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Vorwort

Freiheit ist, eine Einladung absagen zu können,
ohne dafür einen Grund angeben zu müssen.
("Weil i net mog!")


Zahme Vögel träumen von Freiheit.
Wilde Vögel fliegen.
(unbekannt)



Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Freiheit ist die Möglichkeit,
auf die Möglichkeit zu verzichten.
(Rudolf Seiss)

Als freier Mann kann gelten, wer eine Einladung zum Essen ausschlagen kann, ohne dafür einen Vorwand angeben zu müssen.
(Jules Renard)

Will man in einer Gesellschaft, in der fast alles erlaubt ist, frei bleiben, muss man sich vieles verbieten.
(Gregor Brand)



Aus einem freien Menschen wird kein Sklave,
denn ein freier Mensch ist auch im Gefängnis frei.
(Plato)


AUF DER DURCHREISE

Wenn mir die Puste ausgeht,
um die Großstadt zu ertragen,
muss ich raus, raus aus dem Kessel.
Weg von seinen zementierten Sichtversperrern,
seinen Krachmachern und Stinkern,
der erdrückenden Stimmung entfliehen...

Berge erklimmen, hoch hinaus,
den Überblick genießen,
Chef der Lage sein.
Muss Weite atmen,
Grün und Blau
und Ferne sehen.
Hör Kühe muhn
und Glocken schelln.
Muss Wind und Sonne spürn,
kalte Luft berührn.
Weit entfernt von den Einflüssen der Zivilisation,
weit weg von den Medien mit ihrer
„Only bad news is good news“-Philosophie.
Auf dem Dach der Welt, da fühle ich mich frei,
umgeben von lauter Entfernung.

Dann,
wenn all die Ablenker verschwunden sind,
tauchen Fragen auf:
Fragen nach dem Sinn des Ganzen,
nach dem Sinn des Daseins,
dem Sinn des Lebens.



Wo geh ich noch hin?
Was zählt wirklich?
Wie die verbleibenden Momente verbringen?

Mit lieben Menschen?
Mit einem Menschen?
Einem Menschen fürs Leben?
Hat die Einsamkeit ihre Berechtigung?
Oder besser: das Alleinsein?
Dann ändert sich die Perspektive:
Die Ablenker bekommen ein neues Gesicht,
ein anderes Gewicht verpasst.
Und so ist es gut.

Ich besinne mich auf meine Sinne:
im rechten Moment eine Tasse Kaffee,
ein gutes Bier,
ein nettes Wort.

Erlebe die Gegenwart,
nicht die Zukunft,
nicht die Vergangenheit.

Dann kommt die Einsicht,
dass es nichts zu erreichen,
nichts zu erstreben gibt.
Alles nur Stationen auf unserem Weg.

Wir sind nur auf der Durchreise.
(Alexander Hölle, während eines Ausflugs in die Schweiz)



Der wahre Charakter eines Menschen bemisst sich danach, was er tun würde, wenn er wüsste, dass man ihm nie auf die Schliche kommt.
(unbekannt)

Rausschmiss aus Cuba - Visum abgelaufen - Verlängerung unmöglich

"Laß mich Dir noch etwas wünschen: Daß Dein Leben ordentlich lebendig sein möge. Und vor allem, daß Du Dich nicht so schnell von äußeren Umständen ausbremsen läßt, wie ich mich von den Behörden in den letzten Wochen habe ausbremsen lassen. Im Augenblick glaube ich recht gut nachvollziehen zu können, daß das Leben in Strukturen genau das Gegenteil ist vom echten Leben. So scheint es egal zu sein, ob die Struktur sozialistisch ist oder kapitalistisch. Struktur ist umso 'schlechter', je stärker sie die Menschen strukturiert. Struktur scheint das Gegenteil von Freiheit zu sein. Und Freiheit ist doch ein bißchen mehr als Freizügigkeit. Ein paar gute Beispiele dafür konnte ich in den letzten Wochen sehen. Damit laß mich Dir eine gute Distanz zur Struktur wünschen."
(aus einem Brief Josef Zeidlers)



Als Bohr das letzte Mal da gewesen war, hatte er zu seinem Sohn gesagt: "Erinnerst du dich, wie der kleine Bursche hieß, der da hinten in der Ecke saß? Das ist der einzige, der keine Angst vor mir hat, und der wird es sagen, wenn ich eine verrückte Idee habe. Wenn wir das nächste Mal Ideen durchsprechen wollen, dann können wir das nicht mit diesen Leuten machen, die zu allem ja, ja, Dr. Bohr, sagen. Sieh zu, daß du den Kerl herholst, und dann reden wir zuerst mit ihm."
Ich bin immer so gewesen: Ich achtete nie darauf, mit wem ich rede. Es war immer die Physik, über die ich mir Gedanken machte. Wenn die Idee nichts hergab, dann habe ich gesagt, daß sie nichts hergibt. Wenn sie vielversprechend war, habe ich gesagt, daß sie vielversprechend ist. Ein einfacher Grundsatz.
Ich habe immer so gelebt. Es macht Freude, es macht Spaß - wenn man es kann. Ich habe das Glück in meinem Leben, daß ich es kann.



Es war kein Versagen meinerseits, dass das Institute for Advanced Study von mir erwartete, so gut zu sein. Ich dachte mir: "Weißt du, was sie von dir halten, ist so phantastisch, dass es unmöglich ist, dem gerecht zu werden. Du bist nicht verpflichtet, dem gerecht zu werden!"
Es war eine glänzende Idee: Man ist nicht verpflichtet, dem gerecht zu werden, was man nach Meinung anderer Leute leisten sollte. Ich bin nicht verpflichtet, so zu sein, wie sie es von mir erwarten. Es ist ihr Irrtum, nicht mein Versagen.



Ich wünsche Ihnen also nur eines - das Glück, an einem Ort zu sein, wo Sie die Freiheit haben, Ihre Integrität zu wahren und wo Sie sich nicht durch die Notwendigkeit, Ihre Position in einem Unternehmen zu behaupten, den Erhalt finanzieller Unterstützung oder dergleichen genötigt fühlen, Ihre Integrität aufzugeben. Mögen Sie diese Freiheit haben.
(jeweils aus: Richard Feynman, "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!")



Die Freiheit, verzichten zu können

Das Glück der Gelassenheit liegt in der Freiheit, verzichten zu können. Nicht nur auf materielle Güter, sondern auch auf unaufrichtige Sympathien und falsche Schmeicheleien. Souverän entscheidet der Besonnene, daß er nicht alles tun muß, was er kann. Aber er tut leichten Herzens, was seinem Glück und der Freude der ihm vertrauten Menschen dient. Lieber verzichtet er auf einen verdienten Vorteil, wenn damit Bedingungen verknüpft sind, die seinen Wertvorstellungen widersprechen. Er weicht keiner Verantwortung aus, wenn er an ihr wachsen kann, aber er läßt sich nicht verbiegen, um Karriere zu machen. Gleichmütig geht er seinen Weg durch seine Zeit, und er hat es nicht nötig, wie ein Schmetterling von einer Verlockung zur anderen zu flattern.
(Armin Heller)


Bei den Kindermenschen

Siddhartha ging zum Kaufmann Kamaswami, in ein reiches Haus ward er gewiesen, Diener führten ihn zwischen kostbaren Teppichen in ein Gemach, wo er den Hausherrn erwartete.
Kamaswami trat ein, ein rascher, geschmeidiger Mann mit stark ergrauendem Haar, mit sehr klugen, vorsichtigen Augen, mit einem begehrlichen Mund. Freundlich begrüßten sich Herr und Gast.
"Man hat mir gesagt", begann der Kaufmann, "daß du ein Brahmane bist, ein Gelehrter, daß du aber Dienste bei einem Kaufmann suchst. Bist du denn in Not geraten, Brahmane, daß du Dienste suchst?"
"Nein", sagte Siddhartha, "ich bin nicht in Not geraten und bin nie in Not gewesen. Wisse, daß ich von den Samanas komme, bei welchen ich lange Zeit gelebt habe."
"Wenn du von den Samanas kommst, wie solltest du da nicht in Not sein? Sind nicht die Samanas völlig besitzlos?"
"Besitzlos bin ich", sagte Siddhartha, "wenn es das ist, was du meinst. Gewiß bin ich besitzlos. Doch bin ich es freiwillig, bin also nicht in Not."
"Wovon aber willst du leben, wenn du besitzlos bist?"
"Ich habe daran noch nie gedacht, Herr. Ich bin mehr als drei Jahre besitzlos gewesen, und habe niemals daran gedacht, wovon ich leben solle."
"So hast du vom Besitz anderer gelebt."
"Vermutlich ist es so. Auch der Kaufmann lebt ja von der Habe anderer."
"Wohl gesprochen. Doch nimmt er von den anderen das Ihre nicht umsonst; er gibt ihnen seine Waren dafür."
"So scheint es sich in der Tat zu verhalten. Jeder nimmt, jeder gibt, so ist das Leben."
"Aber erlaube: wenn du besitzlos bist, was willst du geben?"
"Jeder gibt, was er hat. Der Krieger gibt Kraft, der Kaufmann gibt Ware, der Lehrer Lehre, der Bauer Reis, der Fischer Fische."
"Sehr wohl. Und was ist es nun, was du zu geben hast? Was ist es, das du gelernt hast, das du kannst?"
"Ich kann denken. Ich kann warten. Ich kann fasten."
"Das ist alles?"
"Ich glaube, es ist alles!"
"Und wozu nützt es? Zum Beispiel das Fasten - wozu ist es gut?"
"Es ist sehr gut, Herr. Wenn ein Mensch nichts zu essen hat, so ist Fasten das Allerklügste, was er tun kann. Wenn, zum Beispiel, Siddhartha nicht fasten gelernt hätte, so müßte er heute noch irgendeinen Dienst annehmen, sei es bei dir oder wo immer, denn der Hunger würde ihn dazu zwingen. So aber kann Siddhartha ruhig warten, er kennt keine Ungeduld, er kennt keine Notlage, lange kann er sich vom Hunger belagern lassen und kann dazu lachen. Dazu, Herr, ist Fasten gut."




Govinda

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Titel:Siddhartha. Eine indische Dichtung.
Autor:Hermann Hesse
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"Wohl bin ich alt", sprach Govinda, "zu suchen aber habe ich nicht aufgehört. Nie werde ich aufhören zu suchen, dies scheint meine Bestimmung. Auch du, so scheint es mir, hast gesucht. Willst du mir ein Wort sagen, Verehrter?" Sprach Siddhartha: "Was sollte ich dir, Ehrwürdiger, wohl zu sagen haben? Vielleicht das, daß du allzuviel suchst? Daß du vor Suchen nicht zum Finden kommst?"
"Wie denn?" fragte Govinda.
"Wenn jemand sucht", sagte Siddhartha, "dann geschieht es leicht, daß sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, daß er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben. Du, Ehrwürdiger, bist vielleicht in der Tat ein Sucher, denn, deinem Ziel nachstrebend, siehst du manches nicht, was nah vor deinen Augen steht."
(beides aus Hermann Hesse: Siddhartha)





Rückfahrt von Bad Dürkheim - Oberndorf noch nicht in Reichweite - Übernachtung im Grünen

Die Rückfahrt verlief gut. In Strasbourg habe ich noch ein wenig die Füße in die Ill reingehängt - zur Erfrischung. Auch in Alpirsbach kam ich gut an. Als ich so abends ein wenig verstohlen durchs Städtle lief mit meinem Rucksack auf dem Buckel, erntete ich so manches Lächeln von der einen oder anderen Frau. Es mag so manches Be-Lächeln dabei gewesen sein, aber auch so manches Das-möchte-ich-jetzt-auch-gerne-tun-Lächeln. Ich glaube, ich werde gern angelacht. Auch ein Quentchen Glück.
Busse nach Oberndorf gab´s keine mehr. Das anschließende Trampen machte mir keine so rechte Freude. Ich dachte, alt genug bist du ja, dass du nicht unbedingt auf einen Autofahrer angewiesen bist, der dich mitnimmt. Also hörte ich nach fünf Minuten und zehn Autos damit auf, lief zuerst einmal vom Kinzigtal auf die Höhe, hörte den Bach rauschen, sah die Sonne untergehen und dachte an die Julia (Julia Butterfly Hill, Mammut-Baum-Besetzerin in den USA anno 1999).
Als ich so in der Natur wanderte, kam mir der Gedanke, dass ich ja eigentlich soweit laufen könnte, wie ich will, und dann schlafen, dabei hab ich ja alles (Schlafsack, Isomatte). Immerhin schläft die Julia ja auch jede Nacht im Freien und erlebt die Natur sicherlich als nix Langweiliges.
Oben angekommen fand ich eine Wirtschaft, etwas vornehm, aber egal. Ich erlaubte mir, nach einem Alpirsbacher Bier und drei Scheiben Käse zum Mitnehmen zu fragen (französisches Baguette hatte ich schon). Die Wirtsleute schauten etwas verstört, aber ich bekam meinen Wunsch erfüllt. Wer wandert schon abends um neun Uhr und hat noch etliche Kilometer vor sich?
Ich ging nicht mehr allzuweit, suchte mir ein schönes Plätzchen, trank das Bier, aß den Käse und das Baguette und schlief sehr angenehm ein. Der Mond schien sehr voll, aber das macht nichts, wenn man müde ist. Ich fühlte mich ein wenig so verbunden mit der Natur, wie ich es schon am Abend zuvor mit Andreas auf unserer Nachtwanderung bei der Begegnung mit den Spinnennetzen tat.
(aus einem Brief von mir)





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Titel:Das Weihnachtsgeheimnis
Autor:Jostein Gaarder
Preis: EUR 9,95
Gebraucht: EUR 0,01
"Warum bist du so lieb?" fragte sie.
"Ho, ho", lachte der Rotgekleidete wieder. "Je mehr wir weggeben, desto reicher werden wir. Und je mehr wir für uns behalten, desto ärmer bleiben wir. Das ist das Mysterium der Freigebigkeit, nicht mehr und nicht weniger. Aber es ist auch das Mysterium der Armut."
Der Engel Umuriel klatschte in die Hände: "Gut gesagt, Bischof!"
Bischof Nikolaus fuhr fort: "Alle, die sich auf Erden Schätze sammeln, werden eines Tages sehr arm sein. Aber die, die alles verschenkt haben, was sie besitzen, werden niemals arm sein. Und sie haben außerdem so viel Spaß gehabt, dass sie immer fröhlich waren. Ho, ho! Denn die allergrößte Freude auf Erden ist Freigebigkeit!"
"Das kann schon sein", sagte Elisabet. "Aber erst muss man doch etwas haben, was man verschenken kann."
Jetzt lachte der muntere Bischof so wild, dass sein ganzer Körper bebte. Elisabet wurde auf seinem Arm fast seekrank.
"Ganz und gar nicht", sagte er, als er so viel Gelächter verschluckt hatte, dass in seinem Mund auch ein bißchen Platz zum Sprechen war. "Du brauchst überhaupt nichts zu besitzen, um Freigebigkeit in den Adern zu spüren. Ein kleines Lächeln reicht, oder etwas Selbstgemachtes."
(aus Jostein Gaarders "Weihnachtsgeheimnis")


Was kann ein Mensch mit der Weihnachtsgeschichte anfangen?

Die Herbergssuche ist ein mythisches Motiv. Von der Göttin Isis wird in Ägypten ähnliches berichtet. Von der Mutter des Asklepios erzählen die griechischen Mythen ähnliches. Hier meint die Weihnachtsgeschichte etwas ganz Einfaches. Für eine Frau, die gebären wird, ist in einer Herberge, einer Karawanserei, bei dem Durcheinander kein Platz. Sie geht lieber aufs Feld, abgesondert von den Leuten, und bringt ihr Kind dort zur Welt. Mehr ist zunächst nicht gemeint, aber als Sinnbild gilt hier: Wenn du versuchst zu leben, was du bist, musst du dich als erstes einrichten auf Widerstand, auf Einsamkeit. Du wirst das, was du bist, ein Individuum, im Grunde nur, indem du riskierst, einmal nicht dazu zu gehören. Es kann etwas Neues nur passieren, wenn du die Totalangleichung an das Allgemeine durchbrichst. Du musst nicht länger wie eine Fledermaus im Winde darauf lauschen, was alles für Geräusche ringsum sind. Du musst lernen, nach Innen zu hören, auf die leise Stimme, die wirklich von Gott ist. Wie können Engel singen? Wie können Hirten davon hören, außer du fängst an, deinen Träumen zu glauben. Sie sind die Sprache, die Gott in deine Seele senkt. Du kannst genau wissen, was Mitleid ist, was Güte bedeutet, was Menschlichkeit meint, was Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit bedeuten. Es muss dir nicht gesagt werden. Du weißt das in dir. Das einzige ist, dass man dauernd erklärt, das geht doch nicht zu leben, das ist zu riskant, so kommst du nicht durch! Du musst dich immer wieder biegen und verlügen. Wenn du damit aufhörst, musst du in Kauf nehmen, dass du auf die Suche zu gehen hast, wo Menschen sind, die dich aufnehmen, Aber es bleibt dir nicht erspart. Der Weg der Menschwerdung ist genau dieses Suchen, wo du mit deiner Wahrheit, mit dem Königskind in deinen Armen aufgenommen wirst.
(Eugen Drewermann)


Ein Gesetz, das gegen das göttliche Gesetz verstößt, verdient es, gebrochen zu werden

Für meine Mutter war des Menschen eigenes Gewissen das höchste Gesetz. Sie pflegte zu sagen: „Im Prinzip respektiere ich nicht das Gesetz“. Sie meinte, dass ein Gesetz einigen Verdienst und ein anderes keinen haben könne, und dass ein Mensch für sich zu entscheiden hätte, was richtig und was falsch wäre. Sie wusste, dass bestimmte Gesetze einigen Leuten dienen könnten und anderen schaden. Dieses Verstehen kam aus ihr selbst. Sie handelte stets nach Grundsätzen, nicht danach, was andere sagten, sondern nach dem, was sie als richtig empfand.
Als mein Bruder Enrique 19 Jahre alt war, wurde er zum Dienst in der Spanischen Armee eingezogen, wie es das Gesetz der Zeit vorsah. Er kam zu meiner Mutter und die Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. „Mein Sohn“, sagte sie zu Enrique, „du musst niemanden töten und niemand darf dich töten; du bist nicht geboren, um zu töten oder getötet zu werden. Geh fort, verlass das Land!“ So floh Enrique aus Spanien. Er ging nach Argentinien. Meine Mutter fühlte eine besondere Zärtlichkeit für Enrique, der der Jüngste ihrer Kinder war; aber sie sah ihn elf Jahre lang nicht wieder. Er kehrte heim, als es dort eine Amnestie für diejenigen gab, die das Dienstpflichtgesetz gebrochen hatten.
Ich denke, wenn alle Mütter der Welt ihren Söhnen sagten: „Ihr seid nicht geboren, um Totschläger zu sein und im Krieg getötet zu werden, kämpft nicht!“ – es würde keinen Krieg mehr geben. Als meine Mutter meinem Bruder Enrique sagte, er solle fortgehen, war es für sie nicht nur der Grund, das Leben ihres Sohnes zu retten. Es war der Grund, das zu tun, was richtig war ...“
(Pablo Casals)





Mahatma Gandhi konnte sagen: „Das Christentum hat in Europa niemals existiert, sonst hätte es dort nicht immer wieder die schlimmsten Kriege gegeben.“ Er konnte sich weigern, militärische Ehren entgegenzunehmen, wenn er ein fremdes Land besuchte, er konnte barfuß und im Lendenschurz ins Parlament gehen, weil er dachte: „Sobald wir reich sind, brauchen wir ein Militär, um uns zu verteidigen.“
(Eugen Drewermann über Mahatma Gandhi)



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Wie der Vogel

cover
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Titel:Eine Minute Weisheit. Sonderausgabe.
Autor:Anthony de Mello
Preis:
Gebraucht: EUR 52,98
Der Meister sprach gern darüber, wie Natur und Heiligkeit ineinander verwoben sind. Er saß einmal im Garten, als er ausrief:
"Sieh nur diesen fröhlichen blauen Vogel dort auf dem Ast, wie er hin und her hüpft, sein Lied in die Welt schmettert und sich uneingeschränkter Freude überläßt, weil er nichts von morgen weiß!"




Ganz der Vater

Als der junge Rabbi seinem Vater nachfolgte, fing jeder davon an, wie ganz anders er sei.
"Im Gegenteil", antwortete der junge Mann, "ich bin genau wie mein alter Herr. Er ahmte niemanden nach. Ich ahme niemanden nach."

Sei du selbst! Hüte dich, das Verhalten der Großen nachzuahmen, wenn du nicht die innere Haltung hast, die ihr Handeln inspirierte.


Nicht für eine goldene Schale

Der große buddhistische Heilige Nagarjuna pflegte mit nichts weiter als einem Lendentuch bekleidet umherzuwandern, besaß jedoch - nicht ganz dazu passend -, eine goldene Bettelschale, die ihm der König, sein Schüler, gegeben hatte.
Eines Nachts wollte er sich gerade in den Ruinen eines alten Klosters zum Schlaf niederlegen, als er hinter den Säulen einen Dieb bemerkte.
"Hier", sagte Nagarjuna und hielt ihm die Bettelschale hin, "nimm das. Dann störst du mich wenigstens nicht, wenn ich eingeschlafen bin."
Der Dieb griff hastig nach der Schale und machte sich aus dem Staub, kehrte aber am nächsten Morgen mit der Schale und einer Frage auf den Lippen zurück.
"Als Ihr mir letzte Nacht diese Schale ohne Zögern gabt, kam ich mir selbst sehr armselig vor. Lehrt mich, die Reichtümer zu gewinnen, mit denen ich soviel Gelassenheit erwerben kann."




Zwei Dollar verloren

Ein Mann und seine Frau besuchten Freunde in einem anderen Teil des Landes und wurden zu einem Pferderennen mitgenommen. Sie waren fasziniert von dem Anblick der auf einer Bahn um die Wette rasenden Pferde, so daß sie den ganzen Abend wetteten, bis sie nur noch zwei Dollar besaßen.
Am nächsten Tag beschwor der Mann seine Frau, ihn allein zum Rennen gehen zu lassen. Ein Pferd war am Start mit einer Quote von 50:1 im ersten Rennen. Er setzte auf dieses Pferd, und es gewann. Nun setzte er alles gewonnene Geld in einem kühnen Versuch im nächsten Rennen wieder ein, und wieder gewann er. Und so ging es weiter den ganzen Abend, und zuletzt hatte er 57 000 Dollar gewonnen.
Auf dem Heimweg kam er an einem Spielsalon vorbei. Eine innere Stimme, die gleiche, die ihn bei der Wahl der Pferde geleitet zu haben schien, sagte: "Stop! Geh hinein!" Also blieb er stehen, ging hinein und stand vor einem Roulette-Spiel. Die Stimme sagte: "Nummer dreizehn."
Der Mann setzte seine 57 000 Dollar auf Nummer dreizehn. Das Rad drehte sich, der Croupier sagte: "Nummer vierzehn."
So ging der Mann mit leeren Taschen nach Hause. Seine Frau rief ihm zu: "Wie war´s?"
Der Mann zuckte die Schultern. "Ich habe die zwei Dollar verloren", sagte er.

Bedenkt man es recht, verliert man nie mehr als den Einsatz, gleichgültig, wie hoch er war.




Was die Nachbarn denken

Ein Möbelfabrikant schickte einem seiner Kunden folgenden Brief:

"Lieber Mr. Jones,
was würden Ihre Nachbarn denken, wenn wir einen Möbelwagen zu Ihrem Haus schickten, um die Möbel, die Sie noch nicht bezahlt haben, wieder abzuholen?"
Er bekam folgende Antwort:

"Dear Sir,
ich habe die Angelegenheit mit meinen Nachbarn besprochen, um zu erfahren, was sie denken würden. Alle hielten es für einen ganz gemeinen Trick einer schäbigen, fiesen Gesellschaft."

Ein untrügliches Zeichen der Erleuchtung: Was die Mitmenschen denken oder sagen, ist einem völlig gleichgültig.




Eine andere Geschichte wird erzählt von einem Soldaten auf dem Schlachtfeld, der einfach sein Gewehr fallen ließ, ein Stück Papier vom Boden aufhob und es betrachtete. Nach kurzer Zeit ließ er es wieder zu Boden flattern. Dann ging er ein Stückchen weiter und tat das gleiche. Die anderen Soldaten sagten:
"Der ist ja lebensmüde. Er braucht Hilfe." So schafften sie ihn in eine Klinik, wo sich der beste Psychiater um ihn kümmerte.
Aber nichts schien zu helfen. Der Soldat wanderte durch die Gänge, las Papierfetzen auf, schaute sie kurz an und ließ sie wieder zu Boden flattern. Schließlich sagte man:
"Wir müssen diesen Mann aus der Armee entlassen." Also rief man ihn herein und überreichte ihm seine Entlassungsurkunde. Er nahm sie, warf einen Blick darauf und rief: "Ist sie das? Das ist sie!"
Endlich hatte er sie gefunden.



Ein Rekrut wurde als Wachmann eingeteilt, um die Einfahrt zu dem Militärlager zu bewachen, mit dem strikten Befehl, keinen Wagen passieren zu lassen, der nicht einen besonderen Wimpel trug.
Es geschah nun, dass er einen Wagen anhielt, in dem ein General saß, der sofort seinem Fahrer befahl, sich nicht um die Wache zu kümmern und weiterzufahren. Daraufhin trat der Rekrut, das Gewehr im Anschlag, vor und sagte ruhig: "Ich bitte um Verzeihung, Sir, aber ich bin neu in diesem Geschäft. Wen soll ich erschießen? Sie oder den Chauffeur?"

Man erlangt Größe, wenn man den Rang der Vorgesetzten nicht achtet und die Untergebenen ihren eigenen Rang vergessen macht. Wenn man weder überheblich gegenüber den Schwachen ist noch schwach mit den Überheblichen.




Laß mich heraus

Nichts beschreibt besser die menschliche Natur als die Geschichte des armen Betrunkenen, der spät nachts außerhalb eines Parkes am Zaun rüttelt und schreit: "Laßt mich raus!"

Nur deine Illusionen hindern dich an der Erkenntnis, daß du frei bist - und es immer warst.


Diogenes

Der Philosoph Diogenes aß zum Abendbrot Linsen. Das sah der Philosoph Aristippos, der ein angenehmes Leben führte, indem er dem König schmeichelte.
Sagte Aristippos: "Wenn du lerntest, dem König gegenüber unterwürfig zu sein, müßtest du nicht von solchem Abfall wie Linsen leben."
Sagte Diogenes: "Wenn du gelernt hättest, mit Linsen auszukommen, brauchtest du nicht dem König zu schmeicheln."


Trennung

Die Lehren des Meisters fanden bei der Regierung keine Zustimmung und sie verbannte ihn aus seiner Heimat.
Den Schülern, die ihn fragten, ob er nie Heimweh hätte, sagte der Meister: "Nein."
"Aber es gehört zum Menschen, seine Heimat zu vermissen", wandten sie ein.
Worauf der Meister sagte: "Man ist kein Verbannter mehr, wenn man entdeckt, daß die Schöpfung die eigentliche Heimat ist."




Autonomie

Dem Meister schien es völlig gleichgültig zu sein, was die Menschen von ihm dachten. Als die Schüler fragten, wie er diese Stufe innerer Freiheit erreicht habe, lachte er laut und sagte: "Bis ich zwanzig war, kümmerte es mich nicht, was die Leute von mir dachten. Nach meinem zwanzigsten Lebensjahr fragte ich mich ständig, was wohl meine Nachbarn von mir hielten. Als ich dann einen Tag älter als fünfzig war, erkannte ich plötzlich, daß sie kaum je überhaupt an mich dachten."


Offenheit

Ein besorgtes Ehepaar klagte dem Meister, ihr Sohn habe die religiösen Traditionen der Familie aufgegeben und sich zum Freidenker erklärt.
Sagte der Meister: "Kein Grund zur Sorge. Wenn der Junge wirklich für sich selbst denkt, wird der Mächtige Wind sich erheben und ihn dorthin tragen, wohin er gehört."


Extravaganz

Eines Tages wollten die Schüler wissen, wie der Mensch beschaffen sein müßte, der am besten geeignet wäre, Schüler zu werden.
Sagte der Meister: "Das wäre ein Mensch, der nur zwei Hemden hat, eines davon veräußert und von dem Geld eine Blume kauft."




Entfernung

Der Besitzer eines Vergnügungsparks wies auf die Ironie hin, daß zwar die Jugend sich in seinem Park nach Kräften amüsierte, er selbst aber meistens niedergeschlagen war.
"Möchtest du lieber den Park oder das Vergnügen?" fragte der Meister.
"Ich möchte beides."
Der Meister schwieg.
Als er später darüber befragt wurde, zitierte der Meister die Worte eines Landstreichers zu einem reichen Landbesitzer: "Ihr habt den Besitz. Andere genießen die Landschaft."


Der Hühneradler

Ein Mann fand ein Adlerei und legte es in das Nest einer gewöhnlichen Henne. Der kleine Adler schlüpfte mit den Küken aus und wuchs zusammen mit ihnen auf.
Sein ganzes Leben lang benahm sich der Adler wie die Küken, weil er dachte, er sei ein Küken aus dem Hinterhof. Er kratzte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckte und gackerte. Und ab und zu hob er seine Flügel und flog ein Stück, genau wie die Küken. Schließlich hat ein Küken so zu fliegen, stimmt´s?
Jahre vergingen, und der Adler wurde sehr alt. Eines Tages sah er einen herrlichen Vogel hoch über sich im wolkenlosen Himmel. Hoheitsvoll schwebte er durch die heftigen Windströmungen, fast ohne mit seinen kräftigen goldenen Flügeln zu schlagen. Der alte Adler blickte ehrfürchtig empor. „Wer ist das?“, fragte er seinen Nachbarn.
„Das ist der Adler, der König der Vögel“, sagte der Nachbar. „Aber reg dich nicht auf. Du und ich sind von anderer Art.“
Also dachte der Adler nicht weiter an diesen Vogel. Er starb in dem Glauben, ein Küken im Hinterhof zu sein.


Zugvogels sicheres Fundament

„Ich sehne mich nach einem festen Grund, einem sicheren Fundament für mein Leben.“
„Sieh es doch do an“, sagte der Meister. „Was ist der feste Grund für den Zugvogel, der Kontinente überquert? Was ist das sichere Fundament für den Fisch, der vom Fluss in das Meer getragen wird?“



Die Kokosnuß

Von einem Baum warf ein Affe eine Kokosnuß einem Sufi auf den Kopf.
Der Mann hob die Nuß auf, trank die Milch, aß das Fruchtfleisch und machte sich eine Schüssel aus der Schale...



Sogar die Sehnsucht nach Freiheit ist eine Fessel.
Niemand ist frei, der sich um seine Freiheit sorgt. Nur die Zufriedenen sind frei.



Es war einmal ein großer Zenmeister mit dem Namen Ryokan. Er lebte am Fuße eines Berges und führte ein sehr einfaches Leben. Eines Tages, als der Meister fortgegangen war, brach ein Räuber in seine kleine Hütte ein, doch er fand darin nichts, was er hätte stehlen können. Der Räuber wühlte und suchte noch in der Hütte, als der Meister zurückkam und den Einbrecher stellte.
Ryokan sagte: "Du hast einen weiten Weg gemacht, um mich zu überfallen. Du kannst unmöglich mit leeren Händen gehen. " Und er gab ihm alle seine Kleider und die Bettdecke obendrein. Verblüfft wie er war, nahm der Räuber die Sachen und verschwand. Daraufhin setzte sich der Meister vor die Tür seiner Hütte, schaute in die helle Mondnacht und dachte sich: "Der Arme! Ich wünschte, ich könnte ihm etwas von diesem zauberhaften Mondschein geben!"


Ein vollkommener Narr

Ein Guru versprach einem Gelehrten eine Offenbarung von größerer Bedeutung als alles, was in den Schriften stand.
Als der Gelehrte darum bat, sie ihm mitzuteilen, sagte der Guru: „Geh hinaus in den Regen und recke Kopf und Arme himmelwärts. Das wird dir die erste Offenbarung bescheren.“
Am nächsten Tag kam der Gelehrte und berichtete. „Ich folgte deinem Rat, und das Wasser floss mir den Nacken hinab. Und ich fühlte mich wie ein vollkommender Narr.“
„Findest du nicht“, sagte der Guru, „dass das für den ersten Tag schon eine ganz schöne Offenbarung ist?“



Gute Aussicht

Ein ängstlicher Tourist fürchtete, zu nahe an den Klippenrand zu kommen. "Was soll ich machen, wenn ich hinunterfalle?" fragte er den Führer.
Der sagte voller Begeisterung: "In diesem Falle, Sir, sollten Sie unbedingt nach rechts blicken. Die Aussicht wird Ihnen gefallen."

Natürlich nur, wenn auch Sie erleuchtet sind!




Gelegenheit macht Diebe

Ein reicher Mann ging nach einem Fest in die Moschee, zog seine teuren Schuhe aus und ließ sie vor der Tür stehen. Als er nach dem Gebet wiederkam, waren die Schuhe weg.
"Wie gedankenlos von mir", sagte er sich vorwurfsvoll. "Indem ich dummerweise die Schuhe draußen stehen ließ, habe ich jemanden dazu verführt, sie zu stehlen. Nun bin ich schuld, daß er zum Dieb wurde."



Man ist nie natürlich, wenn man versucht, natürlich zu sein;
oder versucht, es nicht zu versuchen!


Den besten Samen teilen

Ein Farmer, dessen Mais auf der staatlichen Landwirtschaftsmesse immer den ersten Preis gewann, hatte die Angewohnheit, seine besten Samen mit allen Farmern der Nachbarschaft zu teilen.
Als man ihn fragte, warum er das täte, sagte er: "Eigentlich liegt es im ureigensten Interesse. Der Wind trägt die Pollen von einem Feld zum anderen. Wenn also meine Nachbarn minderwertigen Mais züchten, vermindert die Kreuzbestäubung auch die Qualität meines Kornes. Darum liegt mir daran, daß sie nur den allerbesten anpflanzen."

Was man anderen gibt, gibt man sich selbst.




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