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Philosophie beginnt mit der Fähigkeit, sich zu wundern.
(Platon)

Die Fähigkeit, uns zu wundern, ist das Einzige,
was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden.
(Alberto in "Sofies Welt")

Jeder Mensch auf Erden ist eine ganze Schöpfung für sich.
(Engel Efiriel in Jostein Gaarders Buch "Das Weihnachtsgeheimnis")



Alle Anstrengungen des menschlichen Verstandes können nicht das Wesen einer einzigen Fliege erschöpfend ergründen.
(Thomas von Aquin)


Kinder sind Dichter und Philosophen

Ein Dichter ist ein Mensch, der sehr ausgelassen und tieftraurig sein kann, der leicht aufbraust und leidenschaftlich liebt – ein Mensch, der tief empfindet, der Rührung und Mitleid kennt. Und genauso sind auch die Kinder.

Ein Philosoph ist ein Mensch, der sehr gründlich nachdenkt und unbedingt wissen will, wie alles wirklich ist. Und wiederum, genauso sind die Kinder auch.
(Janusz Korczak)


Die Welt des Nutzens kann nicht die Welt des Menschen sein

Der Hohlraum zwischen den Wänden eines Gefäßes macht das Gefäß so nützlich.
Der Hohlraum zwischen den Speichen eines Rades macht das Rad so brauchbar.
Das Nichtsein der Mauer zwischen den Wänden macht das Haus bewohnbar.
Durch das Nichtsein ist alles gemacht.
(Laotse)




Gedanken zu den fünf Tugenden des Sokrates:

Die Liebe zur Erkenntnis stellt den zentralen Ausgangspunkt meiner Gedankenwelt dar. Es ist jeden Tag eine Herausforderung, sich den Gedanken und Vorstellungen seiner Geisteswelt zu stellen und zu überprüfen. In vielen Gedanken steckt ein Irrtum. Diesen Irrtum gilt es zu finden und die Gedanken zu erneuern. Niemals darf man sich auf einer gewonnenen Erkenntnis ausruhen, sondern muß darauf gefaßt sein, die Dinge aus einer anderen Sicht betrachten zu müssen. Diese Art zu Denken macht mich nicht nur tolerant gegenüber Menschen, die anders Denken, sondern auch einsichtig hinsichtlich des unbedeutenden Seins der eigenen Gedanken. Zwar versuche ich mein Leben im Einklang eigener Erkenntnis zu führen und mich nicht von Manipulationen anderer leiten zu lassen, aber die Gedanken eines Anderen können mich durchaus dazu bewegen, meine Meinung zu ändern, wenn mich diese Gedanken nach eigener Prüfung überzeugen.

Die Gerechtigkeit ist ein Mittleres zwischen Anmaßung und Kriecherei. Das bedeutet, daß ich Stärkeren, wie zum Beispiel einem Vorgesetzten, und Schwächeren, wie zum Beispiel einem Kind, in der selben Art und Weise entgegentrete. So verdient jeder Mensch die gleiche Art von Zuwendung und Höflichkeit, ob er nun Bundeskanzler ist oder ein Bettler unter einer Brücke. Er verdient, daß man ihn als menschliches Wesen achtet und seine persönlichen Rechte akzeptiert. Ebenso ist es aber auch wichtig, den Menschen nicht mehr Respekt entgegenzubringen als sie verdienen. Ein Mörder bleibt ein Mörder, ob er reich oder arm ist. Und nur weil einer einen höheren Lebensstandard hat, darf man diesem nicht mehr Rechte einräumen als jedem anderen sonst.

Die Besonnenheit bedeutet für mich, meine Handlungen meiner Erkenntnis unterzuordnen. Einfach formuliert: Erst Denken, dann Handeln. Natürlich muß die Bedenkzeit der Situation angepaßt sein. Wenn ich Auto fahre, darf ich natürlich nicht lange nachdenken ehe ich bremse. Dennoch ist es in den meisten Situationen doch ratsam, sich Gedanken zu machen, bevor man etwas tut oder mit jemandem redet.

Die Tapferkeit bedeutet für mich persönlich zu seinen Ansichten zu stehen. Hat man eine Erkenntnis für sich gefunden und versucht man sein Leben nach solch einer Erkenntnis zu gestalten, gehört auch der Mut und die Tapferkeit dazu, diese Ansicht gegenüber anderen zu verteidigen. So kann zum Beispiel jemand, der zu der Einsicht gekommen ist, daß er keinen wehrlosen Menschen tötet, dies niemals auch unter größtem Zwang tun. Aber auch im alltäglichen Leben gibt es Situationen für solche Formen der Tapferkeit: Wenn man von etwas überzeugt ist, hat man auch in einer Gesprächsrunde dazu zu stehen, selbst wenn man als einziger dieser Meinung ist und einen die Argumente der Anderen nicht überzeugen.

Die Frömmigkeit bedeutet für mich zunächst jedem seine Form des Glaubens zuzugestehen. Ich persönlich lebe in dem Glauben, nicht nur in einer physikalischen Welt zu leben, sondern auch andere "Kräfte", die in der Welt wirken, als vorhanden zu betrachten. Dinge dieser Art kann ich in keiner Weise beweisen, aber es ist meiner Meinung nach mindestens ebenso sinnvoll an etwas zu glauben als es nicht zu tun. So glaube ich an die Existenz der menschlichen Seele und so, wie ich es möchte, als Seelenwesen behandelt zu werden, will ich auch andere behandeln. Frömmigkeit bedeutet für mich auch eine gewisse Demut gegenüber einem größeren Ganzen. Jeder für sich ist ein unersetzliches Teil einer für uns nicht zu erkennenden größeren Wahrheit.
(Rainer Hölsch)



Ich sehe kein besonders Verdienst in der Tatsache, dass ich im Alter von elf Jahren ein Künstler war. Ich wurde mit einer Fähigkeit – mit Musik in mir – geboren. Das ist alles. Ich verdiene keine besondere Anerkennung. Die einzige Anerkennung, die wir in Anspruch nehmen können, ist die, was wir aus dem Talent, das uns gegeben wurde, machen. Das ist es, warum ich junge Musiker dränge: „Seid nicht eitel, weil ihr das Glück gehabt habt, Talent zu haben. Ihr seid nicht verantwortlich dafür, ihr tatet nichts dafür. Was ihr aus eurem Talent macht, darauf kommt es an. Ihr müsst diese Gabe pflegen. Vermindert oder verschwendet nicht, was euch gegeben worden ist.“
Natürlich wird diese Gabe am besten durch das Leben selbst gepflegt. Eines Menschen Werk sollte der Salut an das Leben sein! Manchmal schaue ich mit dem Gefühl des völligen Schreckens um mich. In der Verwirrung, die die Welt heute quält, sehe ich einen Mangel an Ehrerbietung vor den wirklichen Werten des Lebens. Schönheit ist überall um uns, aber wie viele sind blind für sie. Sie sehen auf die Wunder dieser Erde und scheinen nichts zu sehen. Jede Sekunde leben wir in einem neuen und einzigen Augenblick des Universums, einem Augenblick, der niemals vorher war und niemals wieder sein wird.
Und was lehren wir unseren Kindern? Wir lehren sie, dass 2 x 2 = 4 ist und dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist. Wann werden wir sie auch lehren, was sie sind? Wir sollten zu jedem von ihnen sagen: „Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder! Du bist einmalig. In der ganzen Welt gibt es kein anderes Kind genauso wie Du. In den Millionen Jahren, die vergangen sind, hat es niemals ein Kind gegeben wie Dich.
Und sieh dir deinen Körper an – was für ein Wunder er ist! Deine Beine, Deine Arme, Deine schlauen Finger, die Art, in der du dich bewegst!
Du kannst ein Shakespeare, ein Michelangelo, ein Beethoven werden! Du hast die Fähigkeit für alles. Ja, du bist ein Wunder!
Und wenn du groß bist, kannst du dann einem anderen, der wie du ist, Leid zufügen, einem Wunder?
Ihr müsst einander pflegen!
Du musst arbeiten – um diese Welt würdig Ihrer Kinder zu machen.
(Pablo Casals im Alter von 93 Jahren)



Da die Philosophie wohl nicht in den Fächerkanon eines Studenten der Sonderpädagogik gehört, vermute ich, dass diese Interessen persönlicher Art sind. Das ist gut.
Wer glaubt, dass die Jahre an einer Universität sich darin erschöpfen, dass man seine Scheine und Abschlüsse macht, der hat ein Wesensmerkmal wissenschaftlicher Bildung übersehen.
Und wer glaubt, dass die Jahre an einer Universität sich so ausschöpfen, dass man alles Mögliche, aber nichts richtig macht, der hat eine Notwendigkeit wissenschaftlicher Bildung übersehen.
(Michael Westerburg)

Verdammt phantastisch, daß es überhaupt Seelen gibt, und dazu noch so viele. Aber auch wenn es nur einen Stein in dieser Welt gäbe, bliebe die Frage, wo kommt er her, dieser Stein?
Ich finde es auch lustig, daß wir in unserem Kopf die Welt sehen können, dort, wo sich die Dinge auch befinden! Die Schöpfung sieht sich selbst! Die Schöpfung läuft herum. Fast schon unheimlich, oder? Ob Gott darüber nicht selbst gestaunt hat, als er bemerkte, was er da angestellt hat?
(aus einem Brief von mir)

Ein Student in seinem schriftlichen Philosophieexamen wird mit Folgendem konfrontiert:
"Wenn das eine Frage ist, dann beantworten Sie sie!"
(was er geschrieben hat, steht weiter unten)



(Die folgenden Zitate sind jeweils aus: Jostein Gaarders "Das Kartengeheimnis")

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Titel:Das Kartengeheimnis.
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"Weißt du, was Großmutter einmal gesagt hat? Sie sagte, sie hätte in der Bibel gelesen, daß Gott im Himmel sitzt und darüber lacht, daß die Menschen nicht an ihn glauben."
"Warum denn?" fragte ich. Fragen war immer einfacher als antworten.
"Okay", fing Vater an. "Wenn es einen Gott gibt, der uns geschaffen hat, dann sind wir in seinen Augen gewissermaßen künstlich. Wir quatschen, streiten und prügeln uns. Trennen uns und sterben. Verstehst du? Wir sind verflixt clever, bauen Atombomben und Mondraketen. Aber niemand von uns fragt, woher wir kommen. Wir sind einfach hier und stellen uns auf."
"Und dann lacht Gott einfach über uns?"
"Genau. Wenn wir einen künstlichen Menschen bauen könnten, Hans-Thomas, und wenn dieser künstliche Mensch dann einfach lossabbeln würde - über Börsenkurse oder Pferderennen -, ohne die allereinfachste und wichtigste aller Fragen zu stellen, nämlich wie er entstanden ist - ja, dann würden wir doch auch herzlich lachen."



"Du weißt, daß mich der Weltraum beschäftigt, Hans-Thomas. Ich interessiere mich für Planeten - vor allem für lebendige Planeten."
Ich gab keine Antwort. Wir wußten beide gut, daß ihn das interessierte. Er fuhr fort: "Hast du gewußt, daß soeben ein geheimnisvoller Planet entdeckt worden ist, auf dem einige Millionen intelligente Wesen wohnen, die auf zwei Beinen durch die Gegend laufen und ihren Planeten durch ein paar lebendige Linsen betrachten?"
Ich mußte zugeben, daß mir das neu war.
"Dieser kleine Planet wird durch ein kompliziertes Netz von Bahnen zusammengehalten, auf denen diese cleveren Kerlchen pausenlos in bunten Wagen herumkutschieren."
"Stimmt das wirklich?"
"Yes, Sir! Das rätselhafte Gewürm auf dem Planeten hat sogar riesige Gebäude mit über hundert Stockwerken errichtet. Und darunter - da haben sie lange Tunnels gegraben, in denen sie in elektrischen Apparaten herumsausen können, die sich auf Schienen bewegen."
"Bist du ganz sicher?" fragte ich.
"Ganz sicher, ja."
"Aber... warum hab ich dann noch nie von diesem Planeten gehört?"
"Nun ja", sagte Vater. "Zum einen ist er erst vor sehr kurzer Zeit entdeckt worden. Und zum anderen fürchte ich, daß ihn außer mir noch niemand kennt."
"Wo liegt er denn?"
Jetzt trat mein Vater auf die Bremse und fuhr an den Straßenrand.
"Hier!" sagte er und schlug mit der flachen Hand auf´s Armaturenbrett. "Das hier ist der seltsame Planet, Hans-Thomas. Und wir sind zwei von diesen intelligenten Kerlchen, zwei, die gerade in einem roten Fiat durch die Gegend rollen."
Einige Sekunden lang schmollte ich, weil er mich reingelegt hatte. Aber dann ging mir auf, daß er mir nur sagen wollte, wie unfaßbar unser Globus ist, und ich verzieh ihm sofort.
"Die Leute würden austicken, wenn Astronauten einen anderen lebenden Planeten entdeckten", sagte mein Vater schließlich. "Nur von ihrem eigenen lassen sie sich nicht aus der Fassung bringen."



Ein Joker ist ein kleiner Narr, der anders ist als alle anderen. Er ist nicht Kreuz oder Karo, nicht Herz oder Pik. Er ist nicht Acht oder Neun und nicht König oder Bube. Er steht außerhalb und gehört nicht wirklich zu den anderen. Er steckt im selben Packen wie die anderen Karten, aber er ist dort nicht zu Hause. Deshalb kann er auch entfernt werden, ohne daß irgendwer ihn vermisst.
Ich glaube, mein Vater fühlte sich wie ein Joker, als er als Deutschenkind in Arendal aufwuchs. Aber das war noch nicht alles: Auch als Philosoph war mein Vater eine Art Joker und glaubte immer, seltsame Dinge zu sehen, für die alle anderen blind waren.



Ziemlich bald erreichten wir einen Hügelkamm und blickten auf eine Ebene mit so üppigen Farben, daß ein armer Landschaftsmaler seinen ganzen Malkasten auf einmal hätte benutzen müssen, um ein wahrheitsgemäßes Bild zu bekommen.
Vater hielt an, sprang am Straßenrand aus dem Auto und rauchte eine Zigarette, während er seine Gedanken für einen seiner Minivorträge sortierte.
"Das alles sprießt hier Jahr für Jahr aus dem Boden, Hans-Thomas: Tomaten und Zitronen, Artischocken und Walnüsse - und tonnenweise Chlorophyll. Kannst du begreifen, wie die schwarze Erde das alles nach oben pumpen kann?"
Er blieb stehen und blickte auf das Wunder der Schöpfung.
"Was mich vor allem beeindruckt, ist, daß dies alles aus einer einzigen Zelle herstammt. Irgendwann vor mehreren Milliarden von Jahren ist ein kleines Samenkorn entstanden, das sich dann geteilt hat. Und im Laufe der Jahre verwandelte das kleine Samenkorn sich in Elefanten und Apfelbäume, Himbeeren und Orang-Utans. Verstehst du das, Hans-Thomas?"



Wir leben unser Leben in einem erstaunlichen Märchen, dachte ich. Trotzdem finden die allermeisten die Welt "normal". Zum Ausgleich sind sie ewig auf Jagd nach etwas Unnormalem - wie Engeln oder Marsmenschen. Aber das lag nur daran, daß ihnen die Welt nicht als Rätsel erschien. Ich selbst kam mir da ganz anders vor. Ich hielt die Welt für einen seltsamen Traum. Und ich machte gerade Jagd nach irgendeiner vernünftigen Erklärung dafür, was es mit diesem Traum auf sich hatte.



Ich fand es ein Rätsel, wie die Menschen einfach auf der Welt herumwuseln konnten, ohne sich immer wieder die Frage zu stellen, wer sie waren und woher sie kamen. Wie konnte man vor dem Leben auf diesem Planeten einfach die Augen verschließen oder es für selbstverständlich halten?



Ehe er aus dem Bett sprang, überlegte ich mir, daß es wichtig ist, für alles mögliche offene Augen zu haben, daß es aber nichts Wichtigeres gibt, als mit einem Menschen zusammenzusein, den wir lieben.



Ich fand es seltsam, daß wir Menschen, die in vieler Hinsicht so clever sind - und zum Beispiel den Weltraum und den Aufbau der Atome erforschen -, nicht mehr von uns selber wissen. Und mein Vater sagte etwas, das ich so klug fand, daß ich glaube, es hier wortwörtlich zitieren zu können: "Wenn unser Gehirn so einfach wäre, daß wir es verstehen könnten", sagte er und machte eine kleine Pause, "dann wären wir so dumm, daß wir es trotzdem nicht verstehen könnten."



"Wenn es wirklich einen Gott gibt" fuhr ich fort, "dann spielt er gern mit seinen Geschöpfen Verstecken."
Mein Vater lachte, aber ich wußte, daß er mir zustimmte.
"Vielleicht hat es ihm einen Schock versetzt, als er sah, was er da geschaffen hatte", sagte er. "Und dann ist er ganz schnell abgehauen. Du weißt schon - schwer zu sagen, wer den größeren Schrecken bekommen hat, Adam oder der Meister. Ich glaube eigentlich, daß so ein Schöpfungsakt auf beiden Seiten einen gleich großen Schrecken hervorruft. Aber ich finde, er hätte das Meisterwerk wenigstens noch schnell signieren können."
"Signieren?"
"Er hätte seinen Namen in einen Berg einritzen können oder so."



"Einen Philosophen nennen wir einen Menschen, der nach Weisheit sucht. Damit ist nicht gesagt, daß ein Philosoph besonders weise ist. Verstehst du den Unterschied?"



"Denn wenn man erst verstanden hat, daß man etwas nicht versteht, ist man im Grunde schon kurz davor, alles mögliche zu verstehen."



Du bist ein lebendiger Mensch. Im Moment befindest du dich in Schwäbisch Gmünd. Das ist ein Ort auf dem Erdball, der ein lebendiger Planet ist und derzeit um einen Stern in der Milchstraße kreist. Für eine Umlaufbahn um diesen Stern braucht dieser Planet etwa 365 Tage.



Jetzt können wir nur nicken und lächeln und Tausenden von Zeitgenossen guten Tag sagen: "He, du! Phantastisch, daß wir gleichzeitig leben!"



"Alle alten Menschen müssen sterben dürfen, mein Junge."



"Weißt du, warum die meisten Leute auf der Welt herumtrotten, ohne sich über alles zu wundern, was sie sehen?" fragte er. Ich schüttelte den Kopf. "Weil ihnen die Welt zur Gewohnheit wird!" Er streute sich Salz aufs Ei und fuhr fort:
"Wir alle brauchen viele, viele Jahre, um uns an die Welt zu gewöhnen. Das kann man bei kleinen Kindern leicht beobachten: Alles, was sie sehen, beeindruckt sie so sehr, daß sie ihren Augen nicht trauen. Deshalb zeigen sie nach allen Himmelsrichtungen und fragen nach allem, was sie entdecken.
Bei uns Erwachsenen ist das anders: Wir haben alles schon so oft gesehen, daß wir am Ende die ganze Wirklichkeit für selbstverständlich halten."



"Wir versprechen uns gegenseitig, daß wir diesen Planeten erst verlassen werden, wenn wir mehr darüber herausgefunden haben, wer wir sind und woher wir kommen." "Abgemacht!", sagte ich und gab ihm über dem Tisch die Hand.



Ich machte einen kleinen Spaziergang durch den Wald oberhalb des Hauses. Als sich der Sturm in meinem Innern allmählich legte, überkam mich ein Gefühl, das mich seither niemals verlassen hat: Als ich mich umdrehte und über das Dorf hinschaute, ging mir zum ersten Mal auf, was die Welt für ein unfaßbares Wunder ist.
Wie ist es zu erklären, fragte ich mich, daß wir Menschen sein dürfen? Es kam mir wie eine gänzlich neue Entdeckung vor - und doch hatte, was ich da entdeckte, seit meiner frühesten Kindheit offen zutage gelegen. Mir war, als hätte ich mein bisheriges Leben im Schlaf gelebt, als wäre es nur ein jahrelanger Schlummer gewesen. Ich existiere!! dachte ich. Ich bin eine springlebendige Person unter dem Himmel! Zum ersten Mal in meinem Leben begriff ich, was ein Mensch ist.



Jetzt begriff ich auch, warum das so gewesen war: Ich hatte mir keine Zeit gelassen, die Rehe zu erleben, eben weil ich schon so viele gesehen hatte.
So ist es mit allem, dachte ich, so ist es mit der ganzen Welt. Solange wir Kinder sind, haben wir noch die Fähigkeit, die Welt um uns herum zu erleben. Doch dann wird uns die ganze Welt zur Gewohnheit. Kind zu sein und aufzuwachsen, dachte ich, ist, wie sich an Empfindungen, an Sinneserlebnissen zu betrinken.



Jetzt wußte ich auch, was mit den Zwergen auf der magischen Insel geschehen war: Sie hatten sich dagegen gesperrt, die tiefsten Geheimnisse des Daseins zu erleben - vielleicht, weil sie niemals Kinder gewesen waren.



Diese Welt, dachte ich, ist ein so phantastisches Wunder, daß man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Man sollte vielleicht beides, aber es gleichzeitig zu tun ist nicht leicht.



...da ging mir auf, was das kleine Baby wohl gesagt hätte, wenn es hätte reden können: Es hätte gesagt, daß es in eine seltsame Welt gekommen sei. Ich hatte nicht vergessen, der jungen Mutter zu ihrem Kind zu gratulieren, doch im Grunde genommen hätte ich dem Kind gratulieren sollen. Wie man sich vor jedem einzelnen neuen Weltbürger verneigen sollte und sagen: "Willkommen auf der Welt, kleiner Freund! Du hast wirklich unglaubliches Glück, daß du herkommen darfst!"
Auf einmal fand ich es unendlich traurig, daß wir Menschen uns überhaupt an etwas so Unfaßbares wie das Leben gewöhnen. Eines Tages halten wir es für selbstverständlich, daß es uns gibt - und dann, ja, dann denken wir erst wieder darüber nach, wenn wir diese Welt wieder verlassen müssen.



Ich dachte an meine Freunde unten im Dorf. Wenn die wüßten! dachte ich. Bald würden sie wieder im "Schönen Waldemar" sitzen. Sie mußten über irgendetwas reden, und was lag da näher, als sich über den alten Bäcker das Maul zu zerreißen, der allein, weit weg von allen anderen, in seinem einsamen Häuschen lebte? Sie fanden ihn ein bißchen seltsam und erklärten ihn sicherheitshalber für verrückt.
Aber das größte Rätsel - davon waren sie selber ein Teil. Dieses größte Rätsel lag offen zutage, doch das sahen sie nicht. Vielleicht stimmte es, daß Albert ein großes Geheimnis hütete, aber das allergrößte Geheimnis war die Welt selber.



Aber wie alle Joker - in großen wie in kleinen Patiencen - müssen wir den Menschen erzählen, was die Welt für ein unbegreifliches Abenteuer ist. Wir wissen, daß es nicht leicht ist, den Menschen die Augen zu öffnen, damit sie sehen, daß die Welt groß und ziemlich unbegreiflich ist. Und solange sie nicht sehen, daß das, was offen zutage liegt, ein Rätsel ist, solange ist die Welt noch nicht reif, von Frodes Patiencekarten und der magischen Insel zu hören.



Ich könnte wie Sokrates sagen: Ich weiß, daß ich nichts weiß. Aber ich bin ganz sicher, daß noch immer ein Joker durch die Welt geistert. Er wird dafür sorgen, daß die Welt nie zur Ruhe kommt. Jederzeit - und überall - kann ein kleiner Narr mit Narrenkappe und klingenden Glöckchen auftauchen. Er blickt uns tief in die Augen und fragt: Wer sind wir? Woher kommen wir?
(jeweils aus: Jostein Gaarder, Das Kartengeheimnis)


Ein Student in seinem schriftlichen Philosophieexamen wird mit Folgendem konfrontiert:
"Wenn das eine Frage ist, dann beantworten Sie sie!"
Schreibt dieser aufs Papier:
"Wenn das eine Antwort ist, dann bewerten Sie sie!!"



"Sofie, entweder lebst du in einem wunderbaren Universum auf einem winzigen Fussel von einem Planeten in einer von Hunderten von Milliarden Galaxien - oder du bist einfach nur eine Handvoll elektromagnetischer Impulse im Bewusstsein eines Majors. Und angesichts dieser Situation redest du von einem Zeugnis! Du solltest dich schämen!"
"Tut mir leid."
(Alberto zu Sofie in "Sofies Welt")



Die folgenden Geschichten sind aus Anthony de Mellos Bücher
"Eine Minute Unsinn", "Eine Minute Weisheit", "Warum der Schäfer jedes Wetter liebt", "Wer bringt das Pferd zum Fliegen?" und "Zeiten des Glücks"


Eine alte Legende besagt, daß Gott bei der Erschaffung der Welt von vier Engeln angesprochen wurde.
Der erste fragte: "Wie machst du das?" Der zweite: "Warum machst du es?" Der dritte: "Kann ich helfen?" Der vierte: "Was ist es wert?"
Der erste war Wissenschaftler; der zweite Philosoph; der dritte Altruist; der vierte Immobilienhändler.
Ein fünfter Engel sah voller Staunen zu und klatschte aus reinem Entzücken Beifall. Das war der Mystiker.



Nicht die Verschiedenheit unserer Dogmen richtet Schaden an, sondern unser Dogmatismus.
Wenn also jeder von uns das täte, was nach seiner festen Überzeugung der Wille Gottes ist, wäre das Ergebnis ein absolutes Chaos.
Gewißheit ist von Übel.
Der geistliche Mensch kennt Ungewißheit - ein Geisteszustand, der dem religiösen Fanatiker unbekannt ist.



cover
Buchempfehlung:

Titel:Eine Minute Weisheit. Sonderausgabe.
Autor:Anthony de Mello
Preis:
Gebraucht: EUR 52,98
Die geistliche Suche ist eine Reise, die keine Entfernung überwindet.
Man reist von dort, wo man sich gerade befindet, dahin, wo man schon immer war.
Von Unwissenheit zur Erkenntnis, denn man sieht jetzt zum ersten Mal, was man schon immer vor Augen hatte.

Wer hörte je von einem Pfad, der dich zu dir selber führt,
oder einer Schule die dich so formt, wie du schon immer warst?
Spiritualität bedeutet schließlich nur, das zu werden, was du wirklich bist.



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