich möchte Frieden für meine Seele und Liebe und Glück, und weise möchte ich sein und nie mehr Angst haben“, sagte sie. Nach kurzem Nachdenken fügte sie hinzu: „Nicht nur für mich allein, sondern für alle Menschen auf der Erde.“
Gott lächelte: „Ich glaube, du hast mich falsch verstanden, meine Liebe“, sagte er, „wir verkaufen hier keine Früchte, nur die Samen.“





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